International
Waffen

Libanons Regierung beschliesst Entwaffnung von Milizen

Libanons Regierung beschliesst Entwaffnung von Milizen – einschliesslich der Hisbollah

07.08.2025, 19:5807.08.2025, 19:58

Die libanesische Regierung hat einen US-Plan zur Entwaffnung aller Milizen einschliesslich der Hisbollah beschlossen. Noch vor der Entscheidung verliessen Minister der Hisbollah und der mit ihr verbündeten Amal-Bewegung aus Protest die Kabinettssitzung.

epa12288463 Lebanese President Joseph Aoun (C) presides over a cabinet session at the presidential palace in Baabda, east of Beirut, Lebanon, 07 August 2025. The Lebanese cabinet is meeting to deliber ...
Das libanesische Kabinett berät über die Entwaffnung der militanten Gruppe Hisbollah, während der Druck aus den USA zunimmt.Bild: keystone

Die Hisbollah hatte zuvor mehrfach erklärt, keiner Entwaffnung zuzustimmen, solange Israel seine nahezu täglichen Angriffe nicht einstelle und israelische Truppen weiter an Posten im Südlibanon stationiert seien.

Informationsminister Paul Morcos sagte nach dem Treffen, das Kabinett habe «die in dem amerikanischen Dokument dargelegten Ziele» genehmigt, Der US-Gesandte Tom Barrack hatte das Dokument vorgelegt. Der US-Plan sieht eine vollständige Entwaffnung der Hisbollah-Miliz bis Ende 2025 vor. Das Kabinett billigte den Zeitrahmen, übertrug die Ausarbeitung eines Plans jedoch der libanesischen Armee.

Schiitische Minister verlassen Sitzung

Minister der Hisbollah und der mit ihr verbündeten und ebenfalls schiitischen Amal-Bewegung verliessen die Sitzung. Es handle sich um einen Protest gegen die Zustimmung der Regierung zum vollständigen US-Entwaffnungsplan, erklärte Arbeitsminister Mohammad Haidar. Dieser steht der Hisbollah nahe.

Kritiker des Plans meinen, dass eine solche Entscheidung ohne Zustimmung schiitischer Vertreter womöglich verfassungswidrig sei. Schiitische Muslime bilden neben sunnitischen Muslimen die grösste Bevölkerungsgruppe im Land. Im konfessionell gespaltenen Libanon ist die Macht traditionell nach einem Proporzsystem unter den religiösen Gruppen aufgeteilt.

Der US-Gesandt Barrack gratulierte Ministerpräsident Nauaf Salam, Präsident Joseph Aoun und der Ministerrat zu der «historischen, mutigen und richtigen Entscheidung». Die Beschlüsse des Kabinetts seien ein erster konkreter Schritt zur Umsetzung des Prinzips «Ein Land, eine Armee».

Die Forderung nach einer Entwaffnung der Hisbollah ist für die libanesische Regierung politisch riskant. Es wird befürchtet, dass das Land in eine weitere politische Krise schlittern könnte, wenn Hisbollah-Mitglieder aus Protest aus der Regierung austreten. (hkl/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Nach Hin und Her: Reporter dürfen jetzt doch wieder ins Weisse Haus
Trotz einer anderslautenden Gerichtsanordnung war am Donnerstagmorgen einigen Reportern der Zugang zum Weissen Haus erneut verwehrt worden. Am Abend änderte dies.
Das Portal «Politico» berichtete, dass der für die Sicherheit des US-Präsidenten zuständige Secret Service den Presseausweis eines seiner Reporter beschlagnahmt habe. CNN berichtete ebenfalls, dass Reportern am frühen Morgen der Zutritt verweigert worden sei – ein weiterer CNN-Mitarbeiter sei durchgelassen worden.
Zur Story