Dieser Mann will Marine Le Pen bei den Präsidentschaftswahlen ausstechen
Die politische Karriere
2018 hat Raphaël Glucksmann die Partei Place publique gegründet. Damit wollte er einen Gegenpol zur Partei La France insoumise (LFI) bilden. Dieser gehört Jean-Luc Mélenchon an, der ebenfalls ins Rennen um die französischen Präsidentschaftswahlen 2027 gestiegen ist. Im Gegensatz zu Mélenchon fährt Glucksmann jedoch einen EU-freundlichen Kurs, wie «Die Zeit» berichtet. Er ist Sozialist, hat ansonsten jedoch keine typische politische Karriere hinter sich.
Glucksmann war früher Journalist, produzierte Dokumentationen und berichtete aus der ganzen Welt. Später wirkte er als Berater des damaligen georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili. Seit 2019 ist er EU-Abgeordneter und forderte 2025 US-Präsident Trump dazu auf, die Freiheitsstatue an Frankreich zurückzugeben, da er die damit verbundenen Werte offenbar nicht schätze.
In seiner Rede, als er seine Kandidatur bekannt gab, erklärte Glucksmann, er wolle Frankreich wieder aufrichten. Als liberaler Linker dürfte er jene Wählerinnen und Wähler ansprechen, denen der linkspopulistische Mélenchon zu extrem ist.
Das Privatleben
Im Zusammenhang mit Glucksmanns Kandidatur ist auch ein Blick auf sein Privatleben wichtig. Seine erste Ehe verbrachte er mit einer georgischen Ministerin. Mittlerweile ist er jedoch mit Léa Salamé liiert. Um seinen politischen Gegnern keine Angriffsfläche zu bieten, verkündete die bekannte Moderatorin der France-2-Tagesschau nach Bekanntgabe der Kandidatur ihre Pause als Nachrichtensprecherin bis zu den Wahlen. Andere Sendungen will sie weiterhin moderieren. Sie macht das allerdings nicht zum ersten Mal: Schon 2019 pausierte sie ihren Job bei Radio France Inter, als Glucksmann für das EU-Parlament kandidierte.
Glucksmanns Vorfahren machten international schon von sich reden: Sein Grossvater Rubin Glucksmann arbeitete als sowjetischer Spion in Frankreich, Deutschland und England, bevor er 1940 verhaftet wurde und zwei Monate später bei einem deutschen Torpedoangriff auf ein Fährschiff starb. Vater André Glucksmann war zudem ein bekannter Philosoph. Er starb 2015.
Die (vorläufigen) Gegenkandidaten
Bisher stellen sich Glucksmann die Rechtspopulistin Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon entgegen. Le Pen ist erst kürzlich wegen Veruntreuung von EU-Mitteln verurteilt worden. Da sie Revision eingelegt hat, wurde ihre einjährige Haftstrafe, die sie in Form einer Fussfessel hätte verbüssen müssen, ausgesetzt. Le Pen hat laut Umfragen gute Voraussetzungen, in die Stichwahl zu kommen.
Mélenchon wird wie auch Le Pen nicht zum ersten Mal versuchen, Frankreichs Präsident zu werden. Er ist Mitgründer der linken Partei La France Insoumise (LFI). In Umfragen schnitt er bisher gut ab, dennoch findet der radikale Linke nicht überall Zuspruch. Doch auch Glucksmann kann bisher gute Werte vorweisen. Bei seiner Bekanntgabe der Kandidatur erklärte er, er werde niemals mit Mélenchon zusammenarbeiten.
Der aktuelle Präsident Emmanuel Macron hingegen kann nicht erneut kandidieren. Für die Mitte will stattdessen der ehemalige Premierminister Édouard Philippe antreten. Im Frühling sahen ihn Umfragen noch auf Platz zwei.
Ihre Kandidatur ebenfalls bekannt gegeben haben der Ex-Premierminister Gabriel Attal von der Partei Renaissance und der ehemalige Innenminister Bruno Retailleau von der Partei Les Républicains.
Wie es weitergeht
Als erste Hürde muss Glucksmann nun im Oktober die Vorwahl der Sozialisten und seiner eigenen Partei überstehen. Einer seiner Gegner ist dabei etwa der Ex-Präsident François Hollande. Die erste Runde in der Präsidentschaftswahl findet dann am 18. April 2027 statt. (vro)
