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FCAS: Deutsch-französisches Kampfjet-Projekt gescheitert

Nach jahrelangen Vorbereitungen: Deutsch-französisches Kampfjet-Projekt gescheitert

08.06.2026, 17:1708.06.2026, 21:07

Nach langen Querelen ist das milliardenschwere Rüstungsprojekt eines deutsch-französischen Kampfjets gescheitert. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron seien zu der gemeinsamen Einschätzung gekommen, dass die Unternehmen Dassault und Airbus bei dem Projekt nicht zusammenfinden, hiess es aus deutschen Regierungskreisen. «Diese Realität erkennen sie an.»

Merz habe Macron daher nahegelegt, den Bau eines gemeinsamen Kampfflugzeuges nicht weiterzufolgen. Aus dem Élysée-Palast hiess es, beide bedauerten, dass es den Industrieunternehmen nicht gelungen sei, sich über die Fortsetzung des Projekts zu einigen. Frankreich bleibe der Ansicht, dass die deutsch-französische Zusammenarbeit für beide Länder wie auch europäische Partner im Bereich Verteidigung und Sicherheit notwendig sei.

Germany's Chancellor Friedrich Merz, right, and French President Emmanuel Macron walk together as they arrive for the EU summit at the European Council building in Brussels, Thursday, March 19, 2 ...
Merz und Macron finden nicht zusammen.Bild: keystone

Mitte Juli sollen die beiden Verteidigungsministerien Deutschlands und Frankreichs bei einer gemeinsamen Kabinettssitzung (Ministerrat) einen «zeitgemässen Arbeitsplan» zur verteidigungsindustriellen Zusammenarbeit vorlegen, «konzentriert auf wenige realistische relevante Vorhaben». Auf deutscher Seite sieht man in dem Scheitern nach einer langen Hängepartie nun eine Chance, wieder nach vorne zu schauen und sich jenseits von Symbolprojekten auf das Wesentliche in der Sicherheitspolitik zu konzentrieren.

Startschuss gaben Merkel und Macron 2017

Den Startschuss für das prestigeträchtige Projekt hatten die damalige Kanzlerin Angela Merkel und Macron im Juli 2017 gegeben. Die Vorstellungen von den Fähigkeiten eines Kampfjets bei Airbus und Dassault gingen zuletzt aber weit auseinander.

Dassault hatte einen übergrossen Teil am Projekt sowie die Führung beansprucht. Von deutscher Seite wurde dagegen die Erwartung geäussert, dass sich Dassault «an die bestehenden Vereinbarungen» hält, nach der die Unternehmen gleichermassen beteiligt werden sollen. Auch früher hatte es immer wieder Zank um die Aufteilung gegeben.

Entscheidung mehrfach verschoben

Die politische Entscheidung über das Projekt wurde mehrfach verschoben. Bei einem Treffen am Rande des Westbalkangipfels in Montenegro verständigten sich Macron und Merz nun darauf, die Reissleine zu ziehen. An dem Projekt ist auch Spanien mit dem Hersteller Indra beteiligt.

Für Deutschland und Frankreich, die sich gerne als Motor Europas darstellen, ist dies politisch eine herbe Schlappe. Schon seit Jahren pocht Macron auf europäische Souveränität und gemeinsame Rüstungsvorhaben. Dass nun mit einem der engsten Partner das bislang ambitionierteste europäische Rüstungsprojekt an industriepolitischen Unstimmigkeiten scheitert, entspricht nicht dem Signal der Geschlossenheit, das er gerne senden möchte, und ist auch ein ganz persönliches Scheitern für ihn als Mitinitiator des Projekts.

