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Greek Prime Minister Alexis Tsipras (L-R), Italian Prime Minister Matteo Renzi and German Chancellor Angela Merkel attend a European Union leaders summit in Brussels, Belgium, June 25, 2015. REUTERS/Yves Herman      TPX IMAGES OF THE DAY

Alexis Tsipras sucht Anlehnung bei Matteo Renzi. Angela Merkel gibt sich gönnerhaft. Bild: YVES HERMAN/REUTERS

Merkel ist nicht allein: Griechenland hat die meisten Euroländer gegen sich aufgebracht

Deutschland ist das mächtigste Euroland – und nicht das einzige, das gegenüber Griechenland eine harte Linie vertritt. Die Nord- und Osteuropäer treten teilweise noch kompromissloser auf.



Angela Merkel kann es derzeit kaum jemandem recht machen. Für die einen ist die deutsche Kanzlerin zu nachgiebig gegenüber den Griechen, sie verlangen eine harte Haltung bis hin zum Grexit, dem Austritt Griechenlands aus der Eurozone. Andere verurteilen ihre «unmenschliche» Austeritätspolitik und fordern Zugeständnisse an Athen. Seit dem Nein der Griechen vom Sonntag ist Merkel mehr denn je in dieser Zwickmühle gefangen.

Freiwillig ist sie nicht hinein geraten. Deutschland ist das grösste und stärkste der 19 Euroländer und muss wohl oder übel die undankbare Führungsrolle übernehmen. Bislang hat sie im Verbund mit Finanzminister Wolfgang Schäuble die harte Linie vertreten, und sie ist damit keineswegs allein. Die griechische Regierung hat es geschafft, die meisten Euroländer gegen sich aufzubringen. Nur wenige, allerdings einflussreiche Freunde sind ihr geblieben. 

Die Griechen-Versteher

Auf relativ grosses Verständnis konnte Ministerpräsident Alexis Tsipras bislang in Frankreich und Italien zählen, nicht aus Sympathie, sondern aus Eigennutz. Die zweit- und die drittgrössten Volkswirtschaften der Eurozone leiden ähnlich wie Griechenland unter einem Reformstau, einer lahmenden Wirtschaft und – vor allem Italien – einer hohen Staatsverschuldung. Ein Grexit könnte beide Länder in Mitleidenschaft ziehen, vor allem durch steigende Zinsen für Staatsanleihen.

Der französische Präsident François Hollande betonte vor dem Sondergipfel vom Dienstag, Griechenland müsse in der Eurozone bleiben. Ministerpräsident Manuel Valls sagte in einem Interview, eine Umschuldung dürfe kein Tabu mehr sein. «Europa steht auf dem Spiel», warnte Valls. Italiens Premier Matteo Renzi bot sich als Vermittler zwischen Athen und Brüssel an, ausserdem schlug er einen «Marshall-Plan» über 35 Milliarden Euro für Griechenland vor.

Sprachlich, religiös und kulturell eng mit Griechenland verbunden ist Zypern. Präsident Nicos Anastasiades erklärte am Montag, man werde den «grossen Bruder» bei seinen Bemühungen um eine Umstrukturierung der Schulden unterstützen. Zyperns Gewicht ist allerdings relativ gering, ausserdem hat der Inselstaat vor einigen Jahren selber eine schwere Finanzkrise bewältigt. Im Gegensatz zu den Griechen haben die Zyprer die Trendwende geschafft.

Die «Neutralen»

Einige Euroländer versuchen, eine ausgleichende Rolle in dem Konflikt zu spielen, zum Beispiel Österreich. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) schloss am Dienstag einen Überbrückungskredit für Griechenland nicht aus. Einem Schuldenschnitt erteilte sein Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) jedoch eine Absage. Eine ähnliche Haltung vertreten Belgien und Luxemburg. Allerdings haben sie sich seit Sonntag der traditionell harten Linie des dritten Benelux-Staats Niederlande angenähert.

