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Der Druck wurde zu gross: Premier Keir Starmer kündigt Rücktritt an

Hier verkündet ein emotionaler Keir Starmer seinen Rücktritt.Video: watson/nina bürge

Der Druck wurde zu gross: Premierminister Keir Starmer kündigt Rücktritt an

22.06.2026, 10:2622.06.2026, 15:01

Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt angekündigt. Er gebe den Posten als Chef der Labour-Partei ab, sagte der 63-Jährige in einer Ansprache vor dem Regierungssitz 10 Downing Street. Bis ein Nachfolger gewählt ist, werde er als Regierungschef noch im Amt bleiben. In Andy Burnham steht ein Nachfolger bereit – der frühere Bürgermeister von Greater Manchester kündigte praktisch unmittelbar nach Starmers Bekanntgabe seine Kandidatur an.

epa13055937 British Prime Minister Keir Starmer makes a statement in Downing Street, London, Britain, 22 June 2026. Keir Starmer has resigned as UK Prime Minister. EPA/TOLGA AKMEN
Grosses Medieninteresse bei Starmers Ansprache.Bild: keystone

«Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen», sagte Starmer. Seine Partei habe gesprochen und dem wolle er Gehör schenken: «Aus diesem Grund werde ich als Parteichef der Labour-Partei zurücktreten.» Das Amt des Premiers ist nach der ungeschriebenen britischen Verfassung an die Position des Chefs der Regierungspartei gebunden. Er werde sich jetzt Zeit nehmen für seine Familie, sagte Starmer mit brüchiger Stimme und umarmte kurz darauf seine Frau Victoria, die mit ihm vor den Regierungssitz getreten war.

Burnham hatte vor wenigen Tagen durch den Sieg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield einen Parlamentssitz errungen - die Voraussetzung, um den Premier herausfordern zu können. Hätte Starmer versucht, weiter an seinem Amt festzuhalten, hätte Burnham ihn in eine langwierige Führungswahl mit lähmendem, parteiinternem Wahlkampf gezwungen. Ein weiterer potenzieller Herausforderer, der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting, sicherte Burnham seine Unterstützung zu.

Britain's Labour party candidate Andy Burnham speaks to supporters after the Makerfield by-election in Ashton in Makerfield, England, Friday, June 19, 2026.(AP Photo/Jon Super)
APTOPIX Britain Pi ...
Könnte Keir Starmer beerben: Andy Burnham.Bild: keystone

Rücktrittsforderungen seit Monaten

Starmer durchlebt angesichts miserabler Umfragewerte seit Monaten eine schwere Krise. In seiner Fraktion steht er schon länger massiv unter Druck, zuletzt kehrten ihm auch immer mehr Kabinettsmitglieder den Rücken. Mehrere Minister traten zurück. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine schwere Niederlage für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai, bei der die Rechtspopulisten von Reform UK etliche Mandate gewannen.

Britain's Prime Minister Keir Starmer and wife Victoria step out to speak to the media outside 10 Downing Street in London, Monday, June 22, 2026.(AP Photo/Kin Cheung)
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Begleitet von Ehefrau Victoria wendet sich Keir Starmer an die Öffentlichkeit an der Downing Street.Bild: keystone

Bereits unmittelbar im Anschluss an diese Wahlniederlage war Starmer von zahlreichen Labour-Abgeordneten zum Rücktritt aufgefordert worden - doch der Premier hielt mit Verweis auf seinen Wahlsieg von 2024 lange an seinem Amt fest. Auch kurz vor und nach der Makerfield-Nachwahl hatte sich Starmer noch kämpferisch gegeben und angekündigt, sich in jedem Fall einer Führungswahl stellen zu wollen. Während des Wochenendes, das er auf seinem Landsitz Chequers verbrachte, änderte er aber seine Meinung.

Starmer habe dem Land einen «gewaltigen Dienst» erwiesen, sagte Burnham bei der Ankündigung seiner Kandidatur. Die Priorität müsse nun sein, das Land voranzubringen. «Die Menschen wollen Fortschritt beim Wirtschaftswachstum, den Lebenshaltungskosten, staatlichen Leistungen, Wohnungen und den Chancen für die kommende Generation sehen», sagte der 56-Jährige.

Sollte er der einzige Kandidat für den Labour-Vorsitz bleiben, werde die Übergabe der Amtsgeschäfte als Parteichef bis etwa zum 18. Juli abgeschlossen sein können, meldete die Nachrichtenagentur PA. Die formelle Ernennung zum Premier muss durch König Charles III. erfolgen.

Burnham war in seiner Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester zum charismatischen Liebling des moderat-linken Parteiflügels geworden. Britische Medien bezeichnen ihn in Anspielung an die Fantasy-Serie «Game of Thrones» als «König des Nordens». Seit langem wird er als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Starmers gehandelt. Ohne Parlamentsmandat waren ihm aber die Hände gebunden - einen früheren Versuch, nach Westminster zurückzukehren, hatte die Labour-Führung im Februar noch verhindert.

Starmers Weg durch die Krisen

Dabei war der Druck auf Starmer, seinen Rücktritt zu verkünden, bereits zu Jahresbeginn extrem hoch. Da ging es in erster Linie um die Berufung von Peter Mandelson zum britischen Botschafter in den USA Anfang 2025. Zuvor waren immer mehr Details zu Mandelsons enger Freundschaft zum verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein an die Öffentlichkeit gelangt. Die entscheidende Frage war, wie viel Starmer vor der Berufung davon wusste. Der Premier wies jegliche Vorwürfe zurück.

Starmer und seine Partei hatten im Sommer 2024 einen grossen Wahlsieg errungen und waren mit einer satten Mehrheit im Unterhaus des Parlaments in die Legislaturperiode gegangen. Wirklich nutzen konnte Starmer dies aber nie. Etliche Gesetzesvorhaben waren am Widerstand in den eigenen Reihen gescheitert. Zudem liegt die Regierungspartei bereits seit Monaten in Umfragen hinter den Rechtspopulisten von Reform UK, die nun erneut vom Chaos in der Downing Street profitieren könnten.

Britain's Prime Minister Keir Starmer speaks to the media outside 10 Downing Street in London, Monday, June 22, 2026(AP Photo/Kin Cheung)
Britain Politics
Zeigte sich am Montag emotional: Keir Starmer.Bild: keystone

Die Briten sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Starmers wird bereits die siebte Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein. (sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Nordkantonler
22.06.2026 10:43registriert September 2020
10 Downing Street sollte eine Drehtür bekommen...
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P. Etter
22.06.2026 10:55registriert Dezember 2021
Statt das Europa endlich merkt, dass Ruhe einkehren soll, bemämgeln wir unsere eigene Führung am Laufmeter.
Natürlich auch oft gerechtfertigt.

Aber am Ende sollte endlich mal jemand an der Spitze sein, der gegenüber den Mächten mit Rückgrat auftritt, den Karren aus dem Dreck zieht und auch dem eigenen Land mal einen Tritt in den Allerwertesten gibt, statt alles schönzureden.
Und dann kehr auch wieder Ruhe ein in der Politik.
Das ganze hin und her ist nicht gut für Europa.
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Snowy
22.06.2026 10:54registriert April 2016
In Grossbritanien läuft gerade wirklich alles schief, was schieflaufen kann:

- Brexit
- Migration komplett aus dem Ruder gelaufen (Nein, nicht erst seit dem Brexit)
- Wegzug oder Schrumpfung der Wirtschaft: Das Mutterland England hat aktull die Wirtschaftsleistung von Mississippi - dem ärmsten Staat der USA (von 50....!).
- Gruppenvergewaltigungen von grooming gangs sind mittlerweile an der Tagesordnung
- Populistische Politiker werden durch noch populistischere Politiker abgelöst

Letzteres wird auch der Grund sein, warum die Talsohle noch nicht erreicht ist.
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Die rechte EU-Parlamentsfraktion «Patrioten für Europa» (PfE) soll nach den Ergebnissen einer internen Prüfung der Parlamentsverwaltung EU-Mittel illegal verwendet haben. Es geht um rund 277'000 Euro (ca. 255'000 Franken) in der zweiten Hälfte des Jahres 2024.
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