Merz nannte auch unterschiedliche Anforderungen als Problem

FCAS steht für «Future Combat Air System» und wäre bei einer Realisierung das grösste und teuerste europäische Rüstungsprojekt gewesen. Das Luftkampfsystem sollte im Verbund mit unbewaffneten und bewaffneten Drohnen fliegen und war insofern als mehr als ein Kampfflugzeug geplant. Der Plan war, dass es den von der Bundeswehr genutzten Eurofighter und auch die französische Rafale ab 2040 ablöst. Die Gesamtkosten wurden auf mehr als 100 Milliarden Euro geschätzt. Deutschland, Frankreich und das ebenfalls beteiligte Spanien hatten seit Monaten um eine Realisierung des Projekts gerungen.

Als Kernproblem hatte Merz zuletzt auch genannt, dass die Franzosen ein anderes Kampfflugzeug brauchen als die Bundeswehr. Frankreich benötige in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein Flugzeugträger-fähiges Flugzeug, was die Bundeswehr gegenwärtig nicht brauche.

Mit wem baut Deutschland nun einen neuen Kampfjet?

Deutschland wird sich für die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeuges jetzt statt Frankreich wohl neue Partner suchen. Denkbar ist eine Kooperation mit Schweden und dem Rüstungsunternehmen Saab. Das neue Nato-Land ist im Militärflugzeugbau erfahren. Es ist zwar kleiner und damit volkswirtschaftlich schwächer, steht aber vor einer mit Deutschland vergleichbaren Situation.

Ein natürlicher Partner wäre Grossbritannien gewesen: Eine bestehende Allianz beim Bau des Eurofighters, den die Briten Typhoon nennen, hätte Grundlage sein können. Allerdings ist Grossbritannien nun schon vergeben und ist zusammen mit Japan und Italien im Projekt Global Combat Air Programme (GCAP) verbunden.

Unions-Politiker: «Wegweisende und richtige Entscheidung»

Der verteidigungspolitische Sprecher Unions-Fraktion im Bundestag, Thomas Erndl (CSU), begrüsste den Stopp des deutsch-französischen Projekts als «wegweisende und richtige Entscheidung». «Die Expertise zum militärischen Flugzeugbau ist in Deutschland vorhanden. Die deutsche Industrie kann und muss nun ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.» Dazu sei die Zusammenarbeit mit anderen Partnern zügig zu prüfen.

Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Siemtje Möller, nannte die Entscheidung «nicht überraschend und nur konsequent».

FDP-Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann bedauerte die Entscheidung. «Solche Projekte können nur auf Augenhöhe gelingen. Frankreichs Industrie hat eine dominante Führungsrolle beansprucht, Deutschland sollte andocken. Das war kein Partnerschaftsmodell mehr.» Die Entscheidung von Merz, die Notbremse zu ziehen, sei nicht falsch gewesen.

Kritik aus der Opposition

Kritisch äusserten sich die Grünen nach der Entscheidung. Laut Parteichefin Franziska Brantner sei es ein schwerer Rückschlag für die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik gewesen, dass kein Konsens gefunden wurde. «Wo die Industrie blockiert, ist es Aufgabe der Politik, Führung zu zeigen und durchzusetzen», sagte sie dem Handelsblatt. «Wenn es schlecht läuft, steht am Ende gar kein europäisches modernes Kampfflugzeug, oder nur eines mit einem amerikanischen Motor. Das ist fahrlässig.» (hkl/sda/dpa)

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Firefly
08.06.2026 18:01registriert April 2016
Naja immerhin stehen sie dazu und versuchen nicht gescheiterte Projeke als Erfolge zu kommunizieren, wie USA oder Russland.
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Rethinking
08.06.2026 17:45registriert Oktober 2018
Vieles scheitert an der Engstirnigkeit des Menschen
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Swen Goldpreis
08.06.2026 18:16registriert April 2019
Was mich irgendwie verwundert: Dass Frankreich andere Anforderungen hat als Deutschland war doch von Anfang an klar. Wieso braucht man fast zehn Jahre, um das festzustellen?

Etwas salopp gesagt: wenn ich Ferien mit einem Kumpel plane und er unbedingt an den Strand und ich unbedingt in die Berge will, dann merken wir doch nach 5 Minuten, dass das nicht klappt und planen nicht zehn Jahre lang unsere Ferien.
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