Irland und Portugal, zwei (ehemalige) Euro-Sorgenkinder, galten lange als Griechenland-freundlich. Vor der Abstimmung versicherte Premierminister Enda Kenny in einem Brief an Alexis Tsipras, Irland habe «grosses Mitgefühl mit Griechenland und seinem Volk». Am Dienstag erklärte er, die Lage sei «schwieriger und komplexer» geworden. Portugal hat die zweitschwächste Wirtschaft in der Eurozone und sich erst halbwegs von der Krise erholt. Nun fürchtet man einen Rückfall. 

Malta, das kleinste Euro-Mitglied, war bislang solidarisch mit den Griechen. Nun bezeichnete Finanzminister Edward Scicluna einen Grexit am Dienstag als «realistische Möglichkeit».

Die Hardliner

Sie sind heute die grösste Gruppe im Euroraum und kommen in erster Linie aus Nord- und Osteuropa. Finnland und die Niederlande haben seit Beginn der Griechenland-Krise eine harte Linie vertreten. Der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte sagte am Dienstag, Athen müsse «grosse Reformen» akzeptieren, wenn es ein neues Hilfspaket wolle.

Besonders kompromisslos sind die drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen. Sie erlebten bis zur Finanzkrise einen Boom, erlitten einen schweren Absturz und einen Einbruch ihrer Wirtschaftsleistung um bis zu 23 Prozent – gleich viel wie die Griechen. Im Gegensatz zu diesen rappelten sie sich mit einer eisernen Sparpolitik wieder auf. Entsprechend sauer sind sie über die ständigen Bittgänge der Athener Regierung. 

«Die Zeit des Feierns auf Kosten anderer ist vorbei für Griechenland», sagte die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite. Ihr estnischer Amtskollege Toomas Hendrik Ilves, ein Freund undiplomatisch klarer Worte, fragte sich nach dem Nein vom Sonntag auf Twitter, ob man die anderen 18 Euroländer über eine Steuererhöhung für Griechenland abstimmen lassen sollte. Auch in der Bevölkerung ist das Unverständnis gross, denn das Pro-Kopf-Einkommen im Baltikum ist tiefer als in Griechenland.

Gleiches gilt für die Slowakei, die in den 1990er Jahren eine wirtschaftliche Rosskur durchstehen musste. Wegen der Hilfsgelder für Griechenland wurde 2011 sogar die damalige Regierung abgewählt. Der Chef der liberalen Partei, Richard Sulik, sprach am Montag Klartext: «Die Slowakei ist das ärmste Land der Eurozone. Und jetzt sollen wir zahlen, damit die Griechen ihre überhöhten Renten behalten können – das ist das, was mich ärgert.» Ähnlich äusserte sich Finanzminister Peter Kažimír.

Härte markiert auch Slowenien, das vor einiger Zeit als nächstes Krisenland galt, sich aber aus dem Sumpf befreien konnte. Zu den Hardlinern wird auch Spanien gezählt, das sich gerade von seiner schweren Krise erholt. Der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy fürchtet, dass die linksradikale Partei Podemos, die spanische Version von Syriza, durch das griechische Referendum Auftrieb erhält. Im Herbst finden in Spanien Neuwahlen statt.

Am Ende wird wohl Deutschland die Linie gegenüber Griechenland vorgeben. Die Auflistung zeigt aber, dass Angela Merkel kaum noch Spielraum hat für Konzessionen. Ein Grexit wird immer wahrscheinlicher.

