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Coronavirus: Können diese Putzmittel effektiv desinfizieren?

Desinfektionsmittel, die eine viruzide Wirkung haben, sind derzeit sehr gefragt. Es gibt jedoch noch andere Möglichkeiten, das Coronavirus von Oberflächen zu entfernen. 

Jennifer Buchholz / t-online



[Stockbild]  Housework. Hausarbeit. Woman. Frau. Bathroom. Badezimmer. Lavabo. Waschbecken. Clean. Grooming. Putzen. Sponge. Schwamm.  (KEYSTONE/Ayse Yavas) === ,  === : DIA,  Nr. 156977]

Putzen ist ja gut, aber killt es auch die Viren? Bild: KEYSTONE

Ein Artikel von

T-Online

Nicht nur in der Öffentlichkeit, auch in den eigenen vier Wänden wollen viele die Ansteckungsgefahr durch das Coronavirus reduzieren und desinfizieren hierzu sämtliche Oberflächen. Geeignete Mittel zur Oberflächenreinigung sind in Supermärkten oder Drogerien während der Corona-Krise phasenweise schwer erhältlich. Doch es gibt noch andere Substanzen, die das Coronavirus entfernen – viele von ihnen sind in einigen Reinigungsmitteln sogar bereits enthalten. 

Desinfektionsmittel können Reinigungsmittel nicht ersetzen. Sie beseitigen zwar das Coronavirus, jedoch nicht den Schmutz.

Abwaschmittel gegen Coronaviren?

Das Coronavirus ist ein behülltes Virus. Es besteht unter anderem aus Eiweiss und Erbinformationen, die von einer Fettschicht (Lipiden) umhüllt sind. Wird diese Hülle zerstört, kann auch das Virus nicht überleben. Tensidhaltige Reiniger enthalten Substanzen, die genau diesen Effekt auch auf das Coronavirus haben.

Das ist ein Grund, weshalb Handseife und ein intensives Händewaschen das Ansteckungsrisiko für Covid-19 reduzieren. Besonders Spülmittel hat eine hohe fettlösende Eigenschaft. Daher eignet sich das Reinigungsmittel besonders gut gegen Coronaviren, erklärt Virologin Prof. Dr. Ulrike Protzer im Interview mit dem deutschen Sender Bayern 1.

So lange überlebt SARS-CoV-2 auf:

Kunststoff: bis zu 72 Stunden
Edelstahl: bis zu 48 Stunden
Karton und Papier: bis zu 24 Stunden
Kupfer: bis zu vier Stunden
Quelle: RKI

Alkoholreiniger zerstört die Virushülle

Wie auch die tensidhaltigen Reiniger zerstört Alkohol (Ethanol, Isopropylalkohol) die fetthaltige Virushülle. Wichtig ist, dass der Alkoholanteil im Putzmittel bei mindestens 60 bis 70 Prozent liegt.

Allerdings können Sie nicht jeden Gegenstand mit Alkoholreiniger desinfizieren. Einige Materialien vertragen das Mittel nicht – sie gehen kaputt oder verändern ihre Oberflächenstruktur. Testen Sie daher vorab an einer kleinen Stelle, ob Sie den Gegenstand mit dem alkoholhaltigen Mittel reinigen können.

Mit Bleichmittel gegen Viren

Ob die Toilette im Bad oder die Arbeitsplatte in der Küche: Mit Wasserstoffperoxid werden diese Oberflächen frei von Bakterien und Viren. Die Flüssigkeit ist eine Verbindung aus Sauerstoff und Wasserstoff. 

Wasserstoffperoxid wird jedoch nicht nur als Desinfektionsmittel gegen Viren, Bakterien und Salmonellen eingesetzt. Auch als Bleichmittel – beispielsweise für Haare oder Zähne – oder in Mitteln zur Schimmelentfernung findet sich der Wirkstoff. Hochkonzentriert kann es der Gesundheit jedoch schaden: Durchfall , Erbrechen, Verätzungen auf der Haut und Kreislaufprobleme sind nur einige der Symptome. Bei der Verwendung des Mittels sollten Sie daher unbedingt einen Hautkontakt vermeiden und es zudem stets verdünnt anwenden.

