International
UNO

Ratko Mladic ist tot: Er verbreitete Angst und Schrecken

TV FILE IMAGE - In this file image of July 12, 1995 taken from television Bosnian Serb General Ratko Mladic pats a young Muslim boy on the head as he assures residents of Srebrenica they would be safe ...
Ratko Mladic zusammen mit UNO-Blauhelmtruppen 1995. Mladic machte sich einen Spass daraus, die überforderten Friedenstruppen an der Nase herumzuführen.Bild: AP

Ratko Mladic ist tot: Ein Kriegsvebrecher, der Angst und Schrecken verbreitete

Der wegen Gräueltaten im Bosnien-Krieg verurteilte ehemalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic ist im Gefängnis in Den Haag gestorben.
27.08.2026, 17:2227.08.2026, 22:01
Bojan Stula
Bojan Stula

Ratko Mladic ist tot. Der frühere Oberbefehlshaber der bosnisch-serbischen Armee starb nach Angaben serbischer und bosnisch-serbischer Medien in einem Gefängnisspital in Den Haag. Ein Familienmitglied bestätigte zuerst den Tod gegenüber der Nachrichtenagentur AP, ein hochrangiger UNO-Vertreter anschliessend gegenüber der DPA.

Gemäss Agenturberichten befand sich Mladics Sohn Darko Mladic am Donnerstag auf dem Weg in die niederländische Stadt. Mladic wurde je nach Quelle 83 oder 84 Jahre alt, da er über sein Geburtsjahr zeitlebens unterschiedliche Angaben machte.

Unbestritten ist dagegen, dass sein Name wie kaum ein anderer für die Gräuel des Bosnienkriegs von 1992 bis 1995 steht. Noch in lebhafter Erinnerung sind die Filmaufnahmen, wie er der verängstigten Bevölkerung von Srebrenica mit grossen Gesten versichert, ihnen würde nach der Einnahme durch serbische Truppen nichts geschehen. Es war nicht die einzige, aber wohl die abscheulichste Lüge seines Lebens.

Als militärischer Befehlshaber der bosnischen Serben war Mladic eine Schlüsselfigur bei der gewaltsamen Vertreibung von Bosniaken und Kroaten aus serbisch beanspruchten Gebieten. Die BBC-Reporterlegende John Simpson nannte ihn am Donnerstag einen der wenigen Menschen, die ihm bei persönlichen Treffen «wirklich Angst gemacht» hätten.

Bild

Unter seinem Kommando wurde auch die Hauptstadt Sarajewo jahrelang mit Artillerie beschossen und von Scharfschützen terrorisiert. Tausende Zivilisten kamen während der Belagerung ums Leben. Die Bilder der damaligen Massaker, etwa im Februar 1994 auf dem Markale-Markt nach einem Mörsereinschlag, gleichen den heutigen in der Ukraine in fataler Weise.

Srebrenica als Symbol der menschlichen Abgründe

Zum Symbol seiner Verbrechen wurde aber Srebrenica. Im Juli 1995 nahmen bosnisch-serbische Truppen die von der UNO zur Schutzzone erklärte, dann aber preisgegebene Stadt ein. In den folgenden Tagen wurden mehr als 8000 bosniakische Männer und Knaben von Erschiessungskommandos kaltblütig ermordet. Internationale Gerichte stuften das Massaker als Völkermord ein. Mladic wurde für seine führende Rolle dabei rechtskräftig verurteilt.

Geboren wurde Mladic 1942 oder 1943 im damaligen Jugoslawien. Er machte Karriere in der Jugoslawischen Volksarmee und stieg nach dem Zerfall des Vielvölkerstaates zum militärischen Führer der bosnischen Serben auf. Während des Krieges arbeitete er eng mit deren politischem Führer Radovan Karadzic zusammen.

Mladic inszenierte sich als Beschützer der Serben – und wurde für viele von ihnen auch nach dem Krieg zur Identifikationsfigur. Für die Opfer und ihre Angehörigen blieb er dagegen das Gesicht einer Politik der Vertreibung und Vernichtung.

Former Bosnian Serb military chief Ratko Mladic imitates taking pictures as he sits the court room in The Hague, Netherlands, Tuesday, June 8, 2021, where the United Nations court delivers its verdict ...
Ratko Mladic anerkannte die internationale Gerichtsbarkeit in Den Haag nicht und provozierte während seines Prozesses mehrmals einen Eklat.Bild: AP Pool

Bereits 1995 erhob das UNO-Kriegsverbrechertribunal Anklage gegen ihn. 2002 legte die Schweizer Chefanklägerin Carla Del Ponte in Den Haag eine überarbeitete Anklageschrift mit 15 Anklagepunkten vor. Doch Mladic entzog sich der Justiz während fast 16 Jahren; wohl auch wegen Lecks und Sympathisanten im serbischen Polizeiapparat.

Erst im Mai 2011 wurde er in einem Dorf in Serbien festgenommen und nach Den Haag überstellt. 2017 verurteilte ihn das Tribunal wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zu lebenslanger Haft. Das Berufungsgericht bestätigte das Urteil 2021.

Zuletzt war Mladic schwer krank und erlitt gemäss eigenen Angaben in diesem Frühjahr einen Schlaganfall. Noch im Mai lehnte der UNO-Gerichtsmechanismus eine vorzeitige Freilassung aus humanitären Gründen ab. Nach Angaben des Gerichts erhielt er in der Haft umfassende medizinische und palliative Betreuung.

Mladic starb als rechtskräftig verurteilter Kriegsverbrecher. Sein Tod beendet ein Leben, das untrennbar mit den schlimmsten Verbrechen des Bosnienkriegs verbunden bleibt – obschon es serbische Kreise gibt, die ihn heute noch als Kriegsheld und Befreier bewundern.

Der ehemalige Präsident Boris Tadic hingegen erkannte, wie derlei Heldenverehrung Serbiens Ruf und Integration in Europa nachhaltig sabotierte. Vergeblich forderte er ihn 2010 auf, sich den internationalen Strafverfolgungsbehörden freiwillig zu stellen. (schweizheute.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Prozess zum Bergsturz in Bondo
1 / 9
Prozess zum Bergsturz in Bondo

Am 23. August 2017 ist am Piz Cengalo ein Bergsturz mit Murgängen nach Bondo GR niedergegangen. Acht Wanderer kamen ums Leben.

quelle: keystone / gian ehrenzeller
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Verheerende Sturzflut in Nepal
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Peking kontert WC-Kommentar von Trump-Sprecherin Zacharia
Nach einer Aussage der neuen Sprecherin des Weissen Hauses, Katie Zacharia, über die sanitären Zustände in China hat Peking eine Einladung ausgesprochen.
Zur Story