Michigan-Drama eskaliert: Stevens verliert Mitarbeiter – El-Sayed kassiert ab
Noch am Samstagabend hatte Stevens ihrer demokratischen Parteikollegin Debbie Dingell nach deren Angaben versichert, dass sie den republikanischen Senatskandidaten Mike Rogers nicht unterstützen werde. Am Sonntagmorgen folgte dann die Kehrtwende: Stevens erschien mit Rogers in einer Kirche in Detroit und stellte sich öffentlich hinter ihn.
In einem angespannten Interview mit CNN-Moderator Anderson Cooper wurde Stevens am Sonntagabend mehrfach gefragt, was sich innerhalb weniger Stunden geändert habe. Eine konkrete Erklärung lieferte sie nicht. Sie sei am Morgen «klar, frisch und fokussiert auf das, was in meinem Herzen war» aufgewacht, sagte Stevens. Auf die Frage, ob sie mit jemandem gesprochen habe oder etwas Bestimmtes passiert sei, wich sie aus.
«Nichts an mir hat sich geändert»
Stevens verwies stattdessen auf «Wut und fehlende Freundlichkeit» im Umfeld des demokratischen Senatskandidaten Abdul El-Sayed. Dieser hatte Stevens bei der Vorwahl im August knapp geschlagen. Anschliessend hatte sie ihn zunächst unterstützt.
Gleichzeitig räumte sie ein: «Ich habe meine Meinung geändert.» Ihre Entscheidung für Rogers stehe nun fest. Sie habe ihre Stimme zwar noch nicht abgegeben, sei aber «felsenfest» entschlossen, den Republikaner zu wählen. Gleichzeitig betonte Stevens, sie liebe die Demokratische Partei weiterhin.
Die Kehrtwende hat inzwischen auch personelle Folgen. Stevens' Stabschef Justin German und weitere Mitarbeiter kündigten ihren Rücktritt an. Das Team sei von der Unterstützung für Rogers «schockiert und untröstlich», erklärte German. Stevens sprach bei CNN von einer «Übergangsphase» und sagte, ihre Mitarbeiter dürften ihre eigenen Ansichten dazu äussern.
Parteikollegin spricht von «schmerzhaftem» Interview
Besonders deutlich reagierte die demokratische Abgeordnete Debbie Dingell. Sie bezeichnete Stevens' Auftritt bei CNN als eines der «schmerzhaftesten Interviews», die sie je gesehen habe, und erklärte, sie habe sich bereits während der vergangenen Woche Sorgen um ihre Parteikollegin gemacht.
Politisch könnte Stevens' Seitenwechsel allerdings einen gegenteiligen Effekt haben als beabsichtigt. El-Sayeds Kampagne teilte mit, in den Stunden nach der Rogers-Unterstützung 1,2 Millionen Dollar an Spenden eingenommen zu haben. Es war laut seinem Team der zweitbeste Spendensammeltag seit seinem Sieg gegen Stevens in der Vorwahl.
Auch unter demokratischen Wählern in Detroit löste der Entscheid Ärger aus. Mehrere von CNN befragte Frühwähler kritisierten Stevens scharf. Ein Wähler bezeichnete sie als «Wolf im Schafspelz», andere erklärten, der Schritt bestätige Zweifel, die sie bereits während der Vorwahl an Stevens gehabt hätten.
Damit ist der parteiinterne Konflikt in Michigan ausgerechnet unmittelbar vor dem Wahltag nochmals eskaliert. Stevens hatte monatelang selbst darum gekämpft, den offenen Senatssitz für die Demokraten zu gewinnen. Nun unterstützt sie ausgerechnet den republikanischen Kandidaten, der verhindern will, dass El-Sayed diesen Sitz für ihre eigene Partei holt. (mke)
