Eingebettet in die piemontesischen Berge liegt das kleine Dörfchen Ingria. Auf 827 Metern Höhe leben hier 46 Personen zwischen Kastanienwäldern, 57 Kilometer nördlich von Turin.
Hier kennt man sich noch, die Atmosphäre ist familiär. Doch ein Wahlkampf droht die Dorfidylle zu stören. Am 8. und 9. Juni wird in Ingria, das 2022 zu einem der schönsten Dörfer Italiens gekürt wurde, die neue Gemeindeverwaltung gewählt.
Der aktuelle Bürgermeister Igor de Santis bekleidet das Amt bereits seit 2009 – und hat nicht vor, das zu ändern. Bei der letzten Wahl gewann er deutlich mit 30 von 31 Stimmen, der Kampf um sein viertes Mandat dürfte dieses Mal aber eine grössere Herausforderung darstellen: Gleich zwei Konkurrenten buhlen um das Amt.
Der eine davon ist der 70-jährige Renato Poletto – und dieser hat sich die Unterstützung von de Santis' Mutter zugesichert. Sie steht auf seiner Liste und kandidiert um einen Sitz im Stadtrat.
Dass de Santis Mutter auf der Liste seines Rivalen steht, nimmt ihr der amtierende Bürgermeister nicht übel:
Es seien alles Freiwillige, die hart für das Dorf gearbeitet hätten, so de Santis. Die Familienharmonie würde durch die politische Rivalität nicht beeinträchtigt, bestätigt seine Mutter Milena Crosasso:
Insgesamt 30 Personen kandidieren um Ämter bei den Kommunalwahlen – mehr als die Hälfte der Anwohner Ingrias. Das Wahlgremium ist aber ein wenig grösser: Insgesamt 65 Personen dürfen abstimmen. Davon sind allerdings 26 im Ausland ansässig und die Wahrscheinlichkeit, dass diese abstimmen, ist gering.
Überraschend in den Wahlkampf ist der 43-jährige Stefano Venuti gestiegen, der in Mailand lebt, aber einen Zweitwohnsitz in Ingria hat.
Renato Poletto, der Bürgermeisterkandidat der zweiten Liste, sagte gegenüber dem Torino Corriere:
Ob sich der neue Mann durchsetzen kann oder ob sich die Tradition bewährt, wird sich am kommenden Wochenende entscheiden. (saw)