Sturzflut in Nepal: Bilder zeigen Ausmass der Zerstörung
Nach der verheerenden Flutwelle in Nepal werden immer noch hunderte Menschen vermisst. Mindestens 162 Menschen sind dem Schlamm und den Fluten bis anhin zum Opfer gefallen.
Gewaltige Schlamm- und Gesteinsmassen in der Gebirgsregion zwischen Nepal und dem Südwesten Tibets entlang des Flusses Bhotekoshi bis nach Zentralnepal hinein eine Schneise der Verwüstung geschlagen. Die Flut riss Brücken mit sich, beschädigte Staudämme und liess Häuser in Sekundenschnelle im Schlamm versinken, wie dramatische Videoaufnahmen zeigten. Der Moment des Unglücks wirkte wie aus einem Katastrophenfilm.
Ein privates Foto zeigt, mit welcher Wucht die Sturzflut durch das Bergtal des Himalaya donnerte und auf ihrem Weg Brücken, Fahrzeuge, Häuser und ganze Dörfer mit sich riss.
Die Lage ist nach wie vor unübersichtlich. Die «New York Times» berichtet, dass das Telekommunikationsnetz zusammengebrochen ist, was die Rettungsarbeiten erschwert.
Die UNO und die lokalen nepalesischen Behörden sprechen davon, dass ungefähr 10'000 Haushalte Soforthilfe benötigen.
Balendra Shah, die Premierministerin von Nepal, teilte mit, dass mindestens 19 Brücken und 25 Strassenmeilen von den Fluten weggerissen wurden.
Unter den Vermissten sind gemäss Angaben der nepalesischen Tourismusbehörde auch 134 Inder, 47 US- Amerikaner, 33 Menschen aus dem Vereinigten Königreich, 34 aus Australien, 24 aus Kanada und 19 aus Malaysia.
Dem Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sind bis anhin keine Schweizer Vermissten bekannt. Das Bild zeigt, wie Helfer einer älteren Dame aus der Schaufel eines Baggers helfen, mit dem sie aus dem überfluteten Gebiet gerettet wurde.
«Nepal ist ein Entwicklungsland. Es verfügt nicht über die Ressourcen, die in Australien für ein solches Ereignis zur Verfügung stünden. Daher ist die Informationsbeschaffung schwierig», zitierten australische Medien Ministerpräsident Anthony Albanese.
«Wir sprechen den von den schweren Überschwemmungen in Nepal und Tibet, China, Betroffenen unser tiefstes Mitgefühl aus», schrieb Albanese auf der Plattform X. «Australier in den betroffenen Gebieten sollten den Anweisungen der örtlichen Behörden Folge leisten.»
15 der Vermissten waren mit dem US-Tourveranstalter Himalayan Glacier in der Region unterwegs, wie die Zeitung «Sydney Morning Herald» unter Berufung auf den Chef des Unternehmens, Sagar Pandey, schrieb. Bei zwei von ihnen soll es sich um Jugendliche im Alter von 11 und 14 Jahren handeln, die vermutlich mit ihren Eltern reisten. Die älteste Vermisste ist eine 64-jährige Frau.
Insgesamt umfasste die Reisegruppe den Informationen zufolge 40 Touristen: neben den 15 Australiern zehn Kanadier, acht US-Amerikaner, zwei Singapurer, zwei Briten, einen Russen und zwei Nepalesen. Begleitet wurde sie von sieben einheimischen Mitarbeitern.
Die Überlebenden, wie diese zwei von der nepalesischen Armee in Sicherheit gebrachten Frauen, haben alles, was ihnen lieb war, verloren:
Nationale und internationale Rettungsorganisationen stehen im Einsatz. Das Rote Kreuz unterstützt Nepal mit Soforthilfen in der Höhe von 1,2 Millionen Dollar, wie die «New York Times» schreibt.
Die US-Regierung unterstützt Betroffene der schweren Sturzflut in Nepal mit 500'000 US-Dollar, teilte das Aussenministerium mit. Ein Berater für Katastrophenhilfe sei in die Region entsandt worden, um den Hilfseinsatz zu unterstützen.
Auch aus dem angrenzenden China treffen Rettungskräfte im Katastrophengebiet ein. Wie das chinesische Staatsfernsehen berichtete, erreichte ein Flugzeug mit 111 Experten der Feuerwehr aus Sichuan und Peking den Flughafen in Tingri. Mit Autos würden sie von dort noch fünf bis sechs Stunden zum von der Flut überspülten Grenzübergang Gyirong benötigen, hiess es weiter.
Wie das Staatsfernsehen weiter berichtete, erschwerten die grossen Schlammmassen in dem Gebiet den Zugang für grosse Fahrzeuge. Auf chinesischer Seite wurden bislang 3 Tote und 265 Vermisste gemeldet.
(her/sda/dpa)
