700-tägiger Dauergottesdienst bewahrt Familie vor Ausschaffung in Niederlande
Die Familie Babayants lebt seit November 2024 im Asyl in der Kirche Open Hof im niederländischen Kampen. Sollten sie das Gebäude verlassen, könnte die Polizei sie abführen und nach Usbekistan abschieben, wie die ZEIT berichtet.
Ein spezielles Gesetz verbietet der Polizei während eines Gottesdienstes die Kirche zu betreten. Deshalb findet dort durchgehend eine Messe statt – und das seit Beginn des Asyls der Familie. Seit mittlerweile fast 700 Tagen wird also gebetet, gesungen und Orgel gespielt.
Dafür zieht die gesamte Gemeinde an einem Strang. Dutzende freiwillige Helferinnen und Helfer nehmen am Gottesdienst teil. Dabei überlegen sie sich auch immer wieder neue Gestaltungsformen für die Messe. Die Freiwilligen kommen auch, um die Familie Babayants zu besuchen.
Wie die Mutter gegenüber n-tv schildert, ist die Situation für die sechsköpfige Familie trotz der vielen Unterstützung schwierig. Die Kinder könnten nicht mehr in die Schule gehen, mit Freunden spielen oder draussen sein. Der Familie stehe nur ein kleiner Balkon innerhalb des Kirchgeländes zur Verfügung, um an die frische Luft zu gehen.
Die Familie lebt seit fast 13 Jahren in den Niederlanden
Im März 2014 reiste die Familie in die Niederlande und beantragte Asyl. Der Vater gab bei den Behörden an, von der usbekischen Regierung verfolgt zu werden. Laut eigenen Aussagen drohe ihm eine Haftstrafe, so steht es in den Gerichtsakten, die der «Zeit» vorliegen. Die Familie will sich zu ihrer Vorgeschichte nicht weiter äussern.
Die niederländischen Behörden lehnten den Asylantrag der Familie immer wieder ab. Die Begründung: Die Geschichte des Vaters sei nicht glaubhaft und die eingereichten Dokumente nicht nachvollziehbar.
Daraufhin stellten die Babayants neue Anträge, in denen sie darlegten, dass die Familie inzwischen in den Niederlanden verwurzelt sei. Zuletzt lebten sie acht Jahre lang in einem Asylzentrum in der Stadt Emmen. Dort gingen die Kinder zur Schule, lernten fliessend Niederländisch und fanden Freunde. Der älteste Sohn absolvierte eine Ausbildung zum IT-Support und möchte demnächst studieren, wie er gegenüber der «Zeit» sagt:
(pem)
