Urteil im Fall Marius Borg Høiby: Die wichtigsten Frauen im Vergewaltigungsprozess
Freiheitsstrafe für Marius Borg Høiby. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit und Stiefsohn von Kronprinz Haakon wurde am Montag, 15. Juni, zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Er war in 40 Punkten angeklagt und wurde unter anderem in zwei von vier Vergewaltigungsfällen schuldig gesprochen. Unklar ist, welchen Klägerinnen recht gegeben wurde. Zudem wurde Høiby eine einstweilige Verfügung auferlegt. Seine schwersten der Vergehen betreffen Frauen, mit denen er in engem Kontakt stand.
«Dana Press» listete die Anklagepunkte auf und sprach von vier Vergewaltigungen, Misshandlung einer ehemaligen Lebensgefährtin, mehreren Gewalttaten, Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, Verstössen gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer anderen Lebensgefährtin, unerlaubten Videoaufnahmen von Genitalien mehrerer Frauen, Morddrohungen, Beleidigung der Polizei und Verkehrsverstössen.
Ab dem 3. Februar war über sieben Wochen hinweg über Høiby entschieden worden. Der letzte Prozesstag fand am 19. März statt, am 15. Juni wurde das Urteil gesprochen. Das Verfahren fand grundsätzlich öffentlich statt. «Wir haben lediglich um eine nicht öffentliche Verhandlung für den Teil des Verfahrens gebeten, der Høibys gesundheitliche Situation betrifft», erklärte sein Anwalt Petar Sekulic zuvor der norwegischen Zeitung «Dagbladet».
Hinten (v. l. n. r.): Marit Tjessem, Mutter der Kronprinzessin von Norwegen; Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen; Kronprinz Haakon von Norwegen; Sverre Magnus, Prinz von Norwegen; Marius Borg Høiby, Sohn der Kronprinzessin.
Vorne (v. l. n. r.): König Harald V; Ingrid Alexandra von Norwegen und Königin Sonja.Bild: www.imago-images.de
53 Zeugen waren vorgeladen worden, darunter sieben Klägerinnen, Freunde von Marius, Freunde der Geschädigten, Promis und ein Psychologe. Besonders brisant waren die Aussagen der Frauen aus Høibys Umfeld. Sie spielten eine wichtige Rolle in dem Prozess. Das sind die wichtigsten Namen.
Nora Haukland
Die norwegische Reality-TV-Bekanntheit und Influencerin hatte den Fall ins Rollen gebracht und als Erste schwere Vorwürfe erhoben. Haukland und Høiby waren von Herbst 2022 bis Sommer 2023 liiert. Ihr soll der 29-Jährige psychische und physische Gewalt angetan haben. «Die Gewalt bestand unter anderem darin, ihr wiederholt ins Gesicht geschlagen zu haben, unter anderem mit geballter Faust, sie zu würgen, zu treten und hart zu packen», so die Staatsanwaltschaft in der Anklage. Er soll Haukland angegriffen und ihre Wohnung verwüstet haben.
Nach mehreren Vernehmungen bei der Polizei schrieb Haukland auf Snapchat: «Ich bin gestern und heute verhört worden, und heute hatte ich meine letzte Vernehmung. Es ist nicht nur ermüdend, weil vieles besprochen wird, es ist ermüdend, weil man sich mit Emotionen, Traumata und allem, was das Gehirn verdrängt hat, auseinandersetzen muss.» Ihre Aussagen wurden von mehreren Personen aus ihrem Umfeld gestützt.
Anniken Jørgensen
Sie stand zwar in keiner Liebesbeziehung zu Høiby, ist aber eine enge Freundin von Nora Haukland. In Norwegen geniesst Jørgensen einen tadellosen Ruf. Sie ist Unternehmerin, Buchautorin und seit 2024 verheiratet. Auch sie sagte im Prozess vor Gericht aus.
Sophie Elise Isachsen
Sie ist ebenfalls eine Freundin von Haukland und erschien Ende Februar im Zeugenstand. Sie steht als Influencerin und Podcasterin in der Öffentlichkeit. 2023 sorgten die beiden Frauen für einen Skandal. Auf einem gemeinsamen Instagram-Partyfoto war Haukland mit einem Beutel mit weissem Pulver, mutmasslich Koks, zu sehen. Später bestätigte Høiby, dass das Koks ihm gehörte. Isachsen gab vor Gericht Einblicke in die Dynamik zwischen Høiby und Haukland.
Caroline Nitter
Die Influencerin ist ebenfalls eine enge Freundin von Nora Haukland. Sie sprach vor Gericht über Høibys Verhalten unter Drogenkonsum und seiner Ex-Freundin Haukland gegenüber.
Linni Meister
Die Moderatorin steht im Zusammenhang mit dem schwersten Vorwurf. Sie wirft Høiby Vergewaltigung vor. Lange waren Meister und Høiby befreundet. Eigentlich hatte sie ihn sogar verteidigen wollen und war zur Polizei gegangen, um ein gutes Wort für ihn einzulegen. Dort wurde sie jedoch mit Beweisen konfrontiert, die sie selbst als Opfer zeigten. 2018 soll er sie im Schlaf auf Schloss Skaugum missbraucht und dabei gefilmt haben. Nun wurde Høiby unter anderem wegen Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr im Dezember 2018 in Skaugum verurteilt. Die Namen seiner Opfer wurden dabei nicht genannt.
Meister spricht heute offen über den Fall Høiby. In ihrem Podcast «Puppen og Lillemor» schimpfte sie: «Er hat keinen Respekt vor sich selbst oder seiner Familie. Nicht einmal vor uns, den Opfern. Das ist verletzend.»
Mia Gundersen
Die Schauspielerin und Sängerin ist eine enge Freundin von Linni Meister, gemeinsam betreiben sie den Podcast «Puppen og Lillemor». Sie war keine Klägerin des Prozesses, sondern unterstützte Meisters Aussagen stattdessen als Zeugin.
Juliane Snekkestad
Sie galt lange als eine der wichtigsten Zeuginnen, doch letztlich sagte die 30-Jährige nicht vor Gericht aus. Sie war vier Jahre lang mit Høiby liiert, trat mit ihm sogar bei royalen Events auf. Auch sie sprach später von psychischer und physischer Gewalt, machte im Prozess aber einen Rückzieher.
Auf Instagram erklärte sie: «Das Ausmass dieses Falles war für mich und die Menschen in meinem Umfeld eine extrem grosse Belastung und Herausforderung. Und ich habe das Gefühl, dass ich an diesem Punkt meiner eigenen Psyche und Gesundheit den Vorrang geben muss, anstatt zu klagen und diesen Kampf möglicherweise in einem Gerichtsverfahren fortzusetzen.»
Dennoch hoffe sie, dass «die Wahrheit und die Gerechtigkeit am Ende siegen werden». Zusätzlich betonte Snekkestad: «Das Einzige, was für mich wichtig war, war, die Wahrheit zu sagen und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass so etwas in Zukunft keinem anderen Mädchen mehr passiert. Und ich hoffe, dass ich vielleicht dazu beigetragen habe.»

