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EU-Flughäfen: Diese neuen Regeln könnten bald für Fluggäste gelten

Diese Regeln könnten bald für Fluggäste der EU gelten

21.01.2026, 14:4921.01.2026, 14:49

Kostenloses Handgepäck für Fluggäste, Entschädigung bei Verspätungen, nebeneinanderliegende Plätze für Kinder und Eltern – die EU überarbeitet die Regeln für Flugpassagiere.

Jetzt hat sich das Europäische Parlament für eine Stärkung der Verbraucherrechte ausgesprochen. Bevor neue Regeln in Kraft treten, muss aber noch ein Kompromiss mit den EU-Staaten gefunden werden. Was im Raum steht und was das für Reisende bedeutet:

Was ist bei Flug-Verspätungen vorgesehen?

Hier gehen die Vorstellungen sehr auseinander. Die EU-Staaten wollen, dass Fluggäste künftig erst ab vier Stunden Verspätung entschädigt werden, bei Langstreckenflügen sogar erst ab sechs Stunden. Dafür sprach sich die Mehrheit der EU-Verkehrsminister im vergangenen Juni aus. Je nach Entfernung sollen die Passagiere ausserdem weniger Geld bekommen.

epa11487356 Passengers look at screens informing on the flight situation at the Zurich Airport in Kloten, Switzerland, 19 July 2024. Due to a major worldwide IT outage, check-in for air travelers and  ...
Die Mitgliedsstaaten wollen dagegen keine abschliessende Liste aufnehmen.Bild: keystone

Die Parlamentarier wollen dagegen, dass Reisende ähnlich entschädigt werden wie bisher. Ihr Vorschlag der Parlamentarier sieht bei Verspätungen ab drei Stunden oder Flugausfällen folgende Stufen vor:

  • 300 Euro bei 1500 Kilometer Entfernung (bisher: 250 Euro)
  • 400 Euro bei bis zu 3500 Kilometer Entfernung (bisher: 400 Euro)
  • 600 Euro bei mehr als 3500 Kilometer Entfernung (bisher: 600 Euro)

Voraussetzung ist, dass die Airline die Verspätung zu verschulden hat. Ausgenommen wären nach der Vorstellung der Abgeordneten etwa Krieg, bestimmte Wetterbedingungen und Naturkatastrophen. Die Mitgliedsstaaten wollen dagegen keine abschliessende Liste aufnehmen.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DIE SWISS IM SOMMER UND HERBST WEITERE 676 FLUEGE STREICHT, AM DIENSTAG, 28. JUNI 2022 - Passengers queue in the check-in hall 1 at Zurich Airport, pictured in Kloten, Swi ...
Die Verspätungen werden in drei Teile unterteilt.Bild: keystone

Um es Verbrauchern leichter zu machen, die Erstattung zu beantragen, sollen Fluggesellschaften laut dem Vorschlag der Abgeordneten ausserdem bei Verspätungen vorausgefüllte Formulare an ihre Passagiere schicken.

Was sagen andere dazu?

Die europäische Verbraucherschutzorganisation Beuc will, dass es bei der Drei-Stunden-Grenze bleibt. Würde die Grenze auf vier oder sechs Stunden hochgesetzt, hätten viele Passagiere keinen Anspruch mehr auf Entschädigung – 60 Prozent der jetzt Betroffenen, hat der Verband ausgerechnet.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) blickt dagegen kritisch auf die vorgesehenen Anpassungen und argumentiert mit den Kosten, die sich auch in höheren Ticketpreisen bemerkbar machen würden.

Innerhalb von drei Stunden liessen sich zudem in der Praxis technische Probleme, Flugzeug- oder Crew-Wechsel oft nicht lösen, so dass Flüge annulliert würden. Die aktuelle Regelung setze einen finanziellen Anreiz, Flüge zu streichen, statt mit Verzögerung zu fliegen.

Was ist bei Handgepäck geplant?