Laut einer Studie von Prof. Dr. Günter Kampf vom Institut für Hygiene und Umweltmedizin der deutschen Universität Greifswald reicht bereits eine 0.5-prozentige Lösung aus, um das Ansteckungsrisiko mit Coronaviren deutlich zu senken. Für den Hausgebrauch wird häufig eine 3-prozentige Lösung verwendet.

Wundheilmittel aus der Zahnmedizin

In vielen Haushaltsreinigern, die eine bleichende und desinfizierende Wirkung haben, ist Natriumhypochlorit enthalten. Zusätzlich wird es zum Entfernen von Schimmel eingesetzt.

«Wer benutzt gern Zahnseide?»

Video: watson/Emily Engkent

Doch auch nach einer Wurzelkanalbehandlung können Patienten eine Natriumhypochlorit-Lösung benutzen, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ). Sie kann die Wundheilung fördern. Doch der pharmazeutische Wirkstoff aus der Zahnmedizin hilft laut der Studie auch gegen Coronaviren. Hier reiche bereits eine 0.1-prozentige Lösung zur Oberflächendesinfektion aus.

Einwirkzeit beachten

Studienleiter Kampf erklärt, dass vor allem drei Wirkstoffe nachweislich gegen das Coronavirus helfen: Ethanol, Natriumhypochlorit und Wasserstoffperoxid. Diese Mittel wirken gegen behüllte Viren, zu denen auch SARS-CoV-2 zählt. Bereits Mittel, die «begrenzt viruzid» sind, könnten somit das Coronavirus von Oberflächen teilweise entfernen, auch wenn dies von den Herstellern nicht ausdrücklich ausgewiesen sei. Wichtig ist die Einwirkzeit von mindestens einer Minute. 

Bei der Verwendung der Reinigungsmittel sollten Sie immer Handschuhe tragen. Zudem sollten Sie anschliessend ausgiebig lüften und die Oberflächen nach der entsprechenden Einwirkzeit mit klarem Wasser abspülen.

Wie wird Wäsche virenfrei?

Ist ein Infizierter bei Ihnen im Haushalt oder waren Sie selbst mit dem Coronavirus infiziert, sollten Sie die Wohnung sowie Wäsche und Kleidung regelmässig gründlich reinigen. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sollten Sie beim Saubermachen jedoch nicht zu den antibakteriellen Reinigern und Putztüchern aus dem Supermarkt oder der Drogerie greifen. Diese Mittel haben häufig nur eine antibakterielle und keine viruzide Wirkung.

Waschmaschine (Shutterstock)

Sinnvoller ist es, Wäsche und andere Textilien bei mindestens 60 Grad in der Maschine zu waschen. Ein Hygienespüler ist nicht notwendig. Ein bleichmittelhaltiges Vollwaschmittel reicht aus, so das BZgA. 

Wenn nur eine Person im Haushalt erkrankt ist, sollten Sie Ihre Wäsche separat aufbewahren und waschen. Der britische Gesundheitsdienst National Health Service (NHS) rät zudem dazu, die schmutzige Wäsche vor dem Waschen auszuschütteln – idealerweise an der frischen Luft, damit sich die Viren nicht weiter im Raum ausbreiten können. 

Tipp: Waschen Sie Ihre Hände, nachdem Sie die Textilien und Gegenstände anfassen, die der Infizierte benutzt oder angefasst hat.

Regelmässiges Lüften

Neben einer umfangreichen Reinigung aller Oberflächen und Textilien gibt es noch eine weitere Massnahme gegen das Coronavirus: Richtiges Lüften  kann das Ansteckungsrisiko reduzieren. 

Unabhängig davon, ob sich eine erkrankte Person in Ihrem Haushalt befindet oder nicht, sollten Sie Zimmer regelmässig lüften. Das rät auch das Robert Koch-Institut. Durch den intensiven Luftaustausch beim Stosslüften verändert sich die Zusammensetzung der Raumluft und kann die Verweildauer der aktiven Viren in der Luft verringern. Das bedeutet: mehr Sauerstoff und eine bessere Luftzirkulation. Letzteres ist vor allem für die teilweise durch die Heizungsluft ausgetrockneten Schleimhäute sinnvoll.

