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Lindsay Clancy: Prozess um Tod dreier Kinder in USA endet ohne Urteil

Fall Lindsay Clancy: Prozess um Tod dreier Kinder in USA endet vorerst ohne Urteil

Eine Mutter räumt ein, ihre Kinder getötet zu haben und wäre laut Berichten trotzdem fast freigesprochen worden. Ein einzelner Geschworener soll ein einstimmiges Urteil verhindert haben.
04.09.2026, 22:0204.09.2026, 22:02

Im aufsehenerregenden Prozess gegen eine Mutter wegen der Tötung ihrer drei kleinen Kinder ist das Verfahren vorerst gescheitert. Das erklärte Richter William Sullivan im US-Bundesstaat Massachusetts. Als Grund nannte er die festgefahrene Position der Jury. Die zwölf Geschworenen konnten sich auch am siebten Beratungstag nicht auf ein einstimmiges Urteil einigen.

Defendant Lindsay Clancy and attorney Kevin Reddington listen to Judge William Sullivan declare a mistrial in Clancy's murder trial on Friday, Sept. 4, 2026, in Plymouth, Mass. (Greg Derr/The Pat ...
Die Angeklagte Lindsay Clancy und ihr Anwalt Kevin Reddington.Bild: keystone

Im US-Strafprozess ist für ein Urteil der Jury Einstimmigkeit nötig. Kann sie diese dauerhaft nicht erreichen, kann der Richter einen sogenannten Mistrial erklären. Damit gibt es weder eine Verurteilung noch einen Freispruch; der Prozess endet ohne Urteil. Die Staatsanwaltschaft kann aber grundsätzlich entscheiden, die Frau erneut vor Gericht zu stellen.

Schuldfähig oder nicht?

Der Prozess hatte über Wochen grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen und eine teils erbitterte öffentliche Debatte ausgelöst. Die 36-jährige Lindsay Clancy bestreitet nicht, ihre fünfjährige Tochter Cora, ihren dreijährigen Sohn Dawson und ihren acht Monate alten Sohn Callan im Januar 2023 im Haus der Familie getötet zu haben. Im Zentrum des Prozesses stand die Frage, ob sie dafür strafrechtlich verantwortlich war. Dabei rückte auch die psychische Gesundheit von Müttern nach einer Geburt in den Fokus.

Die Verteidigung um ihren Anwalt Kevin Reddington argumentierte, Clancy habe unter einer schweren postpartalen Psychose gelitten, einer seltenen Erkrankung, die nach einer Geburt auftreten und mit Wahnvorstellungen oder einem Verlust des Realitätsbezugs einhergehen kann. Nach der Tötung ihrer Kinder hatte die Angeklagte versucht, sich das Leben zu nehmen.

Die Staatsanwaltschaft hielt dagegen, die Mutter habe gewusst, was sie tat, und die Tötungen geplant. Nach dem gescheiterten Prozess muss die Staatsanwaltschaft nun entscheiden, wie sie weiter vorgeht: Sie kann die 36-Jährige erneut vor Gericht stellen, die Anklage fallenlassen oder versuchen, mit der Verteidigung eine Einigung über ein Schuldbekenntnis auszuhandeln.

Einzelner Geschworener wohl gegen Freispruch

Der formellen Entscheidung war ein ungewöhnlicher Streit um einen einzelnen Geschworenen vorausgegangen. Die Vorsitzende der Jury hatte dem Richter US-Medienberichten zufolge mitgeteilt, elf Geschworene seien bereit gewesen, die Angeklagte freizusprechen, während ein einzelner Geschworener dies blockierte. Offiziell bestätigt wurde diese Stimmverteilung nicht.

Anwalt Kevin Reddington verlangte deshalb, den betreffenden Geschworenen auszuschliessen und durch einen Ersatzjuror zu ersetzen. Sullivan lehnte das ab. Ein Richter dürfe einen Juror unter anderem nicht allein wegen seiner Haltung entfernen. (dpa) (schweizheute.ch)

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