Grosse Aufregung nach der Olympia-Eröffnungsfeier vom Freitag: Ein Tableau, freizügig aufgeführt von queeren Menschen, erinnerte in seiner Anordnung viele Zuschauerinnen und Zuschauer an das letzte Abendmahl. Sofort waren die üblichen Verdächtigen wie Donald Trump oder Elon Musk zur Stelle und wetterten gegen die «Gotteslästerung».
Natürlich gaben sich auch katholische Bischöfe und Gruppierungen aufgebracht, sprachen von «Blasphemie» und «Verhöhnung des Christentums». Merkwürdig, bei anderen, eigenen Verstössen gegen Gottes Gebote, Stichwort Kindesmissbrauch, dauert es üblicherweise ungleich länger mit der Empörungsmaschinerie.
Fragwürdig ist ohnehin, ob es sich bei der kritisierten Szene wirklich um das letzte Abendmahl handelt, das Jesus nach dem Neuen Testament im Kreise seiner Jünger im Garten Getsemani abhielt. Die populärste Darstellung jener Bibelstelle stammt von Leonardo da Vinci. Das Fresco in Mailand ist eines der bekanntesten Kunstwerke der Welt – und wurde ergo unzählige Male parodiert, von «MASH» bis zu den «Simpsons».
Offiziell bestätigt wurde das Drag-Tableau im Programmablauf nicht als «Abendmahl». Es ist also eine mögliche Interpretation. Eine weitere, auf Social Media geäusserte, lautet, die kritisierte Olympia-Szene sei von einem ganz anderen Gemälde inspiriert: dem «Fest der Götter» vom niederländischen Meister aus dem 16. Jahrhundert, Jan van Bijlert. Darauf zu sehen ist ein ekstatisches Gelage rund um den antiken Gott Dionysos. Das Szenario wäre also ein heidnisches, was zudem besser passen würde.
Nun steht es allen frei, die Inszenierung dieser Eröffnungsfeier verfehlt und unpassend zu finden. Über nichts lässt sich trefflicher streiten als über Geschmack. Doch mancherorts wird gleich missmutig das Ende der westlichen Welt herbeifantasiert. Viele vermeintlich Liberale laufen Sturm und beweisen einmal mehr, dass sie nur solange liberal sind, bis es an den eigenen Befindlichkeiten kratzt.
Auch in einem Gastkommentar in der NZZ wurde, zum wiederholten Mal in den vergangenen Wochen, der Untergang des Abendlandes beschworen: «Sie haben an den Grundfesten des Westens gesägt, die ihnen überhaupt ermöglichen, Andersgläubige zu verspotten». Geschrieben hat der Kommentar bezeichnenderweise der ehemalige Generalvikar des Bistums Chur.
Er hätte es mutiger gefunden, die Anhänger des Islam dermassen zu verlachen, diese hätten sich für den Frevel – man liest den Spott zwischen den Zeilen – «mutmasslich mit dem Niederbrennen ganzer Quartiere bedankt». Wenn man wegen sich über einer Handvoll schräg kostümierter Gestalten an einem Sportevent dermassen in Gewaltvorstellungen verliert, kann man sich die Frage gefallen lassen, ob es allein die antichristlichen «Woken» sind, die engstirnig, hysterisch und totalitär auftreten.
Religionsfreiheit bedeutet auch die Freiheit vor der Religion. In Europa wurde nicht umsonst jahrhundertelang blutig dafür gekämpft, dass der dominierende Glaube, nach wie vor das Christentum, verspottet und lächerlich gemacht werden dürfe. Wer jetzt gratismutig fordert, dass man Gleiches doch ebenso mit dem Islam wagen müsse, da das Christentum sakrosankt sei, liebäugelt selbst mit den Regeln des Kalifats. Diese verbieten die künstlerische Auseinandersetzung mit der Religion komplett.
Ich habe gemeint zum Tisch des Herrn seien alle eingeladen, nicht alle, ausser... und wenn man im Korintherbrief liest, ging es schon in der ersten Kirche jeweils ziemlich lustig zu bei den Zusammenkünften.
Ich finde es erbärmlich von den Herren der christlichen Möchtegernzensur, dass sie sich dermassen echauffieren.
Ich meinte, ein bitzeli weniger Selbstgerechtigkeit, dafür etwas mehr Grosszügigkeit würde diesen Herren allemal gut anstehen.
Hää was!??
Sorry aber da gebe ich die NZZ Recht. Wenn es darum geht den Christentum zu kritisieren, sind alle mutig, frech und laut, geht es aber mal eine andere Religion, namentlich den Islam, sind alle stumm, weil man offensichtlich sein Leben riskiert. Charlie Hebdo lässt grüssen.