International
UNO

Die Ungleichheit in der Welt ist so gross wie seit 100 Jahren nicht mehr

Die Ungleichheit in der Welt ist so gross wie seit 100 Jahren nicht mehr

13.06.2022, 13:0413.06.2022, 16:19

Die Zahl der Menschen, die in Armut leben, hat seit der Corona-Pandemie stark zugenommen. Angesichts dieser weltweit wachsenden Armut hat die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, die reichen Länder zu mehr Entwicklungshilfe aufgefordert.

Die ärmsten 20 Prozent der Weltbevölkerung hätten mit der Corona-Pandemie die grössten Einkommenseinbussen erlitten, sagte Bachelet am Montag zum Auftakt der Sitzung des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Auch von der Klimakrise seien sie besonders stark betroffen. Die Ungleichheit in der Welt sei nach einer Studie so gross wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr.

Ärmere Länder ächzten unter grossen Schuldenbergen. Entwicklungsländer müssten in diesem Jahr mehr als 300 Milliarden Dollar allen dafür aufbringen, Darlehen zu bedienen; Geld, das fehle, um in ihre Entwicklung zu investieren. Zur Bewältigung der Schuldenkrise müssten neue Lösungen gefunden werden. Sie rief reiche Länder auf, ihre Anstrengungen verdoppeln, um 0.7 Prozent der Wirtschaftsleistung für die internationale Zusammenarbeit bereitzustellen. Deutschland hat dieses Ziel nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit nach vorläufigen Berechnungen 2021 erreicht.

Bachelet erwähnte zahlreiche Länder mit Besorgnis erregenden Entwicklungen. Sie sprach über die verheerenden Folgen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und die weltweiten Folgen. Sie kritisierte die Verhaftung von Kriegsgegnern in Russland und die Einschränkung der Presse- und Redefreiheit. Bei ihrer kürzlichen Reise nach China habe sie Sorge über die Internierung von Uiguren und anderen muslimischen Minderheiten in Xinjiang und Menschenrechtsverletzungen gegen sie zur Sprache gebracht.

Die Hochkommissarin kritisierte Prozesse gegen Regierungskritiker in der Türkei wie Osman Kavala. Sie verlangte von Israel eine lückenlose Aufklärung über den Fall der vor einigen Wochen im Westjordanland getöteten Journalistin Schirin Abu Akle. Sie sei besorgt über Pläne der britischen Regierung, die Menschenrechtsgesetze zu beschneiden.

Im Laufe der Woche will Bachelet ausführlich über die Lage in der von Russland eingenommenen ukrainischen Stadt Mariupol berichten. Die 47 Mitglieder des Rates erörtern in den kommenden vier Wochen die Menschenrechtslage in aller Welt. Die im Rat vertretenen Länder – zurzeit auch Deutschland – werden für jeweils drei Jahre von der UN-Vollversammlung gewählt. Der Rat kann Verstösse anprangern und Untersuchungen beschliessen. Konkrete Mittel, Menschenrechtsverletzungen abzustellen, hat er nicht. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Von arm bis reich: Die Lieblingsspielzeuge von Kindern
1 / 24
Von arm bis reich: Die Lieblingsspielzeuge von Kindern
JORDANIENBudget dieser Familie: 7433 US-Dollar pro Erwachsener im Monat.Das Lieblingsspielzeug dieses Jungen: ein Stofftier.Bild: Zoriah Miller for Dollar Street
quelle: zoriah miller for dollar street
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ab wann gilt man in der Schweiz eigentlich als arm?
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Eine Tote bei Sturmtief Adam in Spanien
Das Sturmtief Adam hat mit heftigen Niederschlägen an der spanischen Mittelmeerküste von Katalonien im Nordosten bis hinunter nach Andalusien für Chaos gesorgt. In Katalonien kam eine Frau ums Leben, als sie mit ihrem Kind in dem Ort Cabrera del Mar etwa 35 Kilometer nordöstlich von Barcelona von den Wassermassen überrascht wurde.
Der Mann habe das Kind gerade noch zu fassen bekommen, aber seine Frau sei fortgespült worden. Ihre Leiche wurde nach einer nächtlichen Suche am Sonntagmorgen im Meer vor dem weiter südlich gelegenen Ort Premià de Mar gefunden, wie die örtliche Feuerwehr mitteilte.
Zur Story