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Erwartungen und Wahrnehmungen beeinflussen das Älterwerden

Symbolbild Alter
Die Psychologie sei neben den prominenteren Säulen Sport und Ernährung, ein weiterer wichtiger Faktor, der zur Gesundheit im Alter beiträgt.Bild: Shutterstock

Erwartungen und Wahrnehmungen beeinflussen das Älterwerden

Erwartungen an das eigene Älterwerden haben Auswirkungen auf das Sozialleben – und sie können so langfristig auch zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Ausserdem werde die Wahrnehmung alltäglicher Begegnungen von Vorstellungen des Alterns beeinflusst. Das zeigen zwei neue Studien der Universität Wien.
17.08.2026, 13:3117.08.2026, 13:31

«Wir sollten uns bewusst werden, dass die Erwartungen, die wir ans Älterwerden haben, ein wichtiger Faktor für ein gesundes und zufriedenes Leben sind», sagte die federführend Psychologin Christina Ristl zur APA. Die Psychologie sei so, neben den prominenteren Säulen Sport und Ernährung, ein weiterer wichtiger Faktor, der zur Gesundheit im Alter beiträgt.

Für die Studie, die kürzlich im Fachjournal «Psychology and Aging» publiziert wurde, begleiteten die Forschenden 459 Erwachsene zwischen 30 und 80 Jahren über zehn Jahre hinweg. Zu drei Zeitpunkten erfassten sie, wie sich die Teilnehmenden ihr eigenes Sozialleben im Alter vorstellen und wie viel Zeit sie tatsächlich mit sozialen Aktivitäten verbringen. Dabei standen Familienbeziehungen, Freundschaften und soziales Engagement im Mittelpunkt.

Sozial gut eingebunden im Alter

Das Ergebnis: Menschen, die im Alter ein erfülltes Sozialleben erwarteten, verbrachten Jahre später tatsächlich mehr Zeit mit Familie, Freundinnen und Freunden. Besonders deutlich war der Zusammenhang bei familiären Beziehungen im höheren Erwachsenenalter. Ausserdem gingen die Erwartungen dem aktiveren Sozialleben voraus und nicht umgekehrt.

Trotzdem spielen bei dem Thema eigene Erfahrungen und die eigene Vergangenheit eine Rolle, erklärte Ristl. Wer etwa sozial sehr gut eingebunden ist, bleibt es häufig auch im Alter. Doch das Phänomen der «Distanzierung vom eigenen Alter» sei ebenso ausschlaggebend: Menschen begreifen das Alter demnach zwar als etwas Negatives, betrachten sich selbst aber als Ausnahme. In Phasen der Einsamkeit, die altersunabhängig immer vorkommen können, funktioniere diese Distanzierung oft nicht mehr.

«Personen, die diese Einsamkeit mit dem Alter verbinden, glauben dann, dass das Alter tatsächlich einsetzt und übernehmen stärker Altersstereotype», sagte Ristl. So würden auch gut eingebundene Personen ihre Sozialkontakte verringern.

Wahrnehmung alltäglicher Begegnungen beeinflusst

Im Rahmen der zweiten Studie im Fachblatt «Journal of Gerontology: Series B Psychology and Social Sciences» untersuchten die Forschenden, inwiefern Erwartungen und Einstellungen Einfluss auf soziales Verhalten im Alltag haben. Zwei Wochen lang erstatteten 109 Erwachsene zwischen 50 und 85 Jahren jeden Abend Bericht an die Forschenden. Zentral war dabei ihre Wahrnehmung von sozialen Begegnungen und ihrem eigenen Älterwerden.

An Tagen, an denen die Teilnehmenden ihr eigenes Älterwerden positiver erlebt hatten, berichteten sie auch von positiveren Begegnungen. Wenn ihnen mehr altersbezogene Verluste aufgefallen sind, wurden soziale Situationen auch häufiger als belastend erlebt, oft sogar bis zum nächsten Tag. Umgekehrt funktionierte dieser Zusammenhang nicht: Einzelne Begegnungen hatten keinen Einfluss auf die Wahrnehmung des eigenen Älterwerdens.

«Wir nehmen verschiedene Veränderungen wahr und schreiben diese dem Alter zu – das kann positiv sein, wie das Meistern von schwierigen Situationen im Sinne von 'Weisheit', oder aber, dass ich mich beim Sport langsamer fühle oder meinen Schlüssel nicht finden kann», erklärte Ristl. Sowieso sind diese Zuschreibungen meist willkürlich.

Dabei steuern Erwartungen die eigene Aufmerksamkeit. «Wenn ich mit dem Gefühl aufstehe, heute viele interessante Gespräche zu führen, werde ich Begegnungen wahrscheinlich offener gegenüberstehen», so Ristl. Sieht man sich hingegen im Sinne der eigenen Stereotypen vom Alter nur noch als Bürde für andere Personen, beeinflusse dies die Wahrnehmung und damit die Begegnungen zum Negativen.

Altersbilder sind nicht festgelegt

All das hängt mit den sogenannten Altersbildern, also gesellschaftlichen und persönlichen Vorstellungen vom Älterwerden zusammen. Diese sind veränderbar, etwa durch die mediale Darstellung des Alters. «Da geht es darum, ob immer nur traurige, hilfsbedürftige alte Menschen gezeigt werden – am Krückstock oder Rollator. Oder ob es eben auch positive Bilder gibt, die trotzdem realistisch sind», sagte Ristl.

Ein zentraler Schlüssel, die eigenen Altersbilder zu verändern, ist der Faktor Wissen. «Wichtig ist zu wissen, was im Alter passieren kann, aber auch, was man tun kann, um sich so zu entwickeln, wie man selbst sich das wünscht.» Zudem sei ausschlaggebend, interessiert und neugierig zu bleiben – besonders gegenüber anderen Menschen. (sda/apa)

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