International
EU

So will die Nato Europas Tiefseekabel vor Putins hybridem Krieg schützen

Schiffe der deutschen Marine (Archivbild): Die Bundeswehr beteiligt sich an der Mission "Arctic Sentry" im Nordatlantik.
Schiffe der deutschen Marine (Archivbild): Die Bundeswehr beteiligt sich an der Mission «Arctic Sentry» im Nordatlantik.Bild: Bundeswehr

So will die Nato Europas Tiefseekabel vor Putins hybridem Krieg schützen

Ein Anker reicht, um wichtige Unterseekabel zu kappen. Das zeigen Vorfälle in der Ostsee. Nun wappnet sich das transatlantische Verteidigungsbündnis gegen mögliche Attacken auf die kritische Infrastruktur.
05.06.2026, 22:0205.06.2026, 22:02
Ein Artikel von
t-online

Der französische Vizeadmiral Didier Maleterre vom Nato-Hauptquartier für Seestreitkräfte Allied Maritime Command fasste die Bedrohungslage in der Zeitung «Guardian» so zusammen:

«Wir wissen, dass die Russen umfangreiche Methoden der hybriden Kriegsführung unter Wasser entwickelt haben, um die europäische Wirtschaft zu stören – etwa durch Angriffe auf Kabel, Internetleitungen und Pipelines. Unsere gesamte Unterwasserwirtschaft ist bedroht.»

Die Gefahr ist real. Erst zur Jahreswende hatte die finnische Marine ein Schiff an die Kette gelegt. Es war vom Hafen im russischen Sankt Petersburg aufgebrochen und stand im Verdacht, ein Telekommunikationskabel in der Ostsee gekappt zu haben.

Nun mahnen Experten eine stärkere strategische Initiative der Nato zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur an. «Entscheidend ist, dass die Nato auf Bedrohungen auf kosteneffizientere Weise reagiert, die die Ressourcen der betroffenen Staaten nicht übermässig beansprucht», mahnte das Portal «War on the Rocks» Anfang Juni.

Die Allianz hatte bereits 2022 auf dem Nato-Gipfel in Madrid Massnahmen zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur beschlossen. Im Jahr darauf hatte das Bündnis unter dem deutschen Generalleutnant a. D. Hans-Werner Wiermann eine eigene Arbeitsgruppe eingesetzt.

Das Bündnis hat dabei mit zwei Besonderheiten zu kämpfen: So laufen 97 Prozent des internationalen Informationsflusses über Unterseekabel, darunter auch sensible Regionen von der Ostsee bis zur Strasse von Hormus. Die meisten dieser Seekabel werden aber von privaten Betreibern unterhalten.

Doch macht auch die Nato am Meeresboden mobil.

Was wird konkret getan?

  • Arctic Sentry: Seit diesem Jahr läuft die Mission Arctic Sentry – Wächter der Arktis. Sie dient nicht allein dazu, wichtige Schiffsrouten im Nordatlantik freizuhalten. Auch der Schutz der Unterwasserinfrastruktur gehört dazu.
  • Spezialoperationen: Ende vergangenen Jahres startete die britische Marine das Programm «Atlantic Bastion». Die neue Initiative soll Schiffe, U-Boote, Flugzeuge und unbemannte Fahrzeuge durch KI-gestützte akustische Erkennungstechnologie aufspüren, auch um Unterseekabel zu schützen. Der britische Top-Militär Sir Gwyn Jenkins sagte zum Start: «Wir sind eine Marine, die erstarkt, wenn sie sich anpassen und weiterentwickeln darf. Wir sind niemals stehen geblieben – denn das tun auch die Bedrohungen nicht.»
  • Kooperation: Zur Initiative gehört auch die Zusammenarbeit der Allianz mit anderen Organisationen. So startet die EU den «Cable Security Action Plan». Bis 2027 sollen Investitionen von fast einer Milliarde Euro in die Sicherung von Kabeln, in Schutzzonen und die Drohnenüberwachung fliessen. So unterstützt die EU etwa das Projekt Ormobass, das Schiffen in der Ostsee eine sichere Navigation bei der Störung von GPS-Signalen bietet.

Längst steht der Schutz der Unterwasserinfrastruktur auch ausserhalb Europas auf der Agenda. GUIDE (Guiding Principles for Underwater Infrastructure Defence Exchanges, auf Deutsch: Leitprinzipien für den Austausch zum Schutz der Unterwasserinfrastruktur) heisst ein Abkommen, das jetzt am Rande der sogenannten Shangri-La-Konferenz besiegelt wurde.

Schneller reagieren

Das Abkommen ist rechtlich nicht bindend. Es setzt aber politische Signale. Die beteiligten Staaten verpflichten sich, die Souveränität der Küstenstaaten im Einklang mit dem internationalen Seerecht zu respektieren. Im Zentrum steht das Ziel, durch den Austausch von Technologie und Informationen schneller auf Angriffe und Krisen reagieren zu können.

epa12761366 French Minister of the Armed Forces and Veterans Catherine Vautrin attends a press conference following the E5 defense ministers' meeting in Krakow, Poland, 20 February 2026. Poland i ...
Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin.Bild: keystone

Australiens Verteidigungsminister Richard Marles sagte in Singapur: «Der Meeresboden ist ein Schlachtfeld.» Der Mann weiss, wovon er spricht. 99 Prozent des Internetverkehrs in Australien laufen über gerade mal 15 Unterseekabel.

Ein Anker reicht aus, um grosse Schäden anzurichten. In den vergangenen 18 Monaten habe die Welt Angriffe in diesem Bereich «in einem Ausmass und einer Häufigkeit» erlebt, «die in der Geschichte beispiellos sind», so Marles. Er zielte dabei auf Russlands Vorgehen in der Ostsee. Aber auch auf China.

Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin sagte in Singapur: «Was wir heute beobachten, ist, dass wir uns im militärischen Bereich von ganz unten, unter dem Meer, bis hinauf in den Weltraum bewegen.» Das Land zählt ebenso zu den Unterzeichnern wie 16 weitere Staaten. Ein Land indes fehlt bei den Vertragspartnern: Deutschland.

Quellen

(dsc/t-online)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Wie der russische Militärgeheimdienst GRU hackt und tötet
1 / 25
Wie der russische Militärgeheimdienst GRU hackt und tötet
Zum Repertoire des russischen Militärgeheimdienstes GRU gehören gezielte Tötungen, verdeckte Militäreinsätze, Hackerangriffe und die Manipulation von Wahlen. In dieser Bildstrecke lernst du seine Einheiten und Operationen kennen.
quelle: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Rücksichtslos und gefährlich»– NATO verurteilt Russlands Vorgehen
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
LKW bleibt im Niger liegen: 49 Menschen verdursten in der Sahara
Nach einer Panne ihres Lastwagens sind im Norden des Nigers 49 Menschen in der Sahara verdurstet. Die Reisenden seien aus dem Nachbarland Mali zurückgekehrt, um das islamische Opferfest mit ihren Familien im Niger zu begehen, teilte die Regionalregierung von Agadez mit.
Zur Story