International
Nordkorea

US-Bürger soll Grenze nach Nordkorea überquert haben – verhaftet

US-Soldat übertritt Grenze nach Nordkorea – offenbar Festnahme

Zwischen Nord- und Südkorea verläuft die demilitarisierte Zone. Bei einer Touristentour hat ein US-Amerikaner wohl die Grenze nach Nordkorea überschritten.
18.07.2023, 13:2718.07.2023, 22:04
epa04856131 South Korean soldiers stand guard at the Military Demarcation Line in the Demilitarized Zone (DMZ) in the border village Panmunjom, South Korea, 22 July 2015. North Korea is believed to ha ...
Die Grenze in der demilitarisierte Zone von Panmunjom: Bei einer Touristentour hat ein Amerikaner wohl die Grenze nach Nordkorea überschritten.Bild: EPA/EPA

Ein US-Soldat hat ohne Erlaubnis die innerkoreanische Grenze von Süd- nach Nordkorea überquert und ist daraufhin vermutlich festgenommen worden. Er habe an einer Tour entlang des südkoreanischen Teils der entmilitarisierten Zone teilgenommen und die Grenze zu Nordkorea «absichtlich» übertreten, teilten die US-Streitkräfte in Korea am Dienstag mit. Man vermute, dass sich der Mann nun in Nordkorea in Gewahrsam befinde, und arbeite daran, den Vorfall aufzuklären. Zuvor hatte das Kommandozentrum der Vereinten Nationen in der Region von dem Grenzübertritt und der vermuteten Festnahme berichtet.

Die sogenannte entmilitarisierte Zone trennt die beiden koreanischen Staaten voneinander. In den vergangenen Jahren reisten schon mehrfach US-Amerikaner illegal nach Nordkorea ein. Dort wurden sie meist zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und erst nach langen Verhandlungen wieder freigelassen.

Das US-Aussenministerium rät Amerikanern dringend von Reisen nach Nordkorea ab. Es weist auf seiner Webseite darauf hin, dass US-Pässe für Reisen nach und durch Nordkorea nicht gültig sind und Ausnahmegenehmigungen nur in absoluten Ausnahmefällen erteilt werden. Es bestehe die Gefahr einer Verhaftung und langer, unrechtmässiger Inhaftierung. Die Regierung sei nicht in der Lage, US-Bürgern in Nordkorea Hilfe zu leisten, da sie keine diplomatischen oder konsularischen Beziehungen zu dem international weitgehend isolierten Land unterhalte.

Für grosses Aufsehen sorgte der Fall des US-Studenten Otto Warmbier. Er wurde 2016 nach einer Gruppenreise in Nordkorea bei der Ausreise festgenommen und wegen «feindlicher Handlungen gegen den Staat» zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt. Wenige Tage nach seiner Rückkehr in die USA im Juni 2017 starb er – er hatte damals bereits 15 Monate lang im Koma gelegen.

Immer wieder haben in den vergangenen Jahrzehnten US-Amerikaner die Grenze zu Nordkorea ohne Erlaubnis überquert. Im März 2009 wurden etwa die Journalisten Laura Ling und Euna Lee wegen eines illegalen Grenzübertritts festgenommen und zu zwölf Jahren Arbeitslager verurteilt. Erst auf Vermittlung des früheren US-Präsidenten Bill Clinton kamen die zwei mehrere Monate später wieder frei. Auch ein US-Missionar wagte den Übertritt, wurde festgenommen und nach sechs Wochen wieder freigelassen.

Nordkorea hat in der Vergangenheit mehrfach festgenommene US-Bürger als Druckmittel eingesetzt, um die Regierung in Washington zu Zugeständnissen zu bewegen. Bei den Verhandlungen um Rückführungen vertritt stets die schwedische Botschaft die diplomatischen Interessen der Vereinigten Staaten, da Washington keine offizielle Vertretung im Land hat.

Eine direkte Überquerung der innerkoreanischen Grenze ist jedoch äusserst selten. Die beiden Staaten werden durch eine militärisch bewachte, stark verminte Grenze voneinander getrennt. Von südkoreanischer Seite aus ist es allerdings möglich, an touristischen Touren durch die sogenannte entmilitarisierte Zone teilzunehmen.

Diese führen unter anderem durch die Siedlung Panmunjeom, in deren Militärbaracken mit den ikonisch blauen Dächern der 1953 geschlossene Waffenstillstand während des Koreakriegs ausgehandelt wurde. Die Teilnehmer der Touren werden dort bis auf wenige Meter an die Grenze zu Nordkoreas geführt.

Weltweite Berühmtheit erlangte Panmunjeom im Jahr 2019, als sich der damalige US-Präsident Donald Trump dort mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un zum Handschlag traf. An jenem Tag betrat auch Trump nordkoreanischen Boden. (sda/dpa)

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