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Schauspielerin Erni Mangold 99-jährig gestorben

Die Widerborstige: Schauspielerin Erni Mangold 99-jährig gestorben

05.09.2026, 10:3905.09.2026, 10:39

Die österreichische Schauspielerin Erni Mangold ist tot. Die Schauspielerin, die auch als Regisseurin arbeitete, ist laut ihrem Agenten 99-jährig in der Nacht auf Samstag in einem Wiener Altersheim «eingeschlafen».

Die Charakterdarstellerin hatte sich selbst als «Theatervieh» bezeichnet. Grosse Bekanntheit erlangte sich auch durch ihre Rollen in Film und Fernsehen – von Peter Patzaks «Kassbach» (1979) bis «Kottan ermittelt».

Erni Mangold, Voraufzeichnung 3nach9 Ausstrahlung 26.05, Bremen, 24.05.2017, *** Erni Mangold, pre-recording 3nach9 broadcast 26 05 , Bremen, 24 05 2017, Copyright: xEventpressxMPx
Erni Mangold ist tot.Bild: www.imago-images.de

Ihren Bühnenabschied hatte Mangold, bekannt und auch geliebt für ihre Schnoddrigkeit und Widerborstigkeit, 2017 mit «Harold und Maude» an den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt verkündet. Damit schloss sich ein Kreis, hatte die junge Schauspielerin doch just an jener Bühne 1946 auch ihr Debüt gefeiert.

Geboren wurde Mangold am 26. Januar 1927 in Grossweikersdorf A in eine kunstliebende Familie: Der Vater war nebenberuflich als Maler tätig, die Mutter passionierte Pianistin. Nur folgerichtig, dass es auch die junge Ernestine in die Kultur zog.

Nach der Ausbildung an der Wiener Schauspielschule Krauss spielte sie nach ihrem Debüt von 1946 schliesslich bis 1956 an der Josefstadt. Wie sie dabei einerseits Karriere machte, Abwehrtechniken bei den häufigen Zudringlichkeiten verfeinerte und sich dennoch an der Seite von Helmut Qualtinger oder Ernst Haas mit Verve ins Wiener Nachtleben stürzte, schilderte sie in ihrem Erinnerungsbuch «Lassen Sie mich in Ruhe» ausführlich.

1956 ging sie für acht Jahre ans Deutsche Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, danach ans Düsseldorfer Schauspielhaus unter Karlheinz Stroux. Zwischen 1965 und 1972 folgten weitere Engagements in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Parallel dazu entdeckte Mangold ihre Liebe zum «alternativen» Theater. So trat sie etwa in der Wiener Kulisse auf, ehe sie 1981 von Hans Gratzer ans Wiener Schauspielhaus geholt wurde, später war sie die Entdeckerin des Dramatikers Werner Schwab.

«Rarer Frauentyp»

Als «spezieller rarer Frauentyp» wurde die facettenreiche Künstlerin bei ihrer Ernennung zur Kammerschauspielerin 1999 gewürdigt. Der frühere Volkstheater-Direktor und ihr einstiger Schüler Michael Schottenberg nannte sie später einmal «ein Monstrum an Wahrhaftigkeit». Und das stellte Mangold in einer grossen Bandbreite an Rollen unter Beweis.

Neben eher klassischen Charakteren wie der Marthe Schwerdtlein im «Faust», der Lady Macbeth oder der Frau Muskat im «Liliom», empfahl sich Mangold auch als grandiose Spezialistin für Skurriles wie in «Arsen und alte Spitzen» oder für eigenwillige Kunstfiguren wie das alterslose «Schneewittchen» in Elfriede Jelineks «Prinzessinnendramen».

Über 100 Film- und Fernsehproduktionen

Neben ihrer Bühnenlaufbahn hat Mangold in weit über 100 Film- und Fernsehproduktionen mitgespielt, darunter Karl Hartls «Der Engel mit der Posaune» (1948), O.W. Fischers «Hanussen» (1955), Peter Patzaks «Kassbach» (1979) oder Richard Linklaters «Before Sunrise» (1995).

Eine Institution wurde die Schauspielerin, die 20 Jahre mit ihrem Schauspielkollegen Heinz Reincke verheiratet war, auch als Lehrerin. Sie unterrichtete am Salzburger Mozarteum, der Wiener Schauspielschule Krauss und am Max Reinhardt Seminar.

Die Schauspieler Heinz Reincke und Erni Mangold, Deutschland 1960er Jahre. Actors Heinz Reincke and Erni Mangold, Germany 1960s. Copyright: Roba/SiegfriedxPilz UnitedArchives08338

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Erni Mangold und Heinz Reincke.Bild: imago stock&people

Erni Mangold verbrachte viele Jahre lang in ihrem Bauernhaus im Waldviertel. In ihren letzten Lebensjahren lebte sie in einem Altersheim in Wien.

Zu ihren Auszeichnungen gehören etwa der Grosse Schauspielpreis der Diagonale (2016), der Nestroy-Ring der Stadt Bad Ischl (2015) oder das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2012). 2022 wurde Mangold mit der Platin-Romy für ihr Lebenswerk geehrt. Bei der Verleihung zeigte sie sich noch einmal gewohnt widerborstig: «Mit 95 bleibt einem nichts erspart.» (hkl/sda/apa)

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