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Putin willigt in Friedensgespräche ein und bombardiert umgehend Kiew

KYIV, UKRAINE - OCTOBER 22: Natalya reacts as she looks at the damage inside her house following an aerial attack on October 22, 2026 in Kyiv, Ukraine. According to initial reports, Russia fired aroun ...
Natalya reagiert, als sie sich die Schäden in ihrem Haus ansieht, die durch einen Luftangriff am 22. Oktober 2026 in Kiew, Ukraine, entstanden sind.Bild: Getty Images Europe

Putin willigt in Friedensgespräche ein und bombardiert umgehend Kiew

Russland zeigt sich grundsätzlich bereit, die Gespräche über ein Ende des Ukraine-Kriegs wieder aufzunehmen. Nur Stunden später wird Kiew erneut mit Raketen angegriffen. Donald Trump spricht dennoch vom bislang greifbarsten Moment für einen möglichen Frieden.
22.10.2026, 07:3022.10.2026, 07:30

Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist am Mittwochabend erneut mit Raketen angegriffen worden. Nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko wurden mehrere Häuser getroffen, mindestens sechs Menschen verletzt.

Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden, nachdem Russland erklärt hatte, grundsätzlich zu einer Wiederaufnahme der Friedensgespräche bereit zu sein. Gleichzeitig sagte US-Präsident Donald Trump, man sei einem Ende des Kriegs möglicherweise näher als je zuvor.

«Vielleicht sind wir jetzt so nah dran wie noch nie.»
Donald Trump

Witkoff trifft Putin in St. Petersburg

Im Zentrum der neuen diplomatischen Initiative stehen Trumps Sondergesandter Steve Witkoff und sein Schwiegersohn Jared Kushner. Witkoff traf am Mittwoch in St. Petersburg den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Einen Tag zuvor hatte er in Oslo mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sowie den Regierungschefs von Norwegen und Finnland gesprochen.

Wie die BBC berichtet, ist unklar, welche konkreten Vorschläge Witkoff Putin vorgelegt hat. Selenskyj sagte nach den Gesprächen in Oslo, es sei unter anderem um Sicherheitsgarantien für die Ukraine und um einen möglichen Waffenstillstand bei Angriffen auf Energieinfrastruktur gegangen.

Putins Berater Juri Uschakow bezeichnete diese Vorschläge allerdings als wenig «nützlich». Gleichzeitig stellte er neue Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und den USA um den 10. November in Abu Dhabi in Aussicht.

Russian President Vladimir Putin meets US Special Envoy Steve Witkoff in St. Petersburg ST. PETERSBURG, RUSSIA - OCTOBER 21: ----EDITORIAL USE ONLY - MANDATORY CREDIT - KREMLIN PRESS OFFICE / HANDOUT  ...
Steve Witkoff triff Wladimir Putin.Bild: www.imago-images.de

Selenskyj akzeptiert Einfrieren der Front

Bemerkenswert ist dabei eine Aussage Selenskyjs vom Mittwoch. Gegenüber Fox News erklärte er, er könne sich auf ein Abkommen einlassen, das den Krieg entlang der derzeitigen Frontlinie einfriert.

«Einfrieren und stoppen. Das ist das Minimum, das wir heute von Russland brauchen.»
Wolodymyr Selenskyj

Danach könne über Sicherheitsgarantien für die Ukraine gesprochen werden.

Russland kontrolliert derzeit rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets. Moskau behauptet, auf der gesamten Front die strategische Initiative zu besitzen. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten sprechen dagegen weitgehend von einem Patt.

«Noch viel harte Arbeit»

Witkoff bezeichnete die Gespräche mit Putin als «konstruktiv». Kushner sagte, es gebe weiterhin viel Arbeit, aber auch eine «echte Chance», den Krieg hinter sich zu lassen und einen Rahmen für dauerhaften Frieden zu schaffen.

Die Gespräche finden allerdings vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Washington und Kiew statt. Trump hat zuletzt erklärt, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten und möglicherweise «jemand anderen», der in ihrem Namen verhandle.

Zudem macht Trump ukrainische Angriffe auf russische Ölraffinerien für steigende Treibstoffpreise mitverantwortlich. Gleichzeitig hat Washington jüngst Sanktionen gegen Russland gelockert – sehr zum Ärger Kiews und mehrerer europäischer Verbündeter.

DC: Trump Roundtable on Cybercrime Against Seniors United States President Donald Trump listens during a roundtable discussion on cybercrime in the East Room of the White House on October 21, 2026 in  ...
Trump ist wütend auf Selenskyj, weil er diesen für die hohen Treibstoffpreise verantwortlich sieht.Bild: www.imago-images.de

Streit um Geheimdiensthilfe und Starlink

In den vergangenen Tagen hatte die Ukraine den USA zudem vorgeworfen, zeitweise wichtige Geheimdienstinformationen über bevorstehende russische Raketenangriffe zurückgehalten zu haben. US-Aussenminister Marco Rubio wies diesen Vorwurf zurück. Selenskyj sagte nach den Oslo-Gesprächen, der Austausch funktioniere inzwischen wieder.

Auch beim Satellitennetzwerk Starlink gab es Spannungen. Das ukrainische Militär beklagte Geschwindigkeitsbeschränkungen, die Drohnenoperationen erschwert hätten. US-Vertreter bestreiten, eine solche Drosselung angeordnet zu haben.

Vor dem Treffen zwischen Putin und Witkoff liess Russland zudem den 74-jährigen US-Bürger Stephen Hubbard frei. Er war wegen angeblicher Kämpfe auf ukrainischer Seite zu fast sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Trump erklärte, Hubbard sei auf dem Weg nach Hause. Witkoff bezeichnete Putin wegen der Freilassung als «humanitär».

Damit gibt es derzeit gleichzeitig zwei gegensätzliche Entwicklungen: neue Raketen auf Kiew – und eine neue diplomatische Offensive der USA. Ob daraus tatsächlich ein Durchbruch entsteht, ist offen. (mke)

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