Von Urlaub mit dem Bro, wer alles «fake» ist und Ariels Grenzen bei Drama
Eines vorweg: Ich helfe diese Woche für die grosse Simone Meier aus. Wer also von diesem Bachelorette-Review ein weiteres literarisches Meisterwerk erwartet, wird bitter enttäuscht. Schraub deine Erwartungen also am besten ein paar Etagen runter.
Ariel ist ein Star
Wer seine Erwartungen definitiv nicht runterschraubt, ist Bachelorette Ariel. Und das völlig zu Recht, wie ich finde. Wenn du jemals in der Ikea einkaufen warst, weisst du, was ich meine. Bei zu grosser Auswahl brauchst du ein Posti-Zetteli, damit du den Fokus nicht verlierst.
Spätestens nachdem du die fünf verschiedengrossen Spiegel, den Kochlöffel, der sich genau für zwei Gerichte eignet, und dein neues Organisationssystem ausgepackt hast, fällt dir ein, warum du überhaupt da warst: Die dringend benötigte WC-Bürste.
Ariel will einen emotional reifen Mann, der mit beiden Beinen im Leben steht. Konkret bedeutet das:
- Er denkt von sich, dass er nicht fremdgeht.
- Er wohnt nicht mehr bei Mami und/oder Papi.
- Er besitzt Führerschein und Auto.
- Er hat Geld, je mehr desto besser.
- Er ist real, also authentisch.
Besonders der letzte Punkt ist wichtig. Denn Ariel ist ein Star. Wirklich. Wenn das für dich News sind, hast du die Folge definitiv nicht gesehen. Nicht ohnehin besteht gefühlt ein Drittel der Sendung aus «Schau-mal-das-ist-Reality-Star-Ariel-Bildern». Ariel tanzt im Wasser, Ariel bewundert ihre Kleider im Spiegel, Ariel putzt sich die Zähne.
Die Gefahr, dass einige Kandidaten nur für Fame, also nur um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, statt weil sie einen Riesen-Crush auf Ariel haben, in Thailand sind, ist gross, wie Ariel schnell feststellen musste.
Bereits bei der ersten Cocktailparty gesteht Daniel der Österreicher, dass Ariel lediglich Grund Nr. 2 ist, weshalb er bei Bachelorette dabei ist. Grund Nr. 1 ist Thailand. Ein Affront. Immerhin schafft sie es noch vor Grund Nr. 3: Quality-Time mit dem kleinen Bruder Elias.
Auch ich bin früher stets meinem grossen Bruder hinterhergelaufen. Der Vorteil ist: Man muss weniger überlegen. Man pickt sich raus, was funktioniert – die Fehler lässt man andere machen. Aus demselben Grund geht man beispielsweise auch nicht als Erster hinter einem wartenden Bus über die Strasse, wenn dahinter heranbrausende Autos drohen. Überlebt der Vordere, ist es sicher, wird er überfahren, nicht. Dieses Prinzip hat auch Daniels Bruder Elias kapiert. Bei ihm ist Ariel Grund Nummer Eins.
Der Kampf um die Aufmerksamkeit
Um in diesem Aquarium voller Dudes herauszustechen, braucht man ein kreatives Alleinstellungsmerkmal. Am Einfallsreichtum mangelt es nicht. Trotzdem: Nicht jede Idee ist eine gute Idee. Tatsächlich waren die meisten ziemlich mies.
Wobei was weiss ich schon. Die müssen ja nicht mir gefallen. Schattenboxer Marcus mit seinen Ariel-Handschuhen und Baba-Rapper Bora mit seiner Bitcoin-Kette konnten bei der Bachelorette einen bleibenden, positiven Eindruck hinterlassen.
Einige andere setzten mehr aufs herzige als aufs krasse Pferd. Auffällig war, wie sich die schüchternen Jungs auf diesen nicht einmal hundert Metern zwischen der Bachelorette und der Bar schliesslich ebenfalls in krasse Macker verpuppten.
Vor Reality-Sternchen Ariel erstarrte so manch ein Bre vor Ehrfurcht und streckte ihr bloss eine aus Nervosität schweissig-lampige Pfote entgegen. Nach den drei leise vorgetragenen Sätzchen flüchteten sie zu ihren Jungs. In der grölenden Brudi-Meute sass dann jeder einzelne der fünf Akte des einstudierten Bro-Claps.
Erfolgreich waren jene Auftritte von Kandidaten, die es verstanden haben in Ariels Augen authentisch zu wirken. Trage etwas vor, das dich ausmacht – ungeachtet der Cringeheit Cringigkeit Cringeness Ariels Angecringetheit. Das zeigt: Du bist real, nicht fake. Es reicht jedoch nicht von seiner Realness zu berichten. Man muss sie leben.
Das Thema Realness gab dann noch zu reden. So wie ich das verstanden habe, gestanden sich Chris (Chyna) und Dani, der Berner Oberländer, diese einander nicht zu. Dani wolle nur seine Reality-TV-Karriere zum Laufen bringen und Chyna (sein Social-Media-Name) mehr Follower für sich gewinnen.
Die Wogen flogen hoch. Verständlich. Einem Reality-TV-StarPartizipanten vorzuwerfen, er sei nicht real, ist so ziemlich das Schlimmste was man ihm antun kann. Ganze zehn Mal musste Don Dani darauf hinweisen, dass er nun wieder herunterkommen könne, bis der rasende Berner Oberländer ihm auch glaubte.
Bei Ariel konnten die Jungs mit ihrem Drama leider keine Punkte sammeln. Zwar mag sie es, wenn Männer um sie kämpfen. Auch vom Drama ist sie ein grosser Fan. Bei Männern gebe es jedoch gewisse Grenzen.
Am besten fasste in meinen Augen jedoch der wortkarge Lionel, 23, aus Basel die verbale Haarrauferei zwischen den beiden Streithälsen zusammen:
