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US-Wahlen 2020: Welche Indizien wir zur Wahlnacht kennen sollten

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Wähler auf dem Weg zum Wahllokal. Die Wahlbeteiligung ist hoch, der Ausgang der Wahl offen. Bild: keystone

Welche Indizien können uns in der Wahlnacht sagen, wer obenaus schwingt?

03.11.2020, 15:3203.11.2020, 15:32

Es wird höchstwahrscheinlich eine Weile dauern, bis wir das definitive Ergebnis dieser Präsidentschaftswahlen kennen. Aufgrund der Corona-Pandemie haben so viele Amerikaner wie noch nie ihre Stimme per Post abgegeben; deren Auszählung beginnt in einzelnen Bundesstaaten erst am Wahltag.

Die ersten Resultate, die in den Livetickern vermeldet werden, müssen daher mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden. Allerdings gibt es durchaus mögliche Ergebnisse, die entscheidend sein können. Hier eine kleine Übersicht zur Aussagekraft verschiedener Resultate bzw. Ereignisse:

• Wenig aussagekräftige Indizien:

Zwischenstand der Stimmen

In vielen Staaten werden zuerst die Stimmen ausgezählt, die direkt in den Wahllokalen abgegeben wurden. Erst danach folgen die Stimmen der Briefwahl. Einige Staaten akzeptieren überdies auch Stimmen, die erst Tage nach dem Wahltag eintreffen, sofern sie nicht später als an diesem abgestempelt wurden. Da viel mehr Demokraten als Republikaner brieflich abstimmen, werden die ersten Ergebnisse oft deutlich zugunsten von Trump lauten. Der Zwischenstand der Stimmen kann also – sowohl in einzelnen Staaten wie landesweit – trügerisch sein.

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Die Briefwahl ist bei diesen US-Wahlen wichtiger als je zuvor. Bild: keystone

Zwischenstand der Elektoren

In 17 US-Staaten erwartet man bereits während der Wahlnacht definitive Ergebnisse. Diese Staaten stellen zusammen 126 Elektoren – insgesamt sind es 538 Wahlmänner, die den Präsidenten wählen. Bei 96 dieser 126 Wahlleute steht bereits jetzt so gut wie sicher fest, ob sie an die Demokraten oder an die Republikaner gehen: 66 gehen an Trump, 30 an Biden. Dies ist jedoch lediglich ein wenig aussagekräftiger Zwischenstand.

• Aussagekräftige Indizien:

Unerwartete Resultate

Sollte es in den 17 Staaten, in denen früh definitive Ergebnisse erwartet werden, zu grossen Überraschungen kommen, ist das womöglich ein Hinweis auf einen Trend. Falls Trump beispielsweise New Hampshire gewinnen könnte oder Biden in Delaware dicht auf den Fersen wäre, dürfte dies ein Indiz dafür sein, dass er überall mehr Stimmen holt als erwartet. Hingegen wäre ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Biden und Trump oder gar ein Sieg Bidens in einem Staat wie South Carolina, Alabama oder Montana ein deutliches Zeichen dafür, dass Trump chancenlos ist.

Biden-Sieg in Florida

Biden hat es selbst gesagt: «If Florida goes blue, it’s over.» Wenn es ihm gelingt, in diesem wichtigen Swing State mit 29 Elektoren einen klaren Sieg einzufahren, ist das Rennen tatsächlich so gut wie gelaufen. Während Biden den Sunshine State nicht unbedingt für einen Sieg benötigt, sieht es bei Trump anders aus – ohne Florida sind seine Aussichten äusserst düster. Ein demokratischer Sieg in Florida wäre also ein aussagekräftiges Ergebnis, das den Ausgang der Wahl schon fast vorwegnehmen würde. Florida liegt im Osten der USA, wo die Wahllokale entsprechend der Zeitzone früher schliessen, zudem erlaubt der Bundesstaat die Auszählung von Briefstimmen bereits vor dem Wahltag. Die Ergebnisse dürften in Florida also relativ früh vorliegen.

Democratic presidential candidate and former Vice President Joe Biden speaks during a drive-in rally outside of Heinz Field on Pittsburgh's North Shore, Monday, Nov. 2, 2020. (Alexandra Wimley/Pi ...
Biden liegt bei den Umfragen in Florida vorn. Falls es ihm gelingt, diesen wichtigen Bundesstaat zu gewinnen, sinken Trumps Chancen nahezu gegen null.Bild: keystone

Trump ruft sich zum Gewinner aus

Da die ersten Ergebnisse wie erwähnt eher zugunsten der Republikaner lauten werden, könnte Trump sich frühzeitig selbst zum Gewinner erklären. Dies in der Absicht, die später ausgezählten Stimmen aus der Briefwahl, die eher Biden zugute kommen, als illegitim erscheinen zu lassen. Dieses Vorgehen könnte zu juristischen Auseinandersetzungen führen, die am Ende der Oberste Gerichtshof entscheiden müsste. Eine verfrühte Siegeserklärung von Trump wäre daher noch keine Entscheidung.

(dhr)

Kurz erklärt: So funktionieren die US-Wahlen

Video: watson
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