Zum 250. Geburri: Sachen, für die ich die USA liebe (trotz allem Sch…)
Wir vergessen es gerne mal, aber 250 Jahre sind ein stattliches Alter für einen Nationalstaat. Etliche europäische Staaten sind deutlich jünger. Deutschland etwa wurde erst 1871 zu einer Nation. Italien 1861. Die Schweiz 1848 – vorher war sie eine lose Ansammlung quengelnder Kantone, die jeder für sich wie eigenständige Staatswesen agierten.
Und das wichtigste ausländische Vorbild für die Schweizer Bundesverfassung von 1848?
Die Verfassung der Vereinigten Staaten. Zweikammerparlament, föderales System, Grundrechte. Danke, USA!
Ja, als Konzept, als Idee waren die Vereinigten Staaten radikal, visionär und ihrer Zeit voraus. Grund genug also, dieses Jubiläum zu feiern, nicht?
Bloss … ach.
Im Januar 2017, pünktlich zur Inauguration Trumps, listete ich Gründe auf, weshalb man trotz eines verabscheuungswürdigen Präsidenten weiterhin die USA lieben könnte. Damals wusste man zwar, was der Donald für ein Typ sei, doch nicht wenige meinten, «ach, der wird als Präsi ganz zahm».
Yeah, right.
Ach, es wäre schlicht zu deprimierend, alles aufzulisten, was in den USA schiefläuft. Ganz vieles wegen Trump. Aber nicht alles, denn etliche Probleme und Ungerechtigkeiten bestehen seit jeher. Die hohen ethischen Grundsätze der Verfassung standen historisch schon immer im krassen Gegensatz zur Realität – besonders, wenn man in Regionen lebte, wo die USA gerade handfeste Interessen durchsetzten. Oder wenn man im eigenen Land der falschen Bevölkerungsgruppe angehörte.
Ach, es ist tragisch. Und historisch kompliziert und verworren. Und zudem nicht wirklich Thema dieses Artikels. Nein, hier wollen wir zur Abwechslung mal die Stimmung heben. Hier folgt eine willkürliche Anzahl willkürlicher Sachen, bei denen es einem wieder warm ums Herz wird – 43 Gründe, weswegen man die USA immer lieben wird.
(Nein, 250 habe ich nicht geschafft.)
Los geht's!
Diese Bar in Oakland, Kalifornien
Die Beastie Boys überfallen Madonna mit Spritzpistolen während ihres Konzerts im Madison Square Garden, New York City.
1986 war das. Jö, waren die alle jung.
The Ramones vor dem Obersten Gerichtshof
«They laid down the law.»
Damals, als ein Cowboy mit einer
Boeing 707 eine Fassrolle flog.
Im Ernst jetzt! Es geschah bei einem Demonstrationsflug der damals brandneuen vierstrahligen Boeing 707 anno 1955. Unangekündigt legte Testpilot Tex Johnston den Steuerknüppel des 40x40 Meter grossen Flugzeugs um und vollführte eine perfekte Fassrolle.
Unser aller Prinzessin Leia beim Baden
Selten hat man Carrie Fisher glücklicher gesehen als bei diesem Fotoshooting anno 1983 für «Rolling Stone Magazine».
Martin Luther King, der im Beisein seines Sohnes das verbrannte Kreuz eines Ku-Klux-Klan-Angriffs vor seinem Haus entfernt. Und unverdrossen weitermacht.
So geht Vorbildfunktion.
Diese Autoverkäufer
Denn schliesslich haben die Amerikaner Dad Jokes erfunden.
Dieser wagemutige Surfer zwischen den Pfeilern des Huntington Beach Pier, 1962
Der berühmteste Armbruch der Filmgeschichte
«Ich versuche nie was. Ich mach es einfach.» – Tura Satana in Russ Meyers Kultfilm «Faster, Pussycat! Kill! Kill!» (1965).
Die berühmteste Duschszene der Filmgeschichte
Und selbst wenn ihr den Film nicht gesehen habt, wisst ihr trotzdem, wie der Soundtrack in diesem Moment klingt.
Die grösste Rede der Filmgeschichte
Eigentlich ist sie eine der grössten Reden der Geschichte, punktum: Charlie Chaplins Appell für Demokratie, Frieden und Menschlichkeit in «The Great Dictator» (1940).
Cyndi Lauper, die Dolly Parton so innig umarmt
So reagieren glaub alle, die Dolly Parton kennenlernen dürfen. Auch Cyndi Lauper.
Hunde auf Motorrädern mit Sonnenbrillen
Dieser verliebte Kaktus in Scottsdale, Arizona:
Es wurde mir immer warm ums Herz, als ich vorbeifuhr.
«Satanischer Exorzismus inkl. Brathühnchen – 50 Cent»
Hey, so 'ne Teufelsaustreibung macht Hunger, weisch.
Lady Day und Mister
Lady Day – so wurde Jazz-Ikone Billie Holiday von ihren Fans genannt. Mister – so wurde Billies geliebter Boxer, der sie auf Tournee begleitete, von ihr genannt.
Dieser unglaubliche Moment an den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City.
Ob es der Elite gefällt oder nicht: Protest ist nun mal eine amerikanische Tradition.
Hach. Julianne Moore.
Sie ist die Beste.
Der Sonnenaufgang in Südkalifornien
Tom Morello. Geiler Siech.
Marilyn Monroe, die auf einem Spielplatzkarussell sitzend James Joyce' «Ulysses» liest.
Ein anstrengendes Buch ist das, imfall.
Die obsessive Etikettierung in der Batman-TV-Serie der 60er-Jahre:
Dieser Chevrolet Impala SS-396 von 1966
AKA mein Midlife-Crisis-Mobil.
Rat Rods – die wahren Outlaws der Autowelt
Weder schön noch elegant, geschweige denn praktisch oder sicher, von Büezern aus billigen Versatzstücken zusammengeflickt und zu überlauten Nerv-Mobilen umfunktioniert: Rat Rods sind die letzte Bastion automobiler Freiheit.
Bumper Stickers als ultimativer Ausdruck freier Meinungsäusserung
Niemand macht das besser (und intensiver) als die Amis.
Tina Turner. Die Grösste.
Gangsta Rap. Und Countrymusik. Und am besten gleich beides zusammen.
Iggy Pop mit Debbie Harry anno 1977
Nein, auch hinter der Bühne trägt der gute Herr Pop kein Oberteil.
Diese Redneck-Hochzeit in Hebron, Georgia
Die «Back to the Future»-Trilogie
Komm, nenn mir eine bessere Film-Trilogie. Ich warte.
«Andor»
Komm, nenn mir eine bessere Science-Fiction-Serie. Ich warte.
Würde wider Waffen
«Taking a Stand in Baton Rouge» (Haltung zeigen in Baton Rouge), so der Titel dieses Pressefotos, das die Krankenschwester Ieshia Evans im Moment ihrer Festnahme zeigt während einer Demonstration gegen Polizeigewalt am 9. Juli 2016. Evans' Ruhe, Standhaftigkeit und Anmut stehen im Kontrast zu der waffenstarrenden technologischen Übermacht der Bereitschaftspolizei.
Rosa Parks, die in Montgomery, Alabama, vorn im Bus sitzt; Dezember 1956.
Ein Jahr vorher war sie deswegen verhaftet worden.
The Godfather of Soul
Alias James Brown (mit Lincoln Continental und Learjet).
«‹I feel good› – James Brown said that ... but I feel better.»
Little Richard – der Performer, dem James Brown (und so ziemlich jeder Rock- und Soul-Sänger nach ihm) alles verdankt. Der Godfather des Godfather, gewissermassen.
Conde's Middle of Nowhere Gas Station
Tja, tatsächlich mitten im Nirgendwo auf der Interstate 8 in Arizona.
«Somos más americanos que todititos los gringos.»
Diese Textzeile aus dem gleichnamigen Song von Los Tigres del Norte steht für die Tatsachen, dass 1) die USA von Einwanderern gegründet wurden und zeitlebens von Einwanderern jeder Couleur geformt wurden (weshalb es eine konzeptuelle Absurdität ist, wenn weisse Amis gegen Einwanderer wettern) und 2) dass mexikanische Einwanderer aufgrund ihrer grösseren Durchmischung mit amerikanischen Ureinwohnern in der Tat viel amerikanischer sind als all die Weissbrote. Und besseres Essen haben sie auch noch.
Dieses wohl kalifornischste Ladenschild ever
Diese Religionsbekundung, die selbst diesem Atheisten gefällt
Die Tatsache, dass es gut und gerne passieren kann, dass du eine Bloody Mary bestellst und dann alleine schon die Garnitur eine ganze Mahlzeit ist
«Meaty Man» hiess dieser Cocktail – und ja, das ist ein waschechter Pulled-Pork-Burger, der dort als Garnitur im Drink steckt. U-S-A! U-S-A!
Muhammad Ali, der 1981 den Suizid eines Vietnam-Veteranen verhindert
«I am the Greatest», pflegte Muhammad Ali gern und oft zu sagen. Wohl hatte er recht – besonders in diesem Fall hier.
Und stellvertretend für die unglaubliche Schönheit und Vielfalt der nordamerikanischen Landschaft, dieser Rasthalt auf dem Weg von Phoenix nach Las Vegas:
Oder, nein, halt! Vielleicht dieser Strandabschnitt von La Jolla, San Diego:
Oderrrr ... ach, Beispiele gäbe es unendlich viele.
Und zum Abschluss: Dieses Erinnerungsfoto an eine First Family, die kultiviert und erhaben war.
Mögt ihr euch erinnern? Ja, es gab mal eine Zeit, als die Bewohner des Weissen Hauses nicht ausschliesslich für Spott und Kopfschütteln sorgten.
Nun, Happy 250th Birthday, USA! Auf, dass es euch wieder besser geht!
