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Tritt er zurück? Keir Starmer spricht in Kürze zu den Medien

Hier verkündet ein emotionaler Keir Starmer seinen Rücktritt.Video: watson/nina bürge

Der Druck wurde zu gross: Premierminister Keir Starmer kündigt Rücktritt an

22.06.2026, 10:2622.06.2026, 11:26

Der britische Premierminister Keir Starmer hat seinen Rücktritt angekündigt. Er gebe den Posten als Chef der Labour-Partei ab, sagte der 63-Jährige in einer Ansprache vor dem Regierungssitz 10 Downing Street. Bis ein Nachfolger gewählt sei, werde er als Regierungschef noch im Amt bleiben, so Starmer weiter.

epa13055937 British Prime Minister Keir Starmer makes a statement in Downing Street, London, Britain, 22 June 2026. Keir Starmer has resigned as UK Prime Minister. EPA/TOLGA AKMEN
Grosses Medieninteresse bei Starmers Ansprache.Bild: keystone

Starmer beugt sich damit dem seit Wochen steigenden Druck aus seiner Partei. Mit Andy Burnham steht bereits ein potenzieller Nachfolger in den Startlöchern. Der 56-Jährige hätte Starmer Berichten zufolge in eine Führungswahl gezwungen, wäre der Premier zu einer anderen Entscheidung gekommen.

Starmer verabschiedet sich mit brüchiger Stimme

«Bei jeder Entscheidung, die ich getroffen habe, ging es darum, das Land, das ich liebe, an die erste Stelle zu setzen», sagte Starmer. Seine Partei habe gesprochen und dem wolle er Gehör schenken: «Aus diesem Grund werde ich als Parteichef der Labour-Partei zurücktreten.» Er werde sich jetzt Zeit nehmen für seine Familie, sagte Starmer mit brüchiger Stimme und umarmte kurz darauf seine Frau Victoria, die mit ihm vor die 10 Downing Street getreten war.

Britain's Prime Minister Keir Starmer and wife Victoria step out to speak to the media outside 10 Downing Street in London, Monday, June 22, 2026.(AP Photo/Kin Cheung)
Britain Politics
Begleitet von Ehefrau Victoria wendet sich Keir Starmer an die Öffentlichkeit an der Downing Street.Bild: keystone

Burnham hatte vor wenigen Tagen durch den Sieg bei der Nachwahl im Bezirk Makerfield einen Parlamentssitz errungen - die Voraussetzung, um den Premier herausfordern zu können. Ob sich ein weiterer Kandidat für Starmers Nachfolge an der Labour-Spitze aus der Deckung wagt, ist noch offen. Ambitionen hatte zuletzt der als Gesundheitsminister zurückgetretene Wes Streeting gezeigt. Erwartet wird jedoch, dass er sich hinter Burnham einreiht und dafür mit einem Kabinettsposten belohnt wird.

Rücktrittsforderungen seit Monaten

Starmer durchlebt angesichts miserabler Umfragewerte seit Monaten eine schwere Krise. In seiner Fraktion steht er schon länger massiv unter Druck, zuletzt kehrten ihm auch immer mehr Kabinettsmitglieder den Rücken. Mehrere Minister traten zurück. Auslöser der jüngsten Zuspitzung war eine schwere Niederlage für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales im Mai zugunsten der Rechtspopulisten von Reform UK.

Bereits unmittelbar im Anschluss der Wahlschlappe war Starmer von etlichen Abgeordneten zum Rücktritt aufgefordert worden - doch der Premier hielt mit Verweis auf seinen Wahlsieg von 2024 lange an seinem Amt fest. Auch kurz vor und nach der Makerfield-Wahl hatte sich Starmer noch kämpferisch gegeben und angekündigt, sich in jedem Fall einer Führungswahl stellen zu wollen. Während des Wochenendes auf seinem Landsitz Chequers änderte Starmer seine Meinung.

Starmer hangelte sich zuletzt von einer Krise zur nächsten. Zu Beginn des Jahres hing sein Posten schon einmal am seidenen Faden. Da ging es in erster Linie um die Berufung des Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Botschafter in den USA. Dabei stand im Fokus, wie viel Starmer von dessen Verbindungen mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wusste.

