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Wenig Erfahrung, viel Geld: Trumps Spenderin wird Uno-Botschafterin



Die Wertschätzung des US-Präsidenten für die Uno spiegelt sich auch darin, dass er sich mit der Neubesetzung des Botschafter-Postens acht Monate Zeit liess. Nun kommt mit Kelly Craft eine Frau, die wenig Erfahrung hat, aber Millionen an Trump gespendet haben soll.

FILE - In this Sept. 26, 2017, file photo, U.S. Ambassador to Canada Kelly Knight Craft stands during her swearing in ceremony in the Indian Treaty Room in the Eisenhower Executive Office Building on the White House grounds in Washington. The Senate has confirmed Craft to become the next U.S. envoy to the United Nations. (AP Photo/Alex Brandon, File)
Kelly Knight Craft

Kelly Craft wird neue Uno-Botschafterin der USA in New York – und hat somit Einsitz im Sicherheitsrat. Bild: AP

Die diplomatische Karriere Kelly Crafts passt in wenige Zeilen. 2007 machte George Bush sie kurzzeitig zu einer stellvertretenden Delegierten bei der Uno-Generalversammlung. Danach passierte lange nichts, bis Donald Trump Präsident wurde. Für den spendeten die Unternehmensberaterin und ihr Mann – Kohle-Milliardär Joe Craft – laut «New York Times» mehr als zwei Millionen Dollar. Der «Washington Post» zufolge hatte das Paar zumindest zwischenzeitlich auch eine Gold-Mitgliedschaft in Hotels der Trump-Gruppe.

Ab 2017 dann ging es ziemlich schnell: Craft wurde Botschafterin in Kanada und startet nun als Uno-Botschafterin ihn New York, wo sie im Sicherheitsrat auf Russland und China trifft. Erwartet wird aber, dass sie die grosse Aussenpolitik den mächtigen Männern in Washington überlässt. Craft selbst sagte bei einer Senatsanhörung, sie werde ihre neue Position mit «Demut» einnehmen, sie habe «viel über die Vereinten Nationen zu lernen».

«Sie verfügt nicht über die erforderlichen Empfehlungen, Kenntnisse oder Erfahrungen, um die Interessen und Werte der USA bei den Uno wirksam zu vertreten und verteidigen»

Ohne Posten in Trumps Kabinett

Dass Trump die Stelle nach dem Ausscheiden von Crafts Vorgängerin Nikki Haley acht Monate lang unbesetzt liess, wird in New York als deutliches Zeichen für die mangelnde Wertschätzung Trumps für die Uno gewertet. Das zeigt sich auch darin, dass der 57-jährigen Craft aus Kentucky anders als Haley kein Posten in Trumps Kabinett zukommt, was sie deutlich abhängiger von der Linie von Aussenminister Mike Pompeo macht. Experten sehen das auch als Schwächung der USA im oft blockierten Uno-Sicherheitsrat.

Politisch wird Craft von Kritikern ohnehin als Leichtgewicht ohne Profil gesehen. «Sie verfügt nicht über die erforderlichen Empfehlungen, Kenntnisse oder Erfahrungen, um die Interessen und Werte der USA bei den Uno wirksam zu vertreten und verteidigen», heisst es in einem Bericht von den Demokraten im Auswärtigen Ausschuss des Senats. Ihre einzige Qualifikation für den Job scheine das Geld zu sein, das sie und ihr Mann an Trump gespendet hätten. Der Senat hatte Crafts Nominierung mit den Stimmen der Republikaner bestätigt.

Umstrittene Aussage zum Klima

Im Fokus stand zuletzt auch ihre Position beim Thema Klima, denn zu Beginn ihrer Amtszeit in Kanada sorgte Craft mit der Aussage für Aufsehen, «beide Positionen» der Wissenschaft zum Klimawandel zu verstehen. Dazu muss man wissen, dass ihr Mann als Kohle-Magnat übereinstimmenden Medienberichten zufolge deutlichen Einfluss auf die umstrittene Klimapolitik der Trump-Regierung hat. Kelly Craft erkannte inzwischen an, dass sich das Klima wandelt.

Auch einige Diplomaten schätzen Craft nicht als sonderlich starke Neubesetzung ein – vor allem im Vergleich mit Haley, die gerade anfangs grosse Freiheiten genoss und Teile der aussenpolitischen Positionen Washingtons im Alleingang besetzte. Und trotzdem brauchen sie Craft: «Sie mag nicht perfekt sein, aber die Botschafter aus Europa und von anderen Schlüsselverbündeten können ihren Start bei den Vereinten Nationen kaum erwarten», erklärt Richard Gowan, Uno-Experte des Think Tanks Crisis Group.

Warmherzig und ausgleichend

Denn die US-Mission gilt Gowan zufolge seit dem Abgang Haleys als kopflos und befremdete manchmal auch die eigenen Verbündeten. Craft, so die Hoffnung, soll die USA zumindest organisatorisch auf Linie bringen. Mehr noch: Ihr Ruf als «anständige Person» lässt Diplomaten hoffen, dass man mit ihr pragmatisch arbeiten kann.

