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Beatles: John Lennon Zeichnungen zeigen seinen Einfluss auf Musikvideos

John Lennon der visionärste Beatle: Wie er in den 60ern das Musikvideo erfand

Mit einem experimentellen Zeichentrickfilm zur Promotion seines Songs hat Lennon in den Sechzigern ein Genre erfunden. Seine Bedeutung für die Popgeschichte ist grösser als angenommen.
09.06.2026, 20:3309.06.2026, 20:33
Daniele Muscionico
Daniele Muscionico
FILE - In this May 13, 1968 file photo, singer John Lennon appears during a press conference at the Hotel Americana in New York. (AP Photo, File)
John Lennon
John Lennon war nicht nur musikalisch kreativ.Bild: keystone

Der englische Sender BBC widmete der explosiven Meldung einen vorzüglichen Sendplatz: An einer Auktion in London sind unbekannte Zeichnungen des Musikers John Lennon ans Licht gekommen.

Es handelt sich um die nicht geringe Menge von 240 kleinformatigen knallig-bunten Blättern. Ihr Stil ist comicartig, minimalistisch, ironisch – genau so wie es Lennons Gesinnung war. Ein bisschen Gekritzel, eine eingängiger Witz, eine lose Zunge. Der Künstler gilt als einer der profiliertesten Gesellschaftskritiker und Aktivisten der Musikgeschichte.

John Lennons Zeichnungen: Ein spannender Fund nicht nur für John Lennon-Fans. 240 solcher Zeichnungen als Trickfilm montiert ergaben in den 1960ern eine Art früher Musik-Clip.
Ein spannender Fund nicht nur für John Lennon-Fans. 240 solcher Zeichnungen als Trickfilm montiert ergaben in den 1960ern eine Art früher Musik-Clip.Bild: Liverpool Beatles Museum

Als Mehrfachtalent hatte er bereits als Kind gezeichnet. Später allerdings blieb sein Kunststudium am Liverpool College of Art erfolglos, John galt als unkonzentriert und unmotiviert. Schliesslich stellte man ihn nach drei vertrödelten Jahren vor die Tür. Dort blieb er jedoch nicht lang. Lennon besass zu jener Zeit bereits eine Studentenband, kurz später gelang ihm der Durchbruch mit den «Beatles».

Ein popkulturelles Multitalent

Die Zeichnungen waren einem der wichtigsten Experten für Pop-Kultur- Memorabilien aufgefallen: Joseph Robert O’Donnell. Die meisten der Blätter aus den frühen 60er-Jahren galten bisher als verschollen.  O’Donnell stellte sie dem Beatles Museum in Liverpool zur Verfügung, wo sie nun in einer Sonderschau gezeigt werden.

Lennon schuf die Werke gemeinsam mit dem amerikanischen Künstler und Drehbuchautor Stephen Verona, den er in einem Pub in London kennengelernt haben soll. Verona hatte sich später einen Namen gemacht als Entdecker von Sylvester Stallone.

Der Filmemacher und der Musiker verband eine gemeinsame Begeisterung: Sie liebten es, so liess sich Verona einmal zitieren, mit Kugelschreiber auf weisse Papiertischdecken zu kritzeln.

Drawings created by John Lennon and artist Stephen Verona which were used in a promotional film to accompany the Beatles hit I Feel Fine in the 1960s, are on display at the Liverpool Beatles Museum. ( ...
Blick in die Sonderausstellung im Liverpool Beatles Museum.Bild: Getty

Der Fund der 240 Zeichnungen ist auch aus medienhistorischer Sicht interessant. Denn jedes Blatt enthält ein Wort aus dem Beatles-Song «I Feel Fine». John Lennon hatte ihn 1964 geschrieben, die Beatles stellten ihn im November 1964 auf ihrer achten Single vor. Er wurde ein Hit und blieb mehrere Wochen in den Charts.

240 Bildzeilen ergeben den gesamten Song: Lennon reihte die Blätter aneinander und montierte sie zu einem Promo-Kurzfilm. Er kombinierte die animierten Zeichnungen mit Musik und Text und gab dem Clip den Titel «She Said So». Für Historikerinnen und Historiker, und für Beatles- Fans ohnehin, gilt der rund zwei Minuten lange Zeichentrickkurzfilm als Vorläufer des Musikvideos. MTV für Anfänger.

Anerkennung von der Kunstwelt

Der popkulturelle Einfluss des Filmes war in der Tat gross. Bei Erscheinen wurde «She Said So» auf diversen internationalen Filmfestivals gezeigt und prämiert. Selbst die erste Kunstadresse Amerikas, das Museum of Modern Art in New York, erkannte Lennons Leistung und präsentierte den Clip gemeinsam mit etablierten Kunstwerken. Für die Geschichte der Pop-Art ist «She Said So» ein Experiment, das seiner Zeit voraus war.

Die originale Filmrolle befindet sich in der Library of Congress in Washington. Die Einzelbilder aber sind in Zukunft frei zugänglich und zeigen eindrucksvoll, dass die Geschichte der Fab4 noch lange nicht auserzählt ist. (aargauerzeitung.ch)

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