International
Ranking

Schweiz zählt zu den stabilsten Demokratien der Welt – USA stürzen ab

Um die Schweizer Demokratie ist es weiterhin gut bestellt.
Um die Schweizer Demokratie ist es weiterhin gut bestellt.Bild: Shutterstock
Ranking

Schweiz zählt zu den stabilsten Demokratien der Welt – die USA im freien Fall

Die USA verzeichnen den stärksten demokratischen Rückgang seit 50 Jahren – während die Schweiz laut dem neuen Demokratie-Index von International IDEA zur globalen Spitzengruppe gehört.
15.09.2026, 20:2515.09.2026, 20:25

Dass das US-Justizministerium eine neue Ballsaal-Erweiterung fürs Weisse Haus im April 2026 mit «nationaler Sicherheit» begründet, zeigt exemplarisch, wie weit die Grenzen zwischen exekutiver Macht und rechtsstaatlicher Kontrolle in den USA bereits verschoben sind.

Der heute veröffentlichte «Global State of Democracy 2026»-Bericht des International IDEA dokumentiert diese Demokratie-Erosion eindrücklich mit Zahlen: Fast die Hälfte der 30 Indikatoren, mit denen die Organisation amerikanische Demokratie misst, liegt auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Datenerhebung 1975 – darunter Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Zugang zur Justiz und die Wirksamkeit des Parlaments.

So wird Demokratie gemessen
International IDEA misst Demokratie nicht mit einem einzigen Gesamtwert, sondern mit vier Kategorien angewendet auf 173 Länder:
• Repräsentation – glaubwürdige Wahlen, Parteienfreiheit, wirksames Parlament
• Rechte – Justizzugang, bürgerliche Freiheiten, Gleichstellung
• Rechtsstaatlichkeit – unabhängige Justiz, Schutz vor Korruption und Gewalt
• Partizipation – Zivilgesellschaft, Engagement, Wahlbeteiligung

Der Absturz ist laut IDEA kein Zufall, sondern Folge einer bewussten Strategie: Die zweite Trump-Administration hat die Macht der Bundesregierung systematisch im Weissen Haus gebündelt – auf Kosten von Kongress, Bundesgerichten und der übrigen Exekutive. Dahinter steht die sogenannte «Unitary Executive Theory», wonach der Präsident die alleinige und letztgültige Autorität über die gesamte Exekutive besitzt; Kritiker sprechen von radikalem Präsidentialismus.

Der Kongress, kontrolliert von einer aussergewöhnlich loyalen republikanischen Mehrheit, hat laut Bericht kaum Widerstand geleistet – etwa als das Weisse Haus per «Impoundment» bereits vom Parlament bewilligte Gelder eigenmächtig zurückhielt. Die Folge: der tiefste «Effective Parliament»-Wert in der Geschichte der GSoD-Indizes.

In der Kategorie Repräsentation stürzte die USA innert Jahresfrist um acht Plätze auf Rang 51 ab, bei den Rechten verlor die einstige Vorzeige-Demokratie 15 Ränge (neu Platz 42), bei der Rechtsstaatlichkeit 9 Ränge (Platz 37) und bei der Partizipation 14 Ränge (Platz 19).

IDEA-Generalsekretär Kevin Casas-Zamora bringt es auf den Punkt: Die Erosion der Gewaltenteilung in Washington schwäche das globale Vertrauen in die internationale Ordnung und ermutige autoritäre Regierungen. Die Ursachen reichen dabei tiefer als in die Trump-Jahre zurück: Der Bericht verweist auf jahrzehntealte, ungelöste Konflikte um wirtschaftliche Ungleichheit und gesellschaftliche Spaltung, die den Boden für die aktuelle Entwicklung bereitet hätten.

Schweiz bleibt in der Spitzengruppe

Die Schweiz zeigt fast das Gegenteil. Zusammen mit Dänemark und Deutschland bildet sie gemäss dem Bericht seit 2024 die Spitzengruppe bei den Grundrechten – mit stabiler, praktisch unveränderter Leistung. Auch bei Rechtsstaatlichkeit (Rang 3) und Partizipation (Rang 2 von 173 untersuchten Ländern) gehört sie zur globalen Elite, einzig bei der Repräsentation reicht es wohl wegen des fehlenden Wahlrechts für Ausländerinnen und Ausländer «nur» für Platz 18.

Generell deckt sich der Befund mit dem, was politikwissenschaftlich oft als Erklärung für Schweizer Stabilität angeführt wird: eine über Kantone und Gemeinden verteilte Macht, die referendumsfähige direkte Demokratie und eine Konsensregierung ohne dominante Einzelperson an der Spitze – ein System, das genau jene Machtkonzentration erschwert, die den USA gerade zum Verhängnis wird.

Eingebettet ist der US-Absturz in einen globalen Trend: 2025 war weltweit das elfte Jahr in Folge, in dem mehr Länder demokratisch zurückfielen als sich verbesserten – die längste ununterbrochene Abwärtsspirale seit Beginn der Datenerhebung.

International IDEA warnt, dass schwache Demokratien mit eingeschränkter politischer Konkurrenz überdurchschnittlich oft in gewaltsame Konflikte verwickelt sind. Für die Schweiz bedeutet das: Ihre Stabilität ist in diesem Umfeld nicht die Regel, sondern eine zunehmend seltene Ausnahme.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Neue Banknoten für die Schweiz
1 / 14
Neue Banknoten für die Schweiz

Konzept A: «Lebenswelten»

quelle: neuebanknotenserie.ch
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Darum geht es bei der Neutralitätsinitiative
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
126 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bärner728
15.09.2026 21:08registriert Juni 2020
Dänemark schlägt uns in allen Kategorien. Ein Artikel darüber, was Dänemark besser macht, wäre lehrreicher, als dass sich die USA unter der Orange in freiem Fall befinden, was offensichtlich ist.
2096
Melden
Zum Kommentar
avatar
banda69
15.09.2026 21:42registriert Januar 2020
Wir sehen Tag für Tag live was passiert, wenn Rechtspopulisten an der Macht sind. Wer glaubt, dass unsere Rechtspopulisten auch nur einen Deut besser sind ist naiv.
9530
Melden
Zum Kommentar
avatar
Chris_A
15.09.2026 21:42registriert Mai 2021
Überall wo Rechtspopulisten an die Macht kommen wird Demokratie abgebaut. Keine Stimme mehr für alles diese Demokratiezerstörer.
7816
Melden
Zum Kommentar
126
US-Notenbank erhöht erstmals seit Sommer 2023 Leitzins
Fed-Chef Warsh signalisierte jüngst Bereitschaft für eine Zinserhöhung, an den Finanzmärkten wurde mit grosser Mehrheit damit gerechnet. Sicher war das allerdings keineswegs.
Die US-Notenbank Federal Reserve hebt wegen der hartnäckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins an. Dieser steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Fed-Zentralbankrat mitteilte. Notenbank-Chef Kevin Warsh gerät damit auf Konfrontationskurs mit Donald Trump, nachdem die Fed seit Monaten nichts geändert hatte und die Forderungen des US-Präsidenten nach niedrigeren Zinsen wirkungslos geblieben waren.
Zur Story