Erneut Tote nach russischen Angriffen — trotzdem spricht Trump von Friedensvereinbarungen
Kremlchef Wladimir Putin ist nach Einschätzung von US-Präsident Donald Trump zu einer Vereinbarung zur Beilegung des Ukraine-Kriegs bereit. «Wir hatten ein grossartiges Gespräch. Er will eine Vereinbarung», sagte der Präsident vor seinem Abflug zu einem Parteikongress der Republikaner in Dallas auf eine entsprechende Journalistenfrage über das Telefonat mit Putin. Und wenn auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eine Vereinbarung wolle, wäre das «sehr schön».
Merz: «Keine Anzeichen für ernsthafte Gespräche»
Nach der Reise von US-Vermittlern nach Kiew und Moskau zu Gesprächen über einen Ausweg aus dem Ukraine-Krieg war aus Russland zum Telefonat mitgeteilt worden, dass Putin Trump zugesichert habe, keine «aggressiven Pläne» in Bezug auf Europa zu haben.
Der Kremlchef habe Trump zudem eine «objektive und ausführliche Analyse der Vorgänge auf dem Schlachtfeld» gegeben, sagte Putins aussenpolitischer Berater Juri Uschakow Journalisten. Putin habe dabei ausgeführt, was die USA «real für ein baldiges Ende der Kampfhandlungen tun können».
Nur kurz vor den Äusserungen des US-Präsidenten hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine gegenteilige Einschätzung abgegeben. Nach einem Gespräch mit dem EU-Ratspräsidenten António Costa in Berlin sagte er am Mittwochabend, er sehe auf russischer Seite kaum echte Bereitschaft, Verhandlungen mit der Ukraine aufzunehmen. Es gebe wenig Anzeichen dafür, dass Putin sich auf «ernsthafte Gespräche» über ein Kriegsende einlassen werde.
Mehrere Dutzend Tote nach erneuten russischen Angriffen
Russland führt seit Februar 2022 Krieg gegen den Nachbarn Ukraine. In den vergangenen Tagen hat Russland erneut ukrainische Städte angegriffen. Nach offiziellen Angaben wurden mehrere Menschen getötet und verletzt. In der Hauptstadt Kiew kam eine Frau ums Leben, als eine Kampfdrohne ein mehrstöckiges Wohngebäude traf. Drei weitere Bewohner, darunter Kinder, wurden nach Angaben des Zivilschutzes verletzt. Insgesamt seien im Tagesverlauf in Kiew 16 Menschen bei russischen Angriffen verletzt worden, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit.
In der Hafenstadt Mykolajiw wurden bei wiederholten russischen Angriffen mindestens zwei Menschen getötet, weitere zwölf Personen wurden verletzt. Bei einem russischen Luftangriff auf die Stadt Kramatorsk im Osten der Ukraine wurden mindestens neun Bewohner verletzt. Die Stadt sei von mindestens neun Gleitbomben getroffen worden, berichteten die Behörden. Auch in Sumy im Osten der Ukraine kamen drei Menschen beim Einschlag einer Drohne auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums ums Leben. 14 weitere Personen wurden verletzt, wie der amtierende Bürgermeister Artjom Kobsar auf Telegram mitteilte.
Neuer Versuch für Friedens-
verhandlungen gestartet
Washington bemüht sich seit längerem um einen Friedensschluss zwischen den beiden Kriegsparteien. Die USA hatten am Wochenende mit der Reise zweier Vermittler nach Kiew und Moskau eine neue Initiative gestartet, um zu Verhandlungen zu kommen.
An den Gesprächen in Kiew nahmen auch die aussenpolitischen Berater der Staats- und Regierungschefs von Frankreich, Grossbritannien und Deutschland teil. Die USA setzen nach Angaben aus dem französischen Präsidentenpalast auf Verhandlungen nach den Wahlen des russischen Parlaments Duma, die vom 18. bis 20. September stattfinden soll. (leh/sda/dpa)