Eine Studie des Health Effects Laboratory der Universität in West Virginia, USA zeigte, dass eine hohe Luftfeuchtigkeit zumindest die Infektiosität von Grippeviren reduzieren kann. Ob dies auch auf Coronaviren zutrifft, wird zurzeit noch erforscht. Das Virus hält sich allerdings gut in einer feuchten Umgebung.

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14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • atorator 27.06.2020 12:37
    Highlight Highlight Javel drüber und gut ist.
    • Cita74 27.06.2020 14:12
      Highlight Highlight Genau 😉. Kleine Anmerkung am Rande: Natriumhypochlorid wird u. Anderem auch Javel genannt.
    • atorator 28.06.2020 08:04
      Highlight Highlight In Chemie und geometrischen Zeichen war ich immer eine Pfeiffe. Danke für das Wissen. Werde ich nun bei jedem Smalltalk einflechten. ;-)
  • wilhelmsson 27.06.2020 08:03
    Highlight Highlight Ein Virus ist per Definition kein Lebewesen, da er sich nicht selbst fortpflanzen kann. Dafür braucht es eine Wirtszelle. Man spricht deshalb von Partikeln, die weder überleben noch sterben können. Studien untersuchen einerseits, wie lange Viren auf Oberflächen infektiös bleiben und andererseits, wie lange sie grundsätzlich nachweisbar bleiben. Coronaviren besitzen eine Virushülle/Capsid aus verschiedenen Membranproteinen, die je nach Behandlung denaturieren, d. h. ihre Form verändern, wodurch das Capsid zerstört wird.
    • wilhelmsson 27.06.2020 08:24
      Highlight Highlight Coronaviren sind nebst den Proteinen von Membranlipiden umüllt, weshalb auch fettlösliche Mittel das Virus zerstören.
  • LURCH 26.06.2020 17:10
    Highlight Highlight Judihui, ab ins Wochenende zur Desinfektion.
    Hol mir mal ne Flasche Bier dann desinfizier ich hier.


    Play Icon
  • aglio e olio 26.06.2020 12:39
    Highlight Highlight Zu den Waschmitteln und dem Tip bei min 60 Grad Celsius zu waschen.
    Waschmittel sind ja auch tensidhaltig. Sollte dies dann nicht auch bei tiefen Temperaturen funktionieren?
    Ich wasche bei 20 Grad Celsius, der Energiespareffekt ist immens.
    • MasterPain 26.06.2020 12:59
      Highlight Highlight Doch. Bei tensidhaltigem Waschmittel reichen auch tiefe Temperaturen
  • Thomas Oetjen 26.06.2020 12:18
    Highlight Highlight Jede Seife oder Seifenmittel hilft. Seife löst fett. Der Virus ist von einer Fettschicht umgeben, ohne die er nicht existieren kann. Simpel und effektiv.
  • Kugelblitz 26.06.2020 11:03
    Highlight Highlight So viel aus der Rubrik: Wie züchte ich zuhause Krankenhauskeime.
  • Maya Eldorado 26.06.2020 10:45
    Highlight Highlight Wie ist es eigentlich mit Kristallsoda. Die wirkt doch extrem entfettend.
    Ich kann mir vorstellen, dass sie das Virus auch effizient töten kann.
    Ich möchte gerne eine kompetente Antwort.
    • Ricardo Santiago 26.06.2020 11:40
      Highlight Highlight Alles was fettlösend ist zerstört die Lipidhülle des Virus und zerstört dieses.

      Kristallsoda ist sehr alkalisch, also sehr gut fettlösend = antiviral, als Backofenreiniger gut geeignet und zum Wäschewaschen gibt es diverse Angebote, sollte aber besser mit Handschuhen verarbeitet werden und Augen- oder Schleimhautkontakt sollte vermieden werden.

      Reinigungsbenzin welches zum Entfetten als Vorbereitung zum kleben benutzt wird, ist extrem effizient. Man sollte es aber nur zum Kleberreste entfernen auf der Haut anwenden, da es der Haut das Fett entzieht und diese dann trocken wird.
  • Turicum04 26.06.2020 09:51
    Highlight Highlight Darum trinke ich jetzt mehr Alk!
    • tolgito 26.06.2020 15:53
      Highlight Highlight Aber nur alles was über 70% ist hoffentlich? Alles darunter ist eh für Warmduscher

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