Rituals ist auf den Hund gekommen – doch das sorgt für Kritik
Der Designer Tommy Hilfiger lief jüngst bei der New Yorker Fashion Week mit einem flauschigen Vierbeiner über den Laufsteg. Man munkelt, es könnte sich bei dem Tier um Wendy, den Samojeden von Travis Kelce und Taylor Swift, handeln. Dies wäre nicht abwegig, da Wendy erst kürzlich ihr grosses Model-Debüt in Hilfigers Herbstkampagne 2026 an der Seite ihres Herrchens feierte.
Dass die Modebranche schon länger Hunde einbezieht und vermarktet, zeigt sich auch beim Hundemagazin «Dogue». Dort posieren die Hunde von Berühmtheiten wie Bad Bunny oder Millie Bobby Brown und stehen vollends im Mittelpunkt.
Und auch auf Social Media verzeichnen die Seiten von berühmten Dogfluencern wie Jiffpom oder Doug the Pug Millionen an Followern. Der Zwergspitz Jiffpom, der oft Kleidung oder Kostüme trägt, tritt in Musikvideos auf und stellte mehrere Guinness-Weltrekorde auf. Auf Instagram hat er 8,4 Millionen Follower.
Der Mops Doug the Pug mit 3.4 Millionen Instagram-Followern hat ebenfalls schon viele Preise gewonnen und hat ein eigenes Buch, das sogar Bestseller wurde.
Und auch sonst werden Hunde vermehrt als Familienmitglieder angesehen und dementsprechend verwöhnt. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl an Hunden in der Schweiz um 36'000 Tiere gestiegen, im Gegensatz zur Geburtenrate, die gesunken ist.
Wellnessprodukte für den Vierbeiner
Dass es inzwischen immer mehr Lifestyle- und Pflegeprodukte für Hunde gibt, ist daher wenig überraschend. Der weltweite Markt für Tierpflegeprodukte überschritt 2025 die Schwelle von 15 Milliarden US-Dollar und könnte bis 2033 auf 24,8 Milliarden Dollar wachsen, schreibt Südtirol News.
Das niederländische Kosmetikunternehmen Rituals, bekannt für seine Wellness- und Pflegeprodukte, bietet mittlerweile auch eine eigene Kollektion für den Vierbeiner an. Neben Napf und Hundehalsband umfasst das Sortiment verschiedene Produkte zur Fell- und Körperpflege – darunter Trockenshampoo, Parfum, Reinigungstücher und Pfotenbalsam. Die Produkte können einzeln, oder als Set gekauft werden.
Geworben wird mit KI-Bildern von Hunden mit Turban und Sonnenbrille, wie wenn der Vierbeiner gerade erst aus einer Spa-Behandlung gekommen ist. Doch sind diese Produkte wirklich für Tiere geeignet oder doch nicht gar schädlich?
Experten äussern Kritik
Die Produkte sollen speziell auf die Bedürfnisse von Hunden abgestimmt sein. Doch einige Konsumentinnen und Konsumenten äussern Kritik und Bedenken aufgrund der in den Produkten enthaltenen Duftstoffe.
Auch Fachpersonen der Universität Bern und der Universität Federico II in Neapel warnen vor Shampoo und Parfüm bei Hunden. Mit der schnellen Entwicklung des Marktes für Tierprodukte im Wellnessbereich kann die wissenschaftliche und rechtliche Regulierung laut den Forschern nicht mithalten. Dies zeigte auch ein Test von 22 Hundeshampoos: 12 Produkte fielen durch, schreibt Ökotest.
Die Haut der Tiere sei besonders empfindlich und häufiges Waschen könne die Hautbarriere und den Feuchtigkeitshaushalt schädigen. Generell sollten die Tiere so selten wie möglich gebadet werden.
Bei nicht gründlichem Auswaschen können die Rückstände Trockenheit und Reizungen verursachen. Dazu kommt, dass Hunde häufig ihr Fell lecken und somit Shampoo oder Pflegeprodukte aufnehmen. Ebenfalls sollte bei Parfums aufgepasst werden: Hunde haben einen empfindlichen Geruchssinn, weswegen die Düfte für die sensiblen Nasen unangenehm sein könnten und bei den Tieren Stress auslösen.
Laut der Experten sollte deswegen nur auf Produkte zurückgegriffen werden, die so wenig Duftstoffe wie möglich beinhalten, wenig Rückstände aufzeigen und kurze Trocknungszeiten haben. Bei der Hundepflege gilt zudem: Für die Fellpflege ist regelmässiges Bürsten entscheidend.