EU stellt Griechenland ein Ultimatum – und täglich grüsst das Murmeltier

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    Alle Leser-Kommentare
  • elivi 10.07.2015 01:07
    Highlight Highlight Es is irgendwie menschlich, wenn die griechen schulden erlassen werden, wollen andere länder ihre schulden auch kürzen. Wenn das alle machen in der EU wird ganz europa das nächste Grichenland.
    Man kann schon sauer sein wenn eine Kriese kommt die von einem anderem Land verursacht wird ....
  • icarius 09.07.2015 23:15
    Highlight Highlight " Im Gegensatz zu diesen rappelten sie sich mit einer eisernen Sparpolitik wieder auf" - Das ist viel zu knapp und irreführend. Was man in diesem Zusammenhang unbedingt erwähnen müsste: 1) Die Verschuldung in Litauen bsp war sehr klein, also wurde im ggs zu GR viel weniger für Rückzahlungen aufgeworfen. 2) Ein grosser Teil der Bevölkerung ist emigriert, die Probleme der Sparpolitik wurden also teilweise einfach 'exportiert' und 3) Indem die balt. Staaten gleich zu beginn der Krise sparten, konnten sie noch ausl. investoren anziehen bevor das Investitionsklima sich in ganz EU verschlechterte.
  • phreko 09.07.2015 20:00
    Highlight Highlight Jedes Land das Griechische Staatsanleihen besitzt, hat diese freiwillig von den eigenen (saudummen wie auch absolut gewitzten) Banken übernommen. Habe null mitleid mit Merkel und Co.
    • elivi 10.07.2015 00:57
      Highlight Highlight Zur info, es geht nicht um private kredite. Das is der Merkel und co zur zeit wohl ziemich egal.
    • phreko 10.07.2015 06:32
      Highlight Highlight Daran erkennt man die ganze Arroganz der Gläubiger, dass es ihnen egal ist. In nächster Zeit wird es bei unseren Nachbarn gewaltige Pareispenden aus dem Finanzsektor regnen.
  • dtr068 09.07.2015 18:57
    Highlight Highlight Gerade Osteuropa muss die Klappe halten. Gerade die haben am meisten Gelder/Subventionen von der EU bekommen.
    Aber jetzt bei den Griechen aufregen.
    Die Armen ehemaligen Ostblockstaaten helfen das war selbstverständlich.
    Die Griechen müssten nur ihre Grenze aufmachen , und alle Flüchtlinge ausreissen lassen.
    Mit gratis Zügen bis zur nächsten Grenze.
    Da ja die Ostblockstaaten keine Flüchtlinge aufnehmen wollen .Würden alle in den Westen bekommen.
    Ohhh wie schnell würde von der EU für Griechenland Geld fliessen
    • Oberon 09.07.2015 19:54
      Highlight Highlight Gratulation an die ausgewogene Kritik und der exzellenten Differenzierung der verschiedenen Problemfelder.

      Es ist nur schade das du Griechenland als Aufnahmeland von Flüchtlingen reduzierst.
      Abgesehen davon wird dein Szenario nicht eintreffen da es im Grundsatz um den Euroraum geht und dies tangiert die Mitgliedschaft der EU nicht.
      Es würde jedoch Griechenland helfen ohne den Euro die dringend nötigen Reformen durchzuführen.

      Aber ich verstehe das schon es ist einfacher auf die Ostblockstaaten einzuschlagen da bei denen ja das Geld auf Bäumen wächst und sowieso keine anderen Probleme haben.

    • elivi 10.07.2015 01:02
      Highlight Highlight Osteuropa will keinen schuldenschnitt so wie die grichen also irgendwie verwechseln sie da was ...
  • SVARTGARD 09.07.2015 18:52
    Highlight Highlight Ja,und nun wat machen wir dagegen Leute,ick sag nur am Arsch.
  • goschi 09.07.2015 16:56
    Highlight Highlight "die Zyprer "
    Es heisst übrigens Die Zyprioten, dies nur so am Rande :-)
    • strieler 09.07.2015 20:00
      Highlight Highlight "Die Bewohner der Insel Zypern werden heute meistens Zyprer genannt. Dabei spielt es keine Rolle, in welchem Teil der Insel sie leben, "Zyprer" sind sowohl die türkischstämmigen Bewohner im Nordteil als auch die griechischstämmigen Bewohner im Südteil der Insel. Die Bezeichnung "Zyprioten" gilt als veraltet. Besonders schnörkelig klingende Ableitungen von Ländernamen (-esen, -assen, -ioten) geraten zunehmend zugunsten der regelmäßigen Endung -er aus der Mode: Panamaer statt Panamesen; Ghanaer statt Ghanesen; Tibeter statt Tibetaner; Taiwaner statt Taiwanesen; Zyprer statt Zyprioten."
      (Teil 1)

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