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Mordprozess: Deutscher Palliativarzt gesteht zwölf Tötungen

Mordprozess: Deutscher Palliativarzt gesteht zwölf Tötungen

25.06.2026, 15:2325.06.2026, 15:23
ARCHIV - 28.10.2020, Berlin: Ein Arzt h
Weiterhin laufen Ermittlungen zu 76 Fällen. (Symbolbild)Bild: keystone

Nach einem fast einjährigen Prozess hat ein wegen Mordes in mehreren Fällen in Deutschland angeklagter Palliativarzt sein Schweigen gebrochen: Der 41-Jährige gab Tötungen zu.

Er lasse sich weitestgehend geständig ein, erklärte der Mediziner am 54. Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin. «Ich bin erst jetzt in der Lage, mein Handeln zu erklären und übernehme die Verantwortung für meine Taten», sagte der Angeklagte. «Ich entschuldige mich für das viele Leid, das ich über sie gebracht habe», sagte er an Angehörige sowie seine Familie und Kollegen gerichtet.

Der Deutsche steht seit Juli 2025 vor Gericht, weil er im Rahmen seiner Tätigkeit als Palliativarzt Patientinnen und Patienten im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 getötet haben soll. Er wurde Anfang August 2024 verhaftet und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft dem promovierten Mediziner Mord aus Heimtücke und sonstigen niedrigen Beweggründen vor.

In seiner gut 30-minütigen Erklärung räumte der Angeklagte 12 der 15 angeklagten Taten ein.

Abgehörte Telefonate

Im Prozess waren abgehörte Telefonate vor einigen Wochen abgespielt worden, die der Arzt aus dem Gefängnis heraus mit seiner Ehefrau geführt hatte. In diesen hatte er bereits Tötungen zugegeben – er habe aber nicht gemordet, so der Angeklagte zu seiner Frau. Er beschrieb ihr gegenüber sein Vorgehen als ein «moralisches Handeln mit den falschen Mitteln».

Vor Gericht erklärte der Arzt, er äussere sich nicht wegen der «erdrückenden Beweise», sondern wegen der Auseinandersetzung mit sich selbst in den vergangenen Monaten.

Er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patienten «Leid und Siechtum» zu ersparen. «Nach jeder Tat dachte ich: Das muss aufhören», sagte der Angeklagte. Er habe sich für sein Handeln gehasst. «Ich weiss, dass ich zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt werde. Vielleicht ist das ein Trost für die Angehörigen», sagte er mit Blick auf Hinterbliebene, die im Prozess als Nebenkläger auftreten und im Gerichtssaal sassen.

Parallel laufen Ermittlungen zu weiteren Fällen

Die Behörde hat zunächst 15 Fälle im Zeitraum von September 2021 bis Juli 2024 in Berlin angeklagt. In einigen Fällen soll der Arzt Brände gelegt haben, um die Taten zu vertuschen.

Parallel zu der Verhandlung vor dem Gericht in der deutschen Hauptstadt laufen die Ermittlungen zu derzeit 76 Fällen weiter, wie es von der Staatsanwaltschaft heisst. In diesem Rahmen ist Ende April auch eine weitere Exhumierung erfolgt, wie ein Behördensprecher auf Anfrage mitteilte. (sda/dpa)

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