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Studie deckt Missstände und Unterschiede bei Antibiotika-Nutzung auf

Antibiotika
Die Forscher nutzten verschiedene Datenbanken, um die Antibiotikanutzung in 186 Ländern und Territorien zu erheben.Bild: Shutterstock

Studie deckt globale Missstände und Unterschiede bei Antibiotika-Nutzung auf

Warum bekommen viele Patienten nicht die Antibiotika, die sie wirklich brauchen? Eine Studie deckt globale Missstände und überraschende Unterschiede auf.
22.07.2026, 01:5722.07.2026, 01:57

Antibiotika werden zur Behandlung von Krankheiten weltweit nicht optimal eingesetzt. So würden einfache Mittel für häufige bakterielle Infektionen zu wenig genutzt, heisst es in einer Studie im Fachjournal «The Lancet Public Health». Andererseits erhielten gerade in ärmeren Ländern Patienten oft nicht die letzten Mittel, die bei schweren Infektionen nötig sind.

Das Forschungsteam um Aislinn Cook von der City St George's, University of London orientierte sich an den drei Kategorien, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2017 eingeführt hat: einfache Mittel für häufige Infektionen («Access»), speziellere mit höherem Resistenzrisiko für Antibiotikaresistenzen («Watch») und letzte Mittel bei schweren Infektionen durch multiresistente Erreger («Reserve»).

«Die Gewährleistung eines gerechten und angemessenen Zugangs zu wirksamen, essenziellen Antibiotika ist von zentraler Bedeutung für die Ziele für nachhaltige Entwicklung», schreiben die Studienautoren.

Nutzung in 186 Ländern analysiert

Die Forscher nutzten verschiedene Datenbanken, um die Antibiotikanutzung in 186 Ländern und Territorien zu erheben. Diese Gebiete teilten sie in vier Cluster ein, die nach Durchschnittseinkommen und anderen soziodemografischen Daten, nach Infektionslast und vorhandenen Resistenzen vergleichbar waren. Die aus vielen Ländern fehlenden Daten wurden durch Modellrechnungen ergänzt.

Cook und Kollegen ermittelten Staaten, die eine geringe Sterblichkeit durch Infektionen und einen geringen Antibiotikagebrauch aufweisen und deren Daten als Orientierungswerte dienen können. Für das Cluster der wohlhabendsten Länder war dies die Schweiz, für die übrigen Staaten Marokko.

Im Vergleich zu diesen Orienterungsstaaten nutzten die meisten Länder zu viele «Watch»-Antibiotika aus der mittleren Kategorie – von 67 untersuchten Ländern, für die umfangreichere Daten vorlagen, waren es 66 Staaten, darunter auch Deutschland.

Etwa die Hälfte der untersuchten Länder verwendeten weniger «Reserve»-Antibiotika für schwere Infektionen, als nach den Kriterien dieser Studie angemessen gewesen wären – ein lebenswichtiger Bedarf kann also bisweilen nicht gedeckt werden, weil offenbar der Zugang fehlt. Knapp die Hälfte der Länder wiederum verwendete weniger «Access»-Antibiotika als angemessen.

Den globalen Bedarf schätzen die Wissenschaftler auf 43 Milliarden Tagesdosen im Jahr 2019. Bei einer Weltbevölkerung von damals weniger als acht Milliarden Menschen entspricht diese Gesamtmenge grob einer Antibiotika-Kur jährlich pro Person mit mehreren Tagesdosen. Einer publizierten Schätzung zufolge wurden 2018 etwa 40,2 Milliarden Tagesdosen weltweit verbraucht. (sda/dpa)

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