Tausende gedenken des Kriegsverbrechers Ratko Mladić in Serbien
Der Warnung der EU zum Trotz hat die serbische Regierung es zugelassen, dass der Leichnam des Kriegsverbrechers Ratko Mladić öffentlich aufgebahrt wird. Tausende Unterstützer und Unterstützerinnen versammelten sich am Montagabend in und um die Kirche St. Lukas in Belgrad, um den Anführer der bosnisch-serbischen Armee während der Balkankriege zu ehren.
Als solcher verantwortete Mladić die jahrelange Belagerung der Stadt Sarajevo und den Genozid an den bosniakischen Muslimen in Srebrenica. Dafür wurde er vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag 2017 zu lebenslanger Haft verurteilt. In dieser verstarb Mladić im Alter von 87 Jahren am 27. August 2026.
Noch immer gilt er vielen in Serbien als Held. «Er war ein Mann, der sein ganzes Leben dem serbischen Volk verschrieb», sagt Milan Dobric gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Er reiste eigens für die Trauerfeier Mladićs aus dem Kosovo an. «Ich bin froh, dass heute so viele Menschen gekommen sind, um ihm Respekt zu zollen.»
Die EU, zu deren Beitrittskandidaten Serbien gehört, hat die Bestattung des Kriegsverbrechers Mladić mit vollen militärischen Ehren verurteilt. Die Verantwortliche für die EU-Erweiterung Marta Kos, hat aus Protest einen geplanten Besuch in Serbien abgesagt. «Die Glorifizierung von Mladić ist mit dem Weg in die EU nicht vereinbar», teilte sie mit.
Der nationalistische Präsident Aleksandar Vucic zeigt dafür wenig Verständnis – und hat dementsprechend nichts dagegen unternommen, dass Mladićs Sarg in die serbische Flagge gehüllt öffentlich aufgebahrt wird. Die Zeremonie, die von Patriarch Porfirije, dem Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, angeleitet wurde, beschrieb Vucic als einen «Ausbruch von Gefühlen».
«Wir Serben werden seit 30, 40 Jahren verfolgt und gedemütigt. Egal was, immer sind wir schuld», sagte Vucic weiter. «Die Leute haben davon echt die Schnauze voll».
Der Bosnienkrieg forderte über 100'000 Todesopfer und machte über eine Million Menschen obdachlos. Beim Völkermord von Srebrenica wurden über 8000 bosniakische Muslime getötet, Frauen massenweise vergewaltigt. Serbien weigert sich, das Massaker von Srebrenica als Völkermord anzuerkennen.
Nach dem Balkankrieg wurde Ratko Mladić jahrelang von Serbien versteckt. Erst 2011, 16 Jahre nach den von ihm orchestrierten Gräueltaten in Srebrenica, wurde er nach Den Haag ausgeliefert. In Serbien ist Mladić bis heute als Volksheld allgegenwärtig, ihm wird mit Graffiti, Choreografien und Sprechgesängen gehuldigt.
(her)