Fluggäste sollen nach der Vorstellung des Parlaments künftig ohne zusätzliche Kosten einen persönlichen Gegenstand (etwa eine Handtasche, einen Laptop oder einen Rucksack) sowie ein kleines Handgepäckstück mit an Bord nehmen dürfen. Dieses Gepäckstück soll nicht mehr als sieben Kilogramm wiegen und die drei Kantenmasse (Länge, Breite und Tiefe) zusammen nicht mehr als 100 Zentimeter lang sein.

ZU DEN SICHERHEITSKONTROLLEN AM FLUGHAFEN ZUERICH STELLEN WIR IHNEN HEUTE NEUES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- Sicherheitsangestellte der Kantonspolizei Zuerich kontrollieren am Flughafen Zuerich Klo ...
Bisher erlauben manche Airlines als kostenloses Handgepäck nur einen sehr kleinen Gegenstand.Bild: KEYSTONE

Die Minister der Mitgliedsstaaten haben dagegen keine genauen Masse und Gewicht vorgeschlagen und wollen nur festhalten, dass Airlines die Freimengen deutlich kommunizieren müssen. Bislang hat die EU die Handgepäckregeln weitgehend den Airlines selbst überlassen.

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 ist nur klar, dass für Handgepäck auch beim günstigsten Ticket keine zusätzliche Gebühr erhoben werden darf. Die vom Gericht verlangten «angemessenen Vorgaben» zu Grösse und Gewicht gibt es in der EU aber bis heute nicht.

Bisher erlauben manche Airlines als kostenloses Handgepäck nur einen sehr kleinen Gegenstand, für alles andere muss extra gezahlt werden.

Auch diese Pläne sieht der BDL kritisch: Bei einer Vereinheitlichung könnten Passagiere nicht mehr individuell wählen. Ausserdem seien die Vorgaben nicht praxistauglich: Gerade Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge seien nicht darauf ausgelegt, pro Gast ein bis zwei Handgepäckstücke zu befördern.

Welche neuen Rechte könnte es ausserdem geben?

Die Abgeordneten wollen festschreiben, dass Passagiere nicht extra fürs Einchecken zahlen müssen oder dafür, dass Rechtschreibfehler in ihrem Namen korrigiert werden. Kinder sollen zudem neben ihren Eltern sitzen können, ohne dass für die Platz-Reservierung zusätzlich gezahlt werden muss. Das Gleiche soll für Begleitpersonen von Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität gelten.

Ein Flugzeug von Skywork Airlines steht auf dem Flughafen Bern-Belp, am Sonntag, 29. Oktober 2017. Die finanziell angeschlagene Berner Regionalfluggesellschaft SkyWork setzt ihren Flugbetrieb am Sonnt ...
Die Passagiere von Europas grösster Direktfluggesellschaft müssen seitdem ihre Tickets in elektronischer Form bereithalten.Bild: KEYSTONE

Fluggäste sollen ausserdem frei wählen können, ob sie digitale Boardingpässe oder solche aus Papier nutzen. Das ist nicht mehr selbstverständlich: Der Billigflieger Ryanair schaffte im November die ausgedruckte Bordkarte ab. Die Passagiere von Europas grösster Direktfluggesellschaft müssen seitdem ihre Tickets in elektronischer Form bereithalten, wenn sie einsteigen wollen.

Ändert sich auf jeden Fall etwas?

Nein, das ist nicht sicher. Die aktuellen Fluggastrechte gelten seit 2004, seitdem hat sich im Flugverkehr viel getan. Die EU arbeitet seit Jahren an einer Aktualisierung, bisher gibt es keine Einigung.

Das Parlament hat jetzt eine gemeinsame Position beschlossen, im nächsten Schritt ist nun eine Einigung mit den EU-Mitgliedsstaaten nötig. Deren Forderungen weichen teilweise sehr von denen der Abgeordneten ab. Sollte es über längere Zeit keine Einigung geben, könnte die Anpassung vorerst sogar ganz scheitern. (nib/sda/awp/dpa)

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