Alaska: Doppelter Sullivan laut Medienbericht von Demokraten eingefädelt
Es ist eine Geschichte, wie aus einem Politthriller. Im US-Bundesstaat Alaska kandidieren an den Zwischenwahlen in weniger als einer Woche vier Personen für den Senatssitz, zwei davon hören auf den Namen Dan Sullivan: Der Republikaner und bisherige Senator Dan S. Sullivan sowie der pensionierte Lehrer Dan J. Sullivan aus dem kleinen Ort Petersburg.
Von Anfang an warf die republikanische Partei dem Pensionär eine Scheinkandidatur im Auftrag der Demokraten vor. Einziger Zweck seiner Kandidatur: dem amtierenden Senator Stimmen zu klauen, indem verwirrte Wählerinnen und Wähler das Kreuz neben den falschen Dan Sullivan setzen.
Dan Sullivan, der pensionierte Lehrer, beteuerte stets aus eigenem Antrieb ins Senatsrennen eingestiegen zu sein. Ein Bericht der New York Times zeigt jedoch, wie das Team der demokratischen Kandidatin Mary Peltola Störkandidaten zu rekrutieren versuchte und auch tat. Der doppelte Sullivan war nicht ihr einziges Manöver.
Jerid Kurtz geht auf Reisen
Doch von Anfang. Im Zentrum der Geschichte steht ein gewisser Jerid Kurtz aus Ohio. Im Sommer 2025 stellte das nationale Wahlkampfkomitee der Demokraten für den US-Senat (DSCC) Kurtz als Spezialist für geheime Wahlkampfmanöver den führenden Mitarbeitenden Mary Peltolas vor. Wenig später erhielt eine Person in ihrem Team den Auftrag, eine Liste mit so vielen in Alaska wohnhaften Dan Sullivans, wie sie findet zu erstellen.
Anfang 2026 berichtete Kurtz der Führungsriege Peltolas, einen solchen gefunden zu haben. Dan Sullivan aus einer kleinen Ortschaft namens Petersburg stehe einer Senatskandidatur offen gegenüber, sofern dies Mary Peltola helfe.
Ende Dezember 2025 versuchte Kurtz unter falschem Namen einen weiteren republikanischen Kandidaten zu rekrutieren. Er suche unabhängige denkende Personen und stellte eine Wahlkampffinanzierung in Aussicht. Woher das Geld kommen sollte gab Kurtz nicht an. Der angefragte Mann identifizierte Kurtz später auf einem Bild, das ihm die «New York Times» zusendete.
Teile und herrsche
Obwohl sich in den Vorwahlen Alaskas beide Dan Sullivans durchsetzen konnten, währte die Freude bei Peltolas Team nur kurz. Der vierte Kandidatenplatz ging an den progressiven Demokraten David Leslie. Somit lief auch Mary Peltola Gefahr, an den Midterms Stimmen an einen Parteikollegen zu verlieren.
Leslie war umgehend mit mehreren Anrufen von Akteuren seiner Partei konfrontiert, die ihm nahelegten, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen. Einer der Anrufer soll Jerid Kurtz gewesen sein, wie Leslie in einem Interview eingestand. Nach einem angeblichen Treffen mit Kurtz zog sich der Demokrat zurück.
Der freigewordene vierte Kandidatenplatz ging somit an den Republikaner Gerald Heikes. Dieser erklärte seine Kandidatur damit, im Frühling von einem Mann aus dem Mittleren Westen der USA – zu dem auch der Bundesstaat Ohio gehört – kontaktiert worden zu sein. Die Männer telefonierten miteinander und trafen sich darauf persönlich. Nach dem Treffen entschied sich der Republikaner für den Senat zu kandidieren.
An den Namen des Unbekannten erinnerte sich Heikes nicht mehr. Einem Foto von Jerid Kurtz soll er ebenfalls nicht ähnlich sehen.
Die Pläne, dem amtierenden republikanischen Senator Dan Sullivan möglichst viele Stimmen streitig zu machen, beschränkten sich nicht auf die Suche oder Vereitelung von Störkandidaten. Selbst die Idee der Gründung einer MAGA-Partei in Alaska soll bei Peltolas Team und der DSCC zirkuliert haben. Im Mai dieses Jahres verlief sie im Sand.
Entscheidung im Gericht statt an der Urne
Dan Sullivan, der pensionierte Lehrer, wurde gleich nach Bekanntgabe seiner Kandidatur von der Republikanischen Partei denunziert. Da er erst kurz vor Fristende seine Registrierung von parteilos auf republikanisch änderte, sei er kein ernsthafter Kandidat.
Im Juni entschied das höchste Gericht Alaskas gegen seinen Wahlausschluss. Weder auf staatlicher noch US-verfassungsrechtlicher Ebene gebe es eine Grundlage dafür.
Vor weniger als einer Woche beauftragte Donald Trump das US-Justizdepartement, gegen den Bundesstaat zu klagen. Damit soll verhindert werden, dass die Wahlergebnisse bestätigt werden, sollten Dan Sullivan aufgrund Verwechslungen Stimmen fehlen.
Experten für Wahlrecht sehen den Fall kritisch. Laut Verfassung sind die jeweiligen Bundesstaaten für die Durchführung der Wahlen verantwortlich. Ausserdem soll die Klage eine Wahl anfechten, die noch gar nicht stattgefunden hat. Gewählt wird erst am 3. November.
(nil)