Britain's Prime Minister Keir Starmer speaks to the media outside 10 Downing Street in London, Monday, June 22, 2026(AP Photo/Kin Cheung)
Britain Politics
Zeigte sich am Montag emotional: Keir Starmer.Bild: keystone

Ob Starmer noch Zeit bleibt, an seinem Vermächtnis zu arbeiten, war zunächst unklar. Burnham sollte noch am Montag als Abgeordneter vereidigt werden. Selbst diejenigen, die inzwischen von ihm abgerückt sind, lobten Starmer zuletzt dafür, Labour vor zwei Jahren aus seiner tiefsten Krise geführt zu haben.

Wie geht es weiter bei Labour?

Der für Labour jetzt einfachste Weg wäre, wenn ausschliesslich Burnham seine Ambitionen auf die Parteiführung verkünden würde - und nicht noch ein anderer Kandidat wie Streeting. Britische Medien bezeichneten diese Option als eine Art Krönung. Zwar gäbe es auch in diesem Fall eine Führungswahl bei Labour, diese müsste aber nicht in einem langwierigen Verfahren von der Parteibasis entschieden werden.

Britain's Labour party candidate Andy Burnham speaks to supporters after the Makerfield by-election in Ashton in Makerfield, England, Friday, June 19, 2026.(AP Photo/Jon Super)
APTOPIX Britain Pi ...
Könnte Keir Starmer beerben: Andy Burnham.Bild: keystone

Burnham war in seiner Zeit als Bürgermeister von Greater Manchester zum charismatischen Liebling des moderat-linken Parteiflügels geworden. Britische Medien bezeichnen ihn in Anspielung an die Fantasy-Serie «Game of Thrones» als «König des Nordens». Seit Langem wird er als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Starmers gehandelt. Ohne Parlamentsmandat waren ihm aber die Hände gebunden - einen früheren Versuch, nach Westminster zurückzukehren, hatte die Labour-Führung im Februar noch verhindert.

Vom grossen Sieger zum grossen Verlierer

Der Premier und seine Partei hatten im Sommer 2024 einen grossen Wahlsieg errungen und waren mit einer satten Mehrheit im Unterhaus des Parlaments in die Legislaturperiode gegangen. Wirklich nutzen konnte Starmer dies aber nie. Etliche Gesetzesvorhaben waren am Widerstand in den eigenen Reihen gescheitert. Zudem liegt die Regierungspartei bereits seit Monaten in Umfragen hinter den Rechtspopulisten von Reform UK, die nun erneut vom Chaos in der Downing Street profitieren könnten.

Die Briten sind es seit dem Brexit-Referendum vor zehn Jahren gewohnt, dass sich die Regierungschefs die Klinke in die Hand geben. Die Nachfolgerin oder der Nachfolger Starmers wird bereits die siebte Person auf dem Posten innerhalb der vergangenen zehn Jahre sein. (sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Nordkantonler
22.06.2026 10:43registriert September 2020
10 Downing Street sollte eine Drehtür bekommen...
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Snowy
22.06.2026 10:54registriert April 2016
In Grossbritanien läuft gerade wirklich alles schief, was schieflaufen kann:

- Brexit
- Migration komplett aus dem Ruder gelaufen (Nein, nicht erst seit dem Brexit)
- Wegzug oder Schrumpfung der Wirtschaft: Das Mutterland England hat aktull die Wirtschaftsleistung von Mississippi - dem ärmsten Staat der USA (von 50....!).
- Gruppenvergewaltigungen von grooming gangs sind mittlerweile an der Tagesordnung
- Populistische Politiker werden durch noch populistischere Politiker abgelöst

Letzteres wird auch der Grund sein, warum die Talsohle noch nicht erreicht ist.
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P. Etter
22.06.2026 10:55registriert Dezember 2021
Statt das Europa endlich merkt, dass Ruhe einkehren soll, bemämgeln wir unsere eigene Führung am Laufmeter.
Natürlich auch oft gerechtfertigt.

Aber am Ende sollte endlich mal jemand an der Spitze sein, der gegenüber den Mächten mit Rückgrat auftritt, den Karren aus dem Dreck zieht und auch dem eigenen Land mal einen Tritt in den Allerwertesten gibt, statt alles schönzureden.
Und dann kehr auch wieder Ruhe ein in der Politik.
Das ganze hin und her ist nicht gut für Europa.
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