Neue Studie zeigt: Demenzrisiko kann schon früh mitbeeinflusst werden
Wie wir leben, beeinflusst, wie unser Gehirn altert. Demenz entwickelt sich nicht plötzlich. Lange richtete sich die Prävention auf die mittleren Lebensjahre. Doch eine neue grossangelegte Studie aus Deutschland legt nun nahe, dass das möglicherweise zu spät ist: Die Veränderungen im Gehirn beginnen oft schon Jahrzehnte vor einer Diagnose.
Grundlage der Studie waren die Gesundheitsdaten von fast 150'000 Menschen aus Deutschland im Alter von 20 bis 75 Jahren, Frauen und Männer waren nahezu gleich stark vertreten. Die Untersuchung, die in der Fachzeitschrift Alzheimer’s & Dementia veröffentlicht wurden, gilt als die bisher grösste ihrer Art in Deutschland.
Die Auswertung zeigt: Die Weichen für die spätere Gehirngesundheit werden möglicherweise schon Jahrzehnte vor einer Demenzerkrankung gestellt. Schon in jungen Jahren können bestimmte Faktoren eine Rolle spielen.
Risikofaktoren verändern sich mit dem Alter
Welche Risiken dabei besonders relevant sind, verändert sich den Ergebnissen zufolge mit dem Alter: Bei jungen Erwachsenen zwischen 20 und 39 Jahren treten vor allem verhaltens- und psychosozial bedingte Risikofaktoren auf – Rauchen, körperliche Inaktivität und Depressionen. Bei den über 60-Jährigen hingegen dominieren Herz-Kreislauf-Risiken wie Bluthochdruck, Herzerkrankungen und erhöhte Cholesterinwerte.
«Risikoreduktion sollte nicht erst mit 40 oder 60 Jahren beginnen, sondern bereits im jungen Erwachsenenalter», lässt sich die Professorin Steffi G. Riedel-Heller der Universität Leipzig, zitieren. Wer früh auf Bewegung, Ernährung und psychische Gesundheit achte, kann auch die langfristige Gehirngesundheit unterstützen.
Die Studie zeigte auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer wiesen häufiger oder stärker ausgeprägte Risikofaktoren auf, die die Gehirngesundheit beeinflussen können. Trotz höherer Risikofaktoren bei Männern sind Frauen häufiger von Demenz betroffen, vor allem weil sie im Durchschnitt länger leben. Auch Menschen mit niedrigerem sozioökonomischem Status wiesen häufiger ein ungünstigeres Risikoprofil für die Gehirngesundheit auf.
Demenz in der Schweiz
Das Thema betrifft auch die Schweiz: Rund 161'000 Menschen leben hier mit Demenz. Die Zahl steigt stark an. Aufgrund der alternden Bevölkerung wird sich die Zahl der Betroffenen bis zum Jahr 2050 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Doch diese Entwicklung ist nicht unausweichlich.
Aktuelle Erkenntnisse zeigen: Rund 40 Prozent der Demenzerkrankungen könnten durch beeinflussbare Risikofaktoren verhindert oder zumindest hinausgezögert werden.