«Und wenn es nicht gut ausgeht, dann wird er sie dafür verantwortlich machen, auch wenn sie nichts dafür kann.»

Menschen, die die mehrfache Mutter kennen, beschreiben sie als warmherzige Frau mit exzellenten sozialen Fähigkeiten. Diese habe sie als Botschafterin in Kanada auch bei der schwierigen Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta ausgespielt. Wenn es ganz zäh wurde zwischen US-amerikanischen und kanadischen Verhandlern, habe sie für Entkrampfung und Ausgleich gesorgt. Und so am Ende zu einem Erfolg der Gespräche beigetragen.

Erste Bewährungsprobe in zwei Wochen

Dabei bleibt die Frage, welche Themen Craft überhaupt für sich besetzen kann, wenn Washington die grossen Weichenstellungen vornimmt. «Es ist unwahrscheinlich, dass Craft eine grosse Rolle bezüglich des Irans, Jared Kushners Nahostplan oder Nordkoreas haben wird», sagt Experte Gowan. Übrig blieben dann die aus Sicht Washingtons zweitrangigen Konflikte, zum Beispiel im Jemen, dem Sudan oder im Kongo. Auch wird spekuliert, dass Craft sich auf humanitäre Hilfe in Krisen fokussieren könnte. Ein Feld, in dem es wenig Konfliktpotenzial mit der Trump-Administration geben dürfte.

Crafts erste Bewährungsprobe wartet schon in zwei Wochen, wenn sich die politische Elite zur Uno-Generalversammlung in New York trifft. Denn die Aufmerksamkeit dort mag Donald Trump viel lieber als die Organisation selbst, sagt Experte Gowan. Und Craft soll ihm die Bühne bereiten. «Und wenn es nicht gut ausgeht, dann wird er sie dafür verantwortlich machen, auch wenn sie nichts dafür kann.» (mim/sda/dpa)

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9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • homo sapiens melior 11.09.2019 10:11
    Highlight Highlight "Erkannte an, dass sich das Klima wandelt." Wahnsinns-Formulierung. Wie wärs damit: "Erkannte an, dass die Sonne im Osten aufgeht."
  • Cotten91 11.09.2019 09:58
    Highlight Highlight Korruption auf höchster Ebene, gewisse haben sich früher einen Job "erschlafen", heute "spendet" man für den Job.
  • wasps 11.09.2019 09:27
    Highlight Highlight Immerhin spricht sie von Demut. Was vielen Politikern abgeht und gut tun würde.
    • Crissie 11.09.2019 17:31
      Highlight Highlight Von Demut sprechen heisst noch lange nicht, sie auch zu empfinden. Dieser Begriff tönt in Trumps Umfeld mehr als exotisch...i
  • Yolo 11.09.2019 08:30
    Highlight Highlight Bei dem Personalverschleiss muss man nehmen was man kriegt.
  • Spooky 11.09.2019 07:41
    Highlight Highlight So ein Pöstchen kriegt man nur mit einem guten Götti,
    egal in welchem Land.
  • marcog 11.09.2019 07:07
    Highlight Highlight Swamp the drain!
  • who cares? 11.09.2019 06:38
    Highlight Highlight Nicht nur eine Eigenheit von Trump, fragwürdig ist die US-Diplomatie generell. Wie kommt man in Botschafterpositionen? Entweder man macht beim sehr sehr selektiven Auswahlverfahren mit, durchläuft die Ausbildung und arbeitet sich zum Botschafter auf oder man hat Geld, von den man grosszügig gespendet hat.

    Immerhin war sie bei der Verhandlung des Freihandelsabkommen dabei. Mehr als ein nettes Gesicht wird sie nicht sein, aber wenigstens kein Störenfried auf Anti-UNO-Mission.
  • Miimiip! aka Roadrunn_er 11.09.2019 06:36
    Highlight Highlight Man kann’s eigentlich so umschreiben, ich Kauf mir einen Job in der Regierung Trump😳

Ulrich Tilgner: «Die Amerikaner schiessen im Nahen Osten gerade Eigentor um Eigentor»

Er hielt in Bagdad selbst die Stellung, als Raketen einschlugen: Der frühere TV-Starkorrespondent Ulrich Tilgner (71) sagt im grossen Interview, warum die nächtlichen Angriffe der Iraner erst Vorgeplänkel sind, wieso Trump im Irak die Felle davonschwimmen und wann der Iran tatsächlich angreifen wird.

Er weiss aus erster Hand, was Krieg wirklich bedeutet: Über 30 Jahre lang berichtete Ulrich Tilgner (71) aus dem Nahen Osten. Und erarbeitete sich nicht zuletzt mit geschichtsträchtigen Live-Einschaltungen aus Bagdad einen Kultstatus. Das Schweizer Fernsehen drehte sogar eine Doku über den einst wohl bekanntesten Korrespondenten im deutschsprachigen Raum. «Unser Mann im Irak», hiess der SRF-Film.

Diese Zeiten sind vorbei. Tilgner ist seit 2015 pensioniert und hat sich weitgehend aus der …

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