Diese Mission soll ein kosmisches Rätsel lösen
Wie sind die Marsmonde Phobos und Deimos entstanden? Und was verraten sie über die Geschichte des Roten Planeten? Eine japanische Raumsonde soll Antworten auf diese Fragen liefern. Am 19. Oktober 2026 soll die Mission Martian Moons Exploration (MMX) mit deutscher Technik an Bord starten.
Der vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Frankreich entwickelte Rover «Idefix» soll 2029 auf Phobos landen und dessen Oberfläche erkunden. Das langfristige Ziel ist ehrgeizig: Erstmals sollen Bodenproben von einem Marsmond zur Erde gebracht werden.
Was steckt hinter der Mission? Welche Aufgaben übernimmt «Idefix»? Und wann sind die ersten Ergebnisse zu erwarten?
Was ist die MMX-Mission?
MMX ist eine Erkundungsmission zu den Marsmonden. Sie wird von der japanischen Raumfahrtagentur Jaxa geleitet. Ziel ist es, Phobos und Deimos aus der Nähe zu untersuchen und erstmals Material von einem der beiden Monde zur Erde zurückzubringen.
Dafür soll die MMX-Raumsonde die Monde zunächst aus dem Orbit beobachten, später auf Phobos landen und Bodenproben sammeln. Auch der deutsch-französische Rover «Idefix» gehört zur Mission und startet zusammen mit der MMX-Raumsonde.
Der Launch der beiden Raumfahrzeuge ist für den 19. Oktober 2026 mit einer japanischen H3-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Tanegashima geplant. Die Rückkehr der Probenkapsel ist für 2031 vorgesehen.
Warum erforscht die Mission ausgerechnet die Marsmonde?
Phobos und Deimos gehören zu den vergleichsweise wenig erforschten Himmelskörpern im Sonnensystem. Obwohl beide Monde seit Langem bekannt sind, ist bis heute nicht abschliessend geklärt, wie sie entstanden sind.
Es gibt zwei mögliche Erklärungen: Entweder bildeten sich die Monde aus Material, das bei einem gewaltigen Einschlag auf dem Mars ins All geschleudert wurde, oder es handelt sich um ursprünglich eigenständige Asteroiden, die von der Schwerkraft des Mars eingefangen wurden.
Untersuchungen der Zusammensetzung der Monde könnten helfen, dieses Rätsel zu lösen. Gleichzeitig erhoffen sich Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung des Mars sowie über die frühe Geschichte des Sonnensystems.
Was sind Phobos und Deimos?
Phobos und Deimos sind die beiden natürlichen Monde des Mars. Ihre Namen stammen aus der griechischen Mythologie und bedeuten sinngemäss Furcht und Schrecken.
Phobos ist der grössere und dem Mars nähere der beiden Monde. Er hat eine unregelmässige Form und misst an seiner längsten Stelle etwa 27 Kilometer. Deimos ist mit einer maximalen Ausdehnung von rund 15 Kilometern deutlich kleiner.
Beide Himmelskörper unterscheiden sich deutlich vom Erdmond. Sie sind unregelmässig geformt und umkreisen ihren Planeten in vergleichsweise geringer Entfernung. Phobos umrundet den Mars sogar schneller, als dieser sich um seine eigene Achse dreht.
Was ist der deutsch-französische Rover «Idefix»?
«Idefix» ist ein rund 25 Kilogramm schwerer Forschungsrover, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit der französischen Raumfahrtagentur CNES entwickelt hat. Nach seiner Landung soll er die Oberfläche von Phobos untersuchen.
«Nach der Landung – und voraussichtlich einigen kleinen Hüpfern – wird er sich selbstständig aufrichten und dann einsatzbereit machen», schreibt das DLR auf seiner Webseite. Die geplante Einsatzdauer auf Phobos beträgt nach Angaben des DLR rund 100 Tage.
Der kompakte Rover ist etwa so gross wie ein Getränkekasten. Er soll die Beschaffenheit des Untergrunds untersuchen, wissenschaftlich interessante Bereiche auf Phobos anfahren und Messungen vornehmen. Die gewonnenen Daten sollen auch dabei helfen, die Landung der MMX-Raumsonde und die Entnahme von Bodenproben vorzubereiten.
Warum heisst der Rover «Idefix»?
Der Rover ist nach dem Hund Idefix aus den französischen Comicgeschichten um Asterix benannt. Idefix ist der kleine weisse Hund von Obelix. Er hat schwarze Ohr- und Schwanzspitzen und begleitet die Gallier auf ihren Abenteuern. Die Bezeichnung verweist zugleich auf die französische Beteiligung an dem MMX-Projekt.
Wann erreicht MMX den Mars?
Nach dem Start soll die Raumsonde etwa ein Jahr bis ins Marssystem benötigen. Das Erreichen des Marsgebiets ist für 2027 vorgesehen. Anschliessend soll die Sonde ihre Umlaufbahn anpassen, um Phobos aus der Nähe untersuchen zu können.
