Rechtsextreme marschieren bei Demos in Frankreich auf
In Frankreich gibt es Wirbel um das gewaltsame Auftreten rechtsextremer Gruppierungen bei den Demonstrationen am Samstag in zahlreichen Städten und den Vorwurf, die Polizei habe die Rechten geschützt.
«Ich möchte diesen Gerüchten ein für alle Mal ein Ende setzen, selbstverständlich hat die Polizei sie nicht geschützt», sagte Innenminister Laurent Nuñez dem Sender BFMTV. «Zu keinem Zeitpunkt haben sie mit Polizisten und Gendarmen zusammengearbeitet.»
Es habe Aufrufe rechtsextremer, identitärer und nationalistischer Gruppen gegeben, zum angeblichen Schutz von Läden vor Plünderungen in die Innenstädte zu kommen, sagte der Minister. «Und die Polizisten konnten tatsächlich Zusammenstösse feststellen, denen sie ein Ende setzten.»
Der Koordinator von Frankreichs Linkspartei, Manuel Bompard, hatte zuvor den Vorwurf erhoben, in Nizza seien sämtliche Demonstrationen verboten gewesen, «mit Ausnahme der Faschisten, die mit Messern und Eisenstangen bewaffnet durch die Stadt streifen konnten, um Passanten anzugreifen». Bompard fragte sich auf der Plattform X, ob die Rechtsextremen vom Innenminister oder dem rechten Bürgermeister von Nizza geschützt würden.
Elf Rechtsextreme in Nizza festgenommen
Wie die Staatsanwaltschaft in Nizza mitteilte, seien elf Rechtsextreme wegen Gewalttaten festgenommen worden. Darunter befinde sich ein Minderjähriger, der dem Jugendrichter vorgeführt werde. Die zehn erwachsenen Verdächtigen müssten sich bereits am Dienstag wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und dem Mitführen von Waffen vor Gericht verantworten. Es würden Anträge auf Untersuchungshaft gestellt.
Nach Recherchen der Zeitung «Libération» waren rechte Gruppen in Nizza, Montpellier, Lille, Nantes, Rennes, Dijon, Bordeaux, Bayonne, Tours, Rouen, Toulouse, Caen, Clermont-Ferrand, Lyon, Bordeaux und Brest aufmarschiert. Videoaufnahmen aus dem ostfranzösischen Nancy zeigten, wie Rechtsextreme zunächst linke Demonstranten angegriffen, sich dann hinter eine Kette von Bereitschaftspolizisten zurückgezogen und sich anschliessend bei einem Vorstoss der Beamten den Polizisten angeschlossen hätten, um Demonstranten anzugreifen.
Frankreichweite Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und für bessere Bildung wurden vor gut einer Woche von schweren Ausschreitungen begleitet. Ein grosses Polizeiaufgebot verhinderte am zurückliegenden Wochenende bei erneuten Protesten dann Randale und Schäden in gleichem Ausmass. (hkl/sda/dpa)
