«Für Frauen in Afghanistan gibt es kein Leben mehr, nur noch ein Überleben»
Seit die Taliban 2021 die Macht in Afghanistan übernommen haben, steht es um Frauen- und Mädchenrechte miserabel. Über 470 Dekrete hat die islamistische Terrororganisation seitdem verabschiedet; mindestens 70 davon schränken die Rechte von Frauen und Mädchen ein.
Darüber berichten die Zeitungen von Tamedia, die mit einer jungen Frau in Kabul gesprochen haben. «Für die meisten Frauen in Afghanistan gibt es kein Leben mehr, nur noch ein Überleben», sagt die 33-Jährige, die vor dem Taliban-Regime studiert und in einer hohen Funktion beim afghanischen Staat gearbeitet hatte.
In der Gegenwart ist ihr davon nichts mehr geblieben. «Mein Alltag gleicht heute dem Leben einer Gefangenen, die auf einen ungewissen Tag der Befreiung wartet», sagt sie gegenüber Tamedia, wobei die Journalistin mit ihr nur dann sprechen konnte, wenn ihr Ehemann ausser Haus war.
Dieser verfüge über ihr ganzes Leben, entscheide auch, wenn sie zum Arzt gehen oder Medikamente nehmen dürfe. Die Afghanin getraut sich kaum mehr, das Haus zu verlassen. «Ich leide immer mehr, die Angst hat mich ganz erfasst.»
«Schläge bringen dich nicht um»
Frauen und Mädchen haben in Afghanistan mittlerweile kaum Rechte mehr. Seit Mai 2026 ist es einer Frau nicht mal mehr möglich, sich von einem gewalttätigen Mann zu trennen.
«Ein paar Schläge bringen dich nicht um», urteilte ein Richter gemäss der afghanischen Frauenmedienorganisation Rukhshana, wie Tamedia berichtet. Eine Afghanin hatte vor Gericht Schutz gesucht vor ihrem Mann, der sie mit einem Handyladekabel so fest geschlagen hatte, dass sie tagelang sichtbare Spuren auf Rücken und Armen davontrug. Gegen psychische und sexuelle Gewalt könne eine Frau vor Gericht nichts ausrichten, schreibt die UNO in einem Bericht.
Seit Mai 2026 legitimiert ein neues Taliban-Dekret zudem Zwangsverheiratungen minderjähriger Mädchen. Eine NGO spricht gemäss Tamedia von einer «sexuellen Ausbeutung von Kindern unter dem Deckmantel der Ehe».
Die Uno schreibt auch von einer schweren psychischen Krise unter afghanischen Frauen und Mädchen: Rund 70 Prozent beschreiben ihre psychische Gesundheit als «schlecht oder sehr schlecht».
(her)