Die eigentliche Erkundungsphase mit dem Rover und die Entnahme der Bodenproben sind für 2029 geplant. Danach soll die Raumsonde auch Deimos beobachten. Der Rückflug zur Erde ist für 2030 vorgesehen, die Ankunft der Probenkapsel für 2031.
Wie fährt ein Rover bei der geringen Schwerkraft auf Phobos?
Die Fortbewegung auf Phobos stellt eine enorme technische Herausforderung dar. Die Schwerkraft des kleinen Mondes ist extrem gering. Ein herkömmlicher Rover könnte bei ungünstigen Bewegungen den Bodenkontakt verlieren oder sich unkontrolliert bewegen.
«Idefix» wurde deshalb speziell für diese Bedingungen entwickelt. Sein Fahrwerk und seine Steuerungssoftware sollen kontrollierte Bewegungen auf der unregelmässigen Oberfläche ermöglichen, teilt das DLR mit. Hinzu kommen autonome Navigationsfunktionen, mit denen der Rover seine Bewegungen an die örtlichen Gegebenheiten anpassen kann.
Nach der Mission bleibt «Idefix» auf Phobos zurück. Zur Rückreise tritt nur die japanische Raumsonde MMX an, die zuvor die Bodenproben einsammelt.
Wie sammelt die MMX-Sonde Bodenproben?
Die Entnahme von Bodenproben gehört zu den zentralen Aufgaben der MMX-Mission. Anders als «Idefix» soll die Raumsonde selbst Material aufnehmen und in einer speziellen Rückkehrkapsel verstauen.
Dazu soll die Sonde auf Phobos landen beziehungsweise kurzzeitig Bodenkontakt herstellen und Material aufnehmen. Die gesammelten Partikel werden anschliessend für den Rückflug zur Erde gesichert. «Idefix» untersucht ergänzend die Oberfläche, übernimmt aber nicht die zentrale Rolle bei der Probenrückführung.
Die japanische Raumfahrtagentur Jaxa will mehr als zehn Gramm Material von Phobos zur Erde bringen. Selbst eine vergleichsweise kleine Menge kann für die Forschung wertvoll sein: Die Proben lassen sich unter Laborbedingungen auf der Erde mit deutlich leistungsfähigeren Instrumenten untersuchen als an Bord einer Raumsonde.
Welche Erkenntnisse sollen die Proben liefern?
Die Proben sollen Aufschluss darüber geben, aus welchen Materialien Phobos besteht und wie der Mond entstanden ist. Die Zusammensetzung der Proben könnte Hinweise darauf liefern, ob Phobos aus Material des Mars hervorging oder ursprünglich ein eigenständiger Asteroid war, der vom Planeten eingefangen wurde.
Darüber hinaus könnten die Proben Erkenntnisse über die frühe Entwicklung des Mars und die Verteilung von Wasser und organischen Stoffen im Sonnensystem liefern. Die Ergebnisse wären damit auch für die Planetenforschung insgesamt von Bedeutung.
Ein direkter Nachweis von Leben ist allerdings kein erklärtes Hauptziel der Mission. Im Mittelpunkt stehen die Entstehung der Marsmonde, ihre Zusammensetzung und die Entwicklung des Marssystems.
Ist MMX die erste Mission zu einem Marsmond?
Raumsonden haben Phobos und Deimos bereits aus der Ferne und aus der Marsumlaufbahn beobachtet. Eine erfolgreiche Landung auf einem der beiden Monde mit anschliessender Rückführung von Proben zur Erde gab es bislang jedoch nicht.
MMX soll damit gleich mehrere technologische Meilensteine setzen: die Erkundung der Oberfläche mit einem Rover, die Entnahme von Bodenproben auf einem Marsmond und den Transport dieses Materials zurück zur Erde.
Die Mission ist deshalb nicht nur wissenschaftlich interessant, sondern auch ein wichtiger Test für künftige Erkundungen des Marssystems.
Wo kommen die Proben auf der Erde an?
Die Kapsel soll in Australien landen und dort geborgen werden. Nach der Bergung sollen die Proben unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden. Bis die Ergebnisse der Laboranalysen vorliegen, dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen.
Warum ist die Mission auch für künftige Marsflüge wichtig?
MMX soll nicht nur wissenschaftliche Fragen beantworten, sondern auch Technologien erproben, die für spätere Missionen im Marssystem wichtig werden könnten. Dazu gehören die Navigation in der Nähe kleiner Himmelskörper, Landungen bei geringer Schwerkraft, die Entnahme von Proben und deren sicherer Rücktransport.
Solche Erfahrungen könnten bei zukünftigen Missionen zu den Marsmonden oder bei komplexeren Erkundungen des Mars hilfreich sein. Die Mission ist daher auch ein wichtiger Schritt für die robotische Weltraumforschung und die Vorbereitung weiterer Expeditionen im Sonnensystem.

