Mutmasslich ältestes Schiffswrack der Welt entdeckt
Archäologen haben vor der Südküste der Türkei das mutmasslich älteste bekannte Schiffswrack der Welt entdeckt. Die Fundstelle liegt nahe der Insel Kekova in der Provinz Antalya in rund 30 Metern Tiefe, berichtet CNN.
Das Schiff sank demnach vor etwa 4400 bis 4700 Jahren – ungefähr zu jener Zeit, als in Ägypten die Pyramiden von Gizeh errichtet wurden. Die Forscher gehen davon aus, dass es sich um ein etwa zehn Meter langes Handelsschiff handelte.
Vom hölzernen Schiff selbst ist nach Jahrtausenden unter Wasser nichts mehr erhalten. Auf dem Meeresgrund fanden die Forscher jedoch mehr als 30 keramische Vorratsgefässe, sogenannte Amphoren, sowie drei grosse Steinanker.
Amphoren verraten das Alter
Weil kein Holz mehr vorhanden ist, kann das Schiff nicht direkt mit der Radiokarbonmethode datiert werden. Entscheidend für die Altersbestimmung sind deshalb Form und Herstellung der Amphoren sowie weitere Fundstücke.
Der Leiter der Ausgrabung, Hakan Öniz von der türkischen Akdeniz-Universität, erklärte gegenüber CNN, dass sich die Forscher bei der Datierung inzwischen weitgehend sicher seien. Die Gefässe ähneln Funden aus derselben Epoche in Ägypten.
Das bisher als ältestes bekannte Schiffswrack geltende Fundstück vor der griechischen Insel Dokos ist rund 4200 Jahre alt. Sollte sich die Datierung bestätigen, wäre der Fund bei Kekova mehrere Jahrhunderte älter.
War das Schiff auf dem Weg nach Troja?
Analysen des Tons deuten darauf hin, dass die Amphoren wahrscheinlich im Jordantal hergestellt wurden. Vergleichbare Gefässe wurden auch in Ägypten, Troja und auf Kreta gefunden.
Forscher vermuten deshalb, dass das Schiff von der Levante aus nach Westen unterwegs war – möglicherweise nach Troja oder zur minoischen Zivilisation auf Kreta. In den Amphoren könnten unter anderem Olivenöl, Wein oder Baumharze transportiert worden sein. In einigen Gefässen sind noch heute deutlich sichtbare Rückstände erhalten.
Käseproduktion an Bord?
Besonders ungewöhnlich ist eine Amphore mit neun Markierungen und zwei Löchern. Nach ersten Untersuchungen könnte sie zum Herstellen von Butter oder Käse verwendet worden sein.
Das würde laut den Forschern sogar die Möglichkeit eröffnen, dass Seeleute auf längeren Reisen lebende Ziegen an Bord hatten, sie molken und daraus während der Fahrt Lebensmittel produzierten. Sicher belegt ist diese Theorie allerdings noch nicht.
Für die Archäologen ist der Fund deshalb mehr als nur ein neuer Altersrekord. Er liefert Hinweise darauf, wie weitreichend der Handel im östlichen Mittelmeer bereits vor fast 5000 Jahren war – und wie die Menschen an Bord solcher Schiffe lebten. (mke)
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