International
Luftfahrt

Wegen Materialmangel: Russische Piloten sollen Bremsen ihrer Flugzeuge schonen

Wegen Materialmangel: Russische Piloten sollen Bremsen ihrer Flugzeuge schonen

Um den Materialverschleiss zu verlangsamen, sind russische Pilotinnen und Piloten angewiesen worden, weniger zu bremsen. Grund dafür sind westliche Sanktionen gegen Russland, die im Land zu einem Mangel an Reparaturteilen führen.
04.08.2022, 09:3305.08.2022, 08:10

Pilotinnen und Piloten russischer Fluglinien sind dazu aufgefordert worden, beim Bremsen und Rollen sanft vorzugehen. Dies geht gemäss dem russischen Luftfahrtmedium «Aviatorshina» aus internen Anweisungen vier russischer Fluglinien hervor. So rät die russische Fluggesellschaft S7, den Umkehrschub der Triebwerke zu nutzen und den Autobremsmodus zu vermeiden, wenn der Auslauf lang genug sei.

Während zur Airline Aeroflot keine schriftlichen Anweisungen vorliegen, zitiert «Aviatiorshina» einen Areoflot-Piloten, der aussagt, auch zur Bremsschonung angewiesen worden zu sein.

FILE - The Aeroflot Airbus A330 plane taxies out at Sheremetyevo airport, Moscow, Monday, June 24, 2013. Delta Air Lines has suspended its partnership with Russian national airline Aeroflot following  ...
Künftig sollen diverse russische Flugzeuge möglichst ohne Nutzung der Bremsen von der Landebahn rollen.Bild: keystone

Anhand dieser Massnahme soll die Zeit bis zum notwendigen Austausch des Materials hinausgezögert werden. Denn mit der Invasion der Ukraine sieht sich Russland einer Reihe westlicher Sanktionen gegenüber, die sich unter anderem im Mangel an Flugzeugteilen niederschlägt.

Um das Schonen der Bremsen zu unterstützen, erhielt auch die Verkehrskontrolle neue Anweisungen: Sie sollen den Flugzeugen bei der Landung mehr Zeit geben. Auf diese Weise haben die Flugzeuge mehr Zeit, um von der Landebahn abzurollen.

Die Fluggesellschaften Urals, Rossiya und Pobeda wiesen ihre Pilotinnen und Piloten zudem an, Treibstoff einzusparen und behutsam mit ihren Ressourcen umzugehen.

Doch Massnahmen hin oder her: Die Bremsen müssen früher oder später ausgetauscht werden. Russische Medien schätzen, dass inländische Fluggesellschaften bereits Ende Sommer erste Engpässe spüren werden. Sie würden dann keine andere Wahl haben, als funktionstüchtige Flugzeuge zu zerlegen, um an Ersatzteile für andere Flugzeuge zu kommen.

Auch die russische Autobranche leidet unter fehlenden Teilen:

Juri Borissow, der stellvertretende russische Ministerpräsident für die Zivilluftfahrt, wagte an einer Konferenz Anfang des Jahres einen Blick in die Zukunft. Er geht davon aus, dass die vorhandenen Flugzeuge ausländischer Herkunft ohne Reparaturteile noch fünf Jahre funktionstüchtig seien.

Auch wenn sich der Begriff «Bremsschonung» im ersten Moment nicht unbedingt beruhigend anhört – Sorgen braucht man sich als Passagier keine zu machen. Der stellvertretende Vorsitzende der russischen Gewerkschaft des Flugpersonals, Oleg Prikhodko, erklärt, dass die Sicherheit der Flugzeuge durch das Schonen der Bremsen «in keiner Weise beeinträchtigt» werde. «Wenn die Landebahn lang ist, kann man genauso gut auf die Bremsen verzichten», betont er weiter. Das Flugzeug werde am Ende der Landebahn aufgrund der Luftbremsen, des Umkehrschubs des Triebwerks und anderer Dinge zum Stehen kommen. Bei den Massnahmen gehe es um eine sinnvolle Nutzung der Ressourcen. (saw)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Dieses angeblich russische Propaganda-Video sorgt für Verwirrung
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Linksbündnis in Berlin: Hinter den Kulissen rumort es gewaltig
Der Fall Vanessa Emde gefährdet die geplanten Koalitionsverhandlungen der Linken, Grünen und SPD in Berlin. Die Führung der Linken scheint sich vor klaren Konsequenzen zu drücken und bringt damit auch die SPD in die Bredouille.
Es ist fast 19 Uhr, als ein Sprecher der Berliner Linksfraktion drei magere Sätze an die Presse verschickt. «Der Fraktionsvorstand hat sich heute mit Vanessa Emde in geschlossener Sitzung ausgetauscht», steht in der Mail. Und weiter: «Der Fraktionsvorstand sieht auch nach diesem Gespräch eine gemeinsame Arbeitsgrundlage als nicht gegeben an. Daraus resultierende Prozesse werden wir in den Gremien weiter beraten.»
Zur Story