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62-Jährige darf Sperma ihres toten Mannes entnehmen lassen

Sperma Samenspende Ballons
Erinnert im entferntesten Sinne an Spermien: Ballone mit Schnur.Bild: shutterstock.com

62-Jährige darf Sperma ihres toten Mannes entnehmen – die nächste Hürde wartet schon

In Australien hat eine Frau vor Gericht die Erlaubnis bekommen, Sperma von ihrem toten Ehemann zu entnehmen. Doch verwenden darf sie es eigentlich nicht.
09.01.2024, 15:40
Julius Zielezinski / t-online
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t-online

Eine 62-jährige Frau aus Western Australia hat vom Supreme Court das Recht zugesprochen bekommen, Sperma von ihrem toten Ehemann zu entnehmen.

Das Paar habe nach dem Tod ihrer ersten beiden Kinder oft darüber gesprochen, dass sie sich noch ein weiteres wünschen würden, so die Frau während der Gerichtsanhörung. Da sie selbst nicht mehr fruchtbar sei, hätte sich ihre Cousine in den Philippinen angeboten, das Kind auszutragen. Das berichtet «WA News».

Die Aussage der Frau war für die zuständige Richterin ausschlaggebend, da man davon ausgehen könne, dass der Mann nichts gegen die Entnahme gehabt hätte, so die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Doch trotz des positiven Urteils darf die Frau das Sperma nicht für eine Befruchtung nutzen – zumindest nicht in Western Australia, denn dort sind posthume Befruchtungen verboten.

Nicht nur rechtliche, sondern auch ethische Frage

Um das Sperma verwenden zu können, müsste es in einen anderen Bundesstaat überführt werden, in dem dies erlaubt ist. Doch die Genehmigung für eine solche Überführung muss in Western Australia beim Reproductive Technology Council (dt. Rat für Fortpflanzungstechnologie) eingeholt werden.

Dieser würde sich neben anderen Faktoren vor allem das soziale Netzwerk der 62-Jährigen ansehen, um zu überprüfen, ob dieses ihr im ausreichenden Masse Unterstützung anbieten könnte, erklärt Roger Hart, Professor für Reproduktionsmedizin an der University of Western Australia, im Gespräch mit «WA News».

Denn die Entscheidung sei in so einem Fall nicht nur eine rechtliche, sondern auch eine ethische, so Professor Hart weiter. Denn obwohl es medizinisch durchaus möglich sei, das Sperma des Verstorbenen für eine Befruchtung zu benutzen, müsse man auch bedenken, was es für ein Kind bedeuten würde, ohne seinen Vater aufzuwachsen – besonders da das Kind aufgrund der benötigten Eizellenspende auch seine leibliche Mutter nicht kennenlernen würde.

Auch dürfe man nicht ausser Acht lassen, dass bei der Verwendung von Sperma von älteren Männern immer ein Risiko besteht, dass das Kind einen Gendefekt ausbilden könnte. Über all das würde auch mit der 62-Jährigen in den nächsten Tagen und Wochen intensiv gesprochen werden.

Verwendete Quellen:

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rogu Smith
09.01.2024 17:38registriert Juni 2020
Unglaublich egoistisch... Es geht ja nicht nur darum, dass das Kind ohne Vater aufwachsen würde, sondern dass die leibliche Mutter unbekannt sein und noch eine dritte Frau das Kind austragen würde. Ausserdem ist die Mutter ja jetzt schon 62, das Risiko ist gross, das sie stirbt, wenn das Kind noch viel zu jung ist.
Und weshalb muss es unbedingt mit dem Sperma des verstorbenen Ehemannes gezeugt werden, wenn die Mutter eh nicht die leibliche wäre?
Sehe da viel zu viele potenzielle Probleme für das Kind.
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Jigefe
09.01.2024 16:33registriert Juni 2023
Krankes Verhalten wird immer mehr normalisiert.
Mir tut v.a. das potenzielle Kind leid, wenn es ohne Vater aufwachsen muss. Wieder ein Singlemutter mehr und die damit verbundenen Probleme.
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EinBisschenSenfDazu
09.01.2024 16:17registriert September 2022
Mit 62 Jahren noch ein "eigenes" Kind aufziehen? Sorry, aber das ist purer Egoismus. Wird die liebe Frau 80, höchstwahrscheinlich dement, kaum mobil und bald im Altersheim, wird das Kind gerade mal 18, also nicht mal volljährig. Aber ja, vielleicht sehe ich das ja auch nur zu eng..schlussendlich werden 80-jährige in anderen Ländern ja auch noch Präsident.
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