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Medizin

Arzt tröstet älteren Corona-Patienten auf der Intensivstation

Ein Bild geht um die Welt: So tröstet ein Arzt einen verzweifelten Corona-Patienten

02.12.2020, 14:2002.12.2020, 15:06
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Dieses Bild geht unter die Haut: Ein Arzt im Schutzanzug hält einen älteren Patienten tröstend im Arm. Das Foto wurde an Thanksgiving geschossen – ein Tag, der in der USA normalerweise im Rahmen der Familie gefeiert wird. Vielen bleibt das gemütliche Beisammensein dieses Jahr verwehrt. Besonders hart trifft es die Infizierten mit schwereren Verläufen: In der Corona-Abteilung im Spital kämpfen die Patienten nicht nur gegen das Virus, sondern auch gegen die Isolation.

Beim Arzt auf dem Foto handelt es sich um Joseph Varon. Schon seit Beginn der Pandemie berichtet er gegenüber CNN regelmässig über die Situation in den Spitälern. Er ist Chefarzt einer Intensivstation in einem Spital in Houston, Texas. In einem Interview erzählt er, wie dieses Foto entstanden ist:

Als ich in meine Covid-Einheit gehe, sehe ich, dass dieser ältere Patient aus seinem Bett aufgestanden ist und versucht, aus dem Raum zu kommen, und er weint. Also gehe ich näher zu ihm und frage ihn, ‹warum weinst du?› und der Mann sagt: ‹Ich möchte mit meiner Frau zusammen sein›. Also, schnappe ich ihn einfach und halte ihn. Ich wusste nicht, dass ich in diesem Moment fotografiert wurde.
Joseph Varon cnn

Damit die Öffentlichkeit die Situation in seinem Spital sehen könne, habe er dem Getty-Fotografen Go Nakamura Zugang zu seiner Covid-19-Station gewährt, führt Varon weiter aus. So sei dieser rührende Moment festgehalten worden.

Joseph Varon erklärt gegenüber CNN, wie es zu diesem emotionalen Moment gekommen ist.Video: YouTube/CNN

Der ältere Mann habe sich schliesslich besser gefühlt und aufgehört zu weinen, sagt Varon. Gezeichnet von 256 Arbeitstagen ohne Unterbrechung wirkt der Arzt selbst emotional, während er diesen Moment noch einmal durchlebt.

Schon oft habe er sich ans Bett von Patientinnen und Patienten gesetzt, um mit ihnen zu plaudern, weil sie einfach jemanden brauchten.

«Mein Team ist gut darin, aber wir haben so viele Patientinnen und Patienten, dass wir nicht alle umarmen und nicht jede Hand halten können.»
Joseph Varoncnn
Dr. Joseph Varon, center, visits with Dorothy Webb, left, and her daughter, Tammie, while making his rounds inside the Coronavirus Unit at United Memorial Medical Center, Monday, July 6, 2020, in Hous ...
Varon kümmert sich beinahe pausenlos, um seine Patientiennen und Patienten. Bild: keystone

Wie Varon am Dienstag gegenüber der TV-Sendung «Good Morning Britain» berichtete, sei der ältere Mann wieder gesund und mit seiner Frau vereint.

Währenddessen geht der Kampf des Arztes weiter. Er wisse selbst nicht, wieso er noch nicht zusammengebrochen sei:

«Meine Krankenpflegerinnen und Pfleger weinen mitten am Tag – manchmal wegen Situationen wie dieser: Sie sehen einen Patienten, der weint, weil er seine Familie sehen möchte.»
Joseph Varoncnn

Erst am Montag wurde mit über 96'000 Corona-Hospitalisationen in den USA ein neues Rekordhoch erreicht. Für Joseph Varon ist das frustrierend:

Ich mache das Tag für Tag und die Leute da draußen machen das Falsche. Die Leute sind da draußen in Bars, Restaurants, Einkaufszentren – es ist verrückt – es ist, als würden wir arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten, arbeiten und die Leute hören nicht zu und landen dann auf meiner Intensivstation.
Joseph Varoncnn

Aus diesem Grund appelliert er immer wieder an die Bevölkerung, sich an die Massnahmen zu halten – auch zuliebe des Gesundheitspersonals. Er warnt: Wenn die Menschen in den nächsten 6 – 12 Wochen nicht das Richtige täten, könnte die USA den dunkelsten Tag der amerikanischen Medizingeschichte erleben.

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30 Kommentare
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Gopfridsenkel
02.12.2020 14:52registriert Juni 2018
Covidioten werden leider auf dieses Bild antworten, dass es gestellt und Stimmungsmacherei sei.
Ich bin zutiefst gerührt von dem Bild, das symbolisch für so viele traurige und einsame Schicksale in diesen Zeiten steht :-(
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Chnoblibrot
02.12.2020 14:31registriert Oktober 2020
In letzter Zeit kommen viele solche Berichte. Aber bei diesem musste ich zum "Nastüechli" griffä. Da bin ich dankbar, dass es mir gesundheitlich und familiär gut geht.
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Pfirsch
02.12.2020 16:04registriert Januar 2019
Ich werde dieses Jahr zum ersten Mal in meinem Leben Weihnachten ohne meine Familie feiern müssen. Ich sage mir immer, dass es schlimmeres gibt - ja, ja, 1. World Problems und so. Aber trotzdem zerreisst es mich jedes Mal, wenn ich daran denke.
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