Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
HANDOUT --- Auf der A3 bei Effingen prallte am Mittwoch