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Alter Schwede! Bill Skarsgård steckt erneut unter Hollywoods schrecklichster und wohl auch aufwendigster Maske. Und ist erneut genial als Pennywise. Bild: Warner Bros.

Review

«It Chapter Two» ist traumhaft traumatisch, ein Horror-Harry-Potter für Erwachsene

SPOILER ALERT! 2017 war das «It»-Remake 135 Minuten lang und super. 2019 ist sein Sequel 169 Minuten lang und genauso super. Wie grossartig ist das denn!



Nach über tausend Seiten endet die Mär des bösesten Clowns, der jemals über die Welt kam, mit Sätzen, so schön, dass man sie sich neben das Bett pinnen möchte. «Sei wahr, sei tapfer, steh auf. Alles andere ist Dunkelheit.» – «Es ist schön zu denken, dass die Sterblichkeit allen Mut erklärt – und auch die Liebe.»

Sätze, die mit tröstlicher Melancholie Einhalt gebieten im irren Getriebe und Gelächter der Welt. Sätze von Stephen King. Aus «Es». Oder «It». Sätze aus der zweiten Hälfte von Kings Horror-Epos. Das jetzt seinen eigenen Film erhalten hat. «It Chapter Two». Das Sequel zum letztjährigen «It»-Remake, das mehr Leute im Kino sehen wollten als jede andere Stephen-King-Verfilmung vorher.

Um es vorweg zu nehmen: Die schönen Worte mit der Wirkung einer schweren schwarzen Wolldecke in einer Winternacht fallen im Sequel (wieder unter der Regie von Andy Muschietti) nicht. Stephen King hat das Buchende fürs Kino etwas umgeschrieben, etwas handlicher gemacht. Hat den Nebel des Vergessens gelichtet, der sich im Buch über alles legt und die Schrecken von Derry so sehr verschleiert, bis die Betroffenen nicht mehr wissen, ob sie jemals stattgefunden haben oder bloss geträumt sind.

Der Trailer zu «It Chapter Two»

abspielen

Video: YouTube/Warner Bros. Pictures

«It Chapter Two» lässt sich so zusammenfassen: Ein paar Freunde brauchen dringend eine Therapie, kriegen sie und sind erlöst.

Oder anders: 2016, also 27 Jahre nachdem sieben Freunde in Derry, Maine, den menschenfressenden Clown Pennywise (Bill Skarsgård, noch immer die beste Besetzungsidee ever) zur Strecke gebracht haben, taucht dieser wieder aus der Kanalisation auf. Beisst einen jungen Schwulen (gespielt von Regisseur Xavier Dolan), der von Derrys rechtem Mob verprügelt und in den Fluss geworfen wurde, zu Tode. Und ein Kind verschwindet.

Hinter den Clowns warten die Spiegel auf Bill Denbrough (James McAvoy). Und ein bestimmter Clown. Der Clown aller Clowns. Der Nichtlustige. Bild: warner bros.

Mike (Isaiah Mustafa), der einzige der sieben sogenannten «Loser», der in Derry geblieben ist, ruft die andern zusammen. Sie kommen. Stotterer Bill (James McAvoy), der einst so dicke Ben (Jay Ryan), die schöne Beverly (Jessica Chastain), der lustige Richie (Bill Hader), Hygienefetischist Eddie (James Ransone). Nur Stanley fehlt. Für ihn ist die Konfrontation mit der Vergangenheit zu viel. Lieber schneidet er sich die Pulsadern auf.

Mike ist Bibliothekar und ein besessener Lokalhistoriker in Sachen Horrorclown geworden. Er glaubt an schamanische Rituale und besitzt eine Art Lampenschirm, mit dem er Pennywise einfangen will. Ein paar der andern sind jetzt erfolgreich. Bill ist Stephen Kings Alter Ego, also Bestsellerautor, und wird gerade auf einem Filmdreh gezwungen, sein eigenes Ende umzuschreiben. Eddie besitzt einen Limousinenservice und eine Frau, die seiner Mutter gleicht, jener Kolossin, die ihm erfolgreich allerlei Krankheiten einredete. Ben ist ein Architektenguru. Richie ein Komiker mit schlimmen Angstzuständen. Beverly – im Buch Designerin – eine missbrauchte Frau. Kurz: Alle ausser Ben bräuchten wirklich dringend eine Therapie. Was sie in Derry kriegen.

Pennywise, der in vielerlei Gestalt auftritt, ist nichts anderes als die Manifestation ihrer Urängste und Traumata, die Greuel, die er vollbringt, sind radikalisierte Verlängerungen menschlicher Verbrechen.

Was die Freunde sehen, sehen nur sie – und wir natürlich. Ein Glück, denn die Ausstatter und Computer-Animateure haben alles gegeben und mit kindlicher Freude und Fantasie kleine und grosse Monster, diverse Spukhäuser, traumhafte Arrangements aus roten Ballonen und ein Spiegelkabinett des Vollgrauens geschaffen: Noch nie schleckte eine Zunge unheimlicher über Glas als die des Clowns. Und nie mehr werden wir nach diesem Film einen Glückskeks ohne Furcht aufbrechen können.

Da nützt auch Ohrenzuhalten nichts: Beverly Marsh (Jessica Chastain) hat nichts Gutes vor sich. Bild: Warner Bros.

Von den grossen Schrecken wie der Blutflut, der sich Beverly erneut stellen muss, ganz zu schweigen. Wochenlang musste die arme Jessica Chastain dafür wieder und wieder in klebriges Rot abtauchen, dabei hatte sie gehofft, die Szene an einem Tag hinter sich zu bringen. Ach ja, und wer unter Arachnophobie leidet – nach diesem Film wird es eher noch schlimmer, der Clown verwandelt sich, so will es ja das Buch, natürlich auch noch in etwas Spinnenbeiniges.

«It Chapter Two» ist sowas wie ein Horror-Harry-Potter für Erwachsene, ein Zauberreich des Fürchterlichen, in dem die erwachsenen Freunde immer mehr zu Kindern regredieren.

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Auch ihre Rituale, mit denen sie dem Bösen begegnen, werden immer einfacher und formelhafter. Denn nur wenn sie zu jenem Punkt zurückfinden, an dem ihr Leben auf der Schwelle von Unschuld zu Schuld stand, finden sie genug Kraft, um Pennywise zu überwältigen.

Nur gemeinsam sind sie stark. Und natürlich sind sich Stephen King, Andy Muschietti und der Cast völlig einig darin, gegen wen sich die Menschen heute denn gemeinsam stark machen sollten: gegen jene Kräfte, die andere in die Abflussrinne der Gesellschaft bugsieren. So wie einst Bills Bruder Georgie, mit dessen Tod im Abwasserkanal «It» begann.

«You lied and I died» schreit Georgies Gespenst jetzt seinem erwachsenen Bruder wieder und wieder entgegen. Du logst und ich starb. Ein Schlüsselsatz über Schuld und Unschuld, den sich nicht nur die Clowns dieser Welt merken sollten.

«It Chapter Two» ist ab dem 5. September im Kino zu sehen.

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24
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    Alle Leser-Kommentare
  • snowleppard 04.09.2019 12:54
    Highlight Highlight Na ... ich bleib bei meinem bösesten, fiesesten und coolsten Film-Monster Jeepers Creepers. Der Clown würde ihm bestimmt schmecken :-)
    Green Mile und Shawshank Redemption sind um Meilen besser als ES - wegen den Geschichten.
    ES ist auch cool, aber etwas weniger.
  • Hipster mit Leggins 04.09.2019 10:35
    Highlight Highlight wann haben Hollywood und Netflix neue Ideen und recyclen nicht immer die gleichen alten Geschichten... Heute gesehen: Between two ferns... the film
  • Milf Lover 03.09.2019 23:01
    Highlight Highlight Ich habe immer noch angst von solchen Filmen. Darum schaue ich lieber Family Guy. Viel Spass euch.
  • Viktor mit K 03.09.2019 22:15
    Highlight Highlight Der 1. Teil von IT ist übrigens auf Netflix😉
  • edögähn 03.09.2019 22:04
    Highlight Highlight "...Hollywoods...wohl auch aufwendigster Maske."
    Darauf wird im Artikel gar nicht eingegangen.
  • G. Samsa 03.09.2019 22:03
    Highlight Highlight Als grosser King-Fan freue ich mich riesig auf den Film! Ich glaube man darf den „alten“ Pennywise nicht mit dem „neuen“ vergleichen.
    Wenn man sich auf den neuen Clown einlässt ist dieser genauso gruselig wie es der alte war. Oder sogar tatsächlich besser.

    Das Buch kann ich jedem empfehlen. Die Filme sind der Knaller, das Buch schlichtweg genial.

    Hier fliegen alle! Und ich will für einen Moment mit Pennywise mitfliegen und mich schaurig schön gruseln lassen!
  • Fehler beim Bearbeiten der Anfrage vong OLAF her 03.09.2019 21:35
    Highlight Highlight So gemein, ich kann diese revew erst lesen, wenn ich den film gesehen habe. Und dann ist die kommentarfunktion zu. Habe jetzt den artikel gemerkt. Aber frau meier, ihre reviews sind immer tiefgründig. Auch diese wird wieder toll sein!

    Ich freue mich jedenfalls auf den zweiten It, horrormovies im kino sind was ganz anderes. So lustig! Alle müssen lachen, wenn etwas sehr plump daherkommt.
  • Sonnenbankflavor 03.09.2019 21:09
    Highlight Highlight Also ich finde Tim Curry hat Pennywise am besten verkörpert!
    • Tooto 04.09.2019 09:16
      Highlight Highlight Die Konkurrenz ist ja auch nicht so gross.

      Ich finde bisher beide Schauspieler bei der Verkörperung von Pennywise genial.
  • Mooncat 03.09.2019 21:09
    Highlight Highlight Ugh. Ich hab Teil 1 gerade erst letzte Woche geschaut - und war bitter enttäuscht. Pennywise war viel zu überzeichnet gespielt und den Begegnungen der Kinder mit ihm fehlte der Horror, dafür war es viel zu ‚in the face‘ anstatt dass die Spannung richtig aufgebaut wurde.
    Kurz: der erste Teil des Remakes kam für mich nie und nimmer an den 1. Teil des Originals an.
    Allerdings, den zweite Teil vom Original fand ich immer extrem schwach, von daher muss dieses Remake schon extrem viel anstellen, um schlechter zu sein. Von daher, ja, schauen werde ich den Teil sicher auch, zwangsläufig.
    • Hupendes Pony 03.09.2019 22:22
      Highlight Highlight Bin total mit dir. Lass dich nicht von den Blitzen verunsichern...

      Versteh auch nicht wieso IT so gehypt wird.. aber ja was kann man von jemanden, der " Once Upon a Time... in Hollywood" schlecht fand, auch erwarten..
    • MaskedGaijin 03.09.2019 23:29
      Highlight Highlight Sehe es ähnlich. Fand Pennywise überhaupt nicht überzeugend, was denn ganzen Film dann ein bisschen "meh" machte.
  • iisprinzässin 03.09.2019 20:48
    Highlight Highlight Die Bildstrecke ist ziemlich interessant, aber fehlt da nicht die erste Verfilmung von Es? Oder war Christine wirklich erfolgreicher?
    • tr3 03.09.2019 23:47
      Highlight Highlight War ein Fernsehfilm
    • iisprinzässin 04.09.2019 07:12
      Highlight Highlight @tr3 Es ging um die kommerziell erfolgreichsten Filme, von Kino steht nichts. Und, lief Cujo damals echt im Kino? Ö.o
    • tr3 04.09.2019 10:17
      Highlight Highlight Kommerziell erfolgreich impliziert Ticketverkäufe. Ausserhalb von Kinos eher schwierig.

      Und zu deiner Frage: ja
  • iisprinzässin 03.09.2019 19:35
    Highlight Highlight "wohl auch aufwendigster Maske" ...?

    (Tim Curry, erster Es-Darsteller im Bild als Bösewicht in Legende)
    Benutzer Bild
  • esmereldat 03.09.2019 19:27
    Highlight Highlight Ich freu mich!
  • dommen 03.09.2019 19:23
    Highlight Highlight Ich fand den ersten... naja. Kann man den zweiten Teil trotzdem mögen?
  • Fumia Canero 03.09.2019 19:18
    Highlight Highlight "Beverly – im Buch Designerin – eine missbrauchte Frau" - da habe ich wohl verpasst, dass "missbrauchte Frau" inzwischen eine offizielle Berufsbezeichnung geworden ist.
  • DieFeuerlilie 03.09.2019 18:59
    Highlight Highlight Ihr seid ja lustig..

    Ok, Trump ist definitiv ein Horrorclown.. 😁, aber diese Filmkritik als ‘Neuen Artikel zum Thema Donald Trump‘ zu bezeichnen, ist mutig.. 🤪
    Benutzer Bild
  • rundumeli 03.09.2019 18:33
    Highlight Highlight mädels mögen ... statistisch gesehen ... horrorfilme überdurchschnittlich.

    "Von den grossen Schrecken wie der Blutflut, der sich Beverley erneut stellen muss, ganz zu schweigen. Wochenlang musste die arme Jessica Chastain dafür wieder und wieder in klebriges Rot abtauchen"

    wieso ... kann mir das mal jemand erklären ?
    • iisprinzässin 03.09.2019 22:28
      Highlight Highlight Ich halte das für meilenweit übertrieben.
  • Allion88 03.09.2019 18:23
    Highlight Highlight Selten habe ich mich so auf einen film gefreut. Das buch habe ich mind. Schon 3-4x gelesen. Im 1. Teil haben zwar ein paar passagen gefehlt, trotzdem war die verfilmung echt gut gelungen.

Volksproblem «Frau auf Samenjagd» (wenn ihr jetzt nicht klickt, verpasst ihr was)

Sie arbeitet für «Deville Late Night», schrieb «Bestatter»-Folgen und hat in Locarno ihre erste Kinokomödie auf der Piazza Grande laufen. Natascha Beller ist das grosse neue Schweizer Regiegesicht 2019.

Es ist ganz einfach: Wenn in der Schweiz was besonders lustig ist, steckt garantiert Natascha Beller mit dahinter. Zum Beispiel hinter dem bald dreizehn Millionen Mal auf YouTube angeklickten Video «Switzerland Second». Zum Beispiel auch hinter «Deville Late Night» auf SRF, der Kollektiv-Küche, aus der dieses Video kommt.

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