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Netflix kauft Warner Bros

Der Deal ist durch: Netflix übernimmt Warner Bros. für 82,7 Milliarden Dollar

05.12.2025, 13:2505.12.2025, 18:10

Beben in Hollywood: Der Streaming-Riese Netflix setzt zur Übernahme des Hollywood-Urgesteins Warner Brothers an. Das Geschäft soll Netflix fast 83 Milliarden Dollar kosten, wie die beiden US-Unternehmen am Freitag in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten.

epa12370274 People walk by Warner Bros. Studios in Burbank, California, 11 September 2025. Paramount Skydance is preparing a bid for Warner Brothers Discovery, which owns HBO, CNN, and the Warner Bros ...
Warner-Bros.-Studio in Burbank, Kalifornien.Bild: EPA

Netflix will sich mit dem Dutzende Milliarden Dollar schweren Deal unter anderem Batman, Superman und Harry Potter ins Haus holen - und bekommt zugleich den Streamingdienst HBO Max mit Serien wie «Game of Thrones» und «Die Sopranos». Für den Abschluss der Übernahme planen die Firmen bis zu eineinhalb Jahre ein - auch weil Wettbewerbshüter den Zukauf unter die Lupe nehmen werden.

Netflix wollte sich noch nicht konkret darauf festlegen, was der Zusammenschluss für Streaming-Kunden bedeuten wird. Co-Chef Greg Peters deutete aber an, dass Netflix-Abonnenten den Zugang zum HBO-Angebot günstiger bekommen könnten.

Filme von Warner Bros. sollen weiterhin in die Kinos kommen, sagte der zweite Co-Chef von Netflix, Ted Sarandos. Aber sie könnten danach schneller als bisher auch im Streaming verfügbar sein, sagte er. Netflix selbst verzichtet bisher konsequent darauf, Filme breit in Kinos zu bringen.

Netflix gewann Bieterwettstreit

Dass es HBO Max nicht als kostenlose Beigabe zum Netflix-Programm geben dürfte, liegt auch am hohen Preis. Das Netflix-Angebot bewertet den Hollywood-Konkurrenten mit knapp 82,7 Milliarden US-Dollar (rund 71 Mrd Euro). Die Warner-Anteilseigner sollen pro Aktie 23,25 Dollar sowie 4,50 Dollar in Netflix-Aktien bekommen, was einem Gesamtkapitalwert von 72 Milliarden Dollar gleichkommt.

Netflix will dabei nur das Studiogeschäft und den Streamingdienst kaufen. Die TV-Sender - darunter auch CNN - sollen unter dem Namen Discovery Global in eine eigenständige Firma abgespalten werden.

Netflix setzte sich mit dem Zuschlag der heutigen Führung von Warner Bros. Discovery um David Zaslav in einem Bietergefecht gegen mehrere Rivalen durch. Darunter ist auch der traditionsreiche Warner-Konkurrent Paramount. Dieser wurde gerade erst von der Familie des Software-Milliardärs Larry Ellison übernommen, der als Unterstützer von US-Präsident Donald Trump bekannt ist. Chef von Paramount ist nun Ellisons Sohn, der Filmproduzent David Ellison.

Gegenwind aus Washington?

Schon vor Bekanntgabe des Deals berichtete die «New York Post», dass Trumps Regierung eine Übernahme durch Netflix einer strikten Wettbewerbsprüfung unterziehen werde. Ein ranghoher Vertreter des Weissen Hauses sagte dann auch prompt dem Sender CNBC, man sehe den Zuschlag für Netflix mit viel Skepsis.

In den USA wurde in den vergangenen Wochen vielfach gewarnt, Trump könne daran interessiert sein, dass die Ellisons die Kontrolle über CNN bekämen, wo der US-Präsident oft kritisiert wird. Beim Paramount-Sender CBS gab es nach Kauf durch die Ellison-Familie rasch eine Neuordnung der Nachrichtenredaktion.

Netflix ist klarer Streaming-Marktführer

Die Netflix-Chefs gaben sich derweil überzeugt, dass der Deal einer Prüfung durch Wettbewerbshüter standhalten werde. Die Angebote ergänzten sich, betonten sie.

Helfen könnte Netflix dabei, dass die US-Regierung jüngst vor Gericht mit dem Versuch scheiterte, eine Zerschlagung des Facebook-Konzerns Meta zu erzwingen. Der Richter kam dabei zu dem Schluss, dass man für die Wettbewerbsprüfung einen breiten Markt mit verschiedenen Online-Aktivitäten betrachten müsse. Das passt zur langjährigen Netflix-Einstellung, dass man um die Zeit der Nutzer mit vielen anderen Beschäftigungen bis hin zu Videospielen konkurriere.

Zugleich sagte Netflix Warner Bros. laut Medienberichten eine gewaltige Vertragsstrafe von fünf Milliarden Dollar für den Fall zu, dass der Deal am Widerstand von Wettbewerbshütern scheitern sollte. Denn Netflix ist der klare Marktführer im Streaming-Geschäft. Das vergangene Jahr schloss der Dienst mit gut 300 Millionen zahlenden Kundenhaushalten weltweit ab, danach wurden keine Zahlen mehr genannt. HBO Max kam zuletzt auf rund 128 Millionen Abo-Kunden.

«Albanische Armee»

Dass ausgerechnet Netflix bei Warner Bros. zum Zuge kommt, hat eine gewisse Ironie. Fast auf den Tag genau vor 15 Jahren wurde der Chef des damals noch Time Warner genannten Konzerns, Jeff Bewkes, von der «New York Times» gefragt, ob Netflix dem Studio gefährlich werden könne. «Es ist ein wenig wie: Wird die albanische Armee die Welt erobern? Ich denke nicht», lautete seine Antwort.

Doch Netflix bewies in den vergangenen Jahren, dass sein Ansatz, Streaming mit einer Mischung aus Datenauswertung und Kreativität zu betreiben, das überlegene Geschäftsmodell ist. Kritiker in Los Angeles mögen häufig gespottet haben, dass Netflix-Programm sei weniger Kunst als die Angebote von Streaming-Rivalen - aber der Dienst eroberte damit nach und nach immer höhere Marktanteile.

Aktuell bewegt sich Netflix nach eigenen Angaben auf die Marke von einer Milliarde Zuschauer zu - basierend auf der Annahme, dass in einem Haushalt oft mehrere Menschen leben.

Mit der Übernahme von Warner Bros. werde man nun ein «langfristig besseres Netflix» aufbauen können, sagte Sarandos. Branchenexperte Ross Gerber von der Investmentfirma Gerber Kawasaki betonte, mit der Übernahme bleibe in der US-Unterhaltungsindustrie nur noch Disney auf einem Niveau mit dem künftigen neuen Konzern. «Ellison ist der grosse Verlierer hier.» (awp/sda/dpa)

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