Er will Keir Starmer stürzen, doch zuerst muss er gewählt werden
Andy Burnham ist Bürgermeister von Greater Manchester, der beliebteste Politiker des Landes und Hoffnungsträger vieler Labour-Abgeordneter. Nun möchte der «König des Nordens» Keir Starmer als Premierminister ablösen. Was du über diese Wahl wissen musst.
Warum wird gewählt?
Bei der Wahl in Makerfield handelt es sich um eine Nachwahl. Denn damit Burnham Starmer als Premierminister ablösen kann, braucht er einen Sitz im britischen Unterhaus. Um ihm diesen zu ermöglichen, gab Josh Simmons, bisheriger Labour-Abgeordneter von Makerfield, vor rund einem Monat seinen Rücktritt bekannt, wie er der BBC erzählte. «Labour muss sich verändern und die ganze Regierung muss sich verändern.»
Wenige britische Premierminister waren unbeliebter als Keir Starmer, schreibt die New York Times. Die Menschen ärgern sich über die Wirtschaft, den Service Public, Steuern und Migration. Einige dieser Themen konnte Starmer angehen. Die Umfragen zeigen jedoch auch, dass viele einfach eine tief sitzende Abneigung gegen ihn als Person fühlen. Ein Teil der Labour-Partei wünscht sich einen charismatischeren Regierungschef – wie etwa den beliebtesten Politiker Grossbritanniens, Andy Burnham.
Wer ist Andy Burnham?
Bekanntheit erlangte der Politiker 2008 als Kultur- und Gesundheitsminister in der Regierung unter Gordon Brown. Nach mehreren Jahren im Unterhaus folgte dann der Wechsel in die Lokalpolitik. 2017 wurde Burnham zum Bürgermeister gewählt und machte Manchester zu einer der dynamischsten Städte des Landes, wie SRF schreibt.
In Manchester konnte Burnham vor allem mit seiner Sozialpolitik Erfolge einfahren. Er reduzierte die Obdachlosigkeit, liess neue Sozialwohnungen bauen und förderte die Berufslehre. Seine grösste Errungenschaft: der öffentliche Verkehr. Burnham verstaatlichte die Stadtbusse, baute das Busnetz aus und deckelte die Ticketpreise.
Wie der Guardian schreibt, möchte Burnham auch auf nationaler Ebene den Service Public stärken. Die Grundversorgung soll der Öffentlichkeit zugutekommen und nicht von privaten Interessen gelenkt sein. Eine Verstaatlichung der Wasser- und Stromversorgung könnte gemäss «Guardian» jedoch Milliarden kosten.
Andy Burnham gilt als charismatisch und pflegt sein Profil als Aussenseiter. Er gibt sich als jemand, der die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung versteht und Klartext redet. Nach 2015 und 2020 ist dies Burnhams dritter Anlauf auf die Labour-Parteispitze. Doch zuerst muss er ins Parlament gewählt werden und die Wahl in Makerfield gewinnen.
Wie stehen Burnhams Chancen?
Bei den Lokalwahlen im Mai gingen 24 der 25 offenen Sitze in der Region an die rechtspopulistische Reform UK. Deren Kandidat, Robert Kenyon, gilt als Andy Burnhams stärkster Gegner, schreibt der Tages-Anzeiger.
Die Kandidatin der neuen ultrarechten Partei Restore Britain, Rebecca Shepherd, könnte jedoch Labour zum Sieg verhelfen, indem sie Kenyon Stimmen wegnimmt. Gemäss Umfragen von letzter Woche liegt Burnham (Labour) bei 45 Prozent, Kenyon (Reform U.K.) bei 40 Prozent und Shepherd (Restore Britain) bei acht Prozent.
Was bedeutet das für Keir Starmer?
Andy Burnham gab gegenüber der BBC bereits bekannt, dass er bei einer Neuwahl um den Parteivorsitz sicher mitmachen würde. Doch auch andere Labour-Politiker werden als mögliche Herausforderer gehandelt. Nach den schlechten Wahlergebnissen in den Lokalwahlen vor einem Monat wurden Rücktrittsforderungen von Vertretern des linken Parteiflügels an Premierminister Keir Starmer gestellt. Dieser möchte jedoch im Amt bleiben, auch wenn Burnham am Donnerstag gewählt wird. «Ich möchte, dass er eine grosse Rolle in der Regierung spielt», sagte Keir Starmer zu Sky über eine mögliche Wahl Burnhams.
Sollte Starmer nicht selbst seinen Rücktritt ankündigen, dürfte es zu einem Sturzversuch in der Fraktion kommen. Wie die «New York Times» schreibt, könnte bereits im September an der Jahresversammlung ein neuer Labour-Parteivorsitz gewählt werden und damit auch ein neuer Premierminister. Ob dieser Andy Burnham heissen könnte, wird sich in der Nacht auf Freitag zeigen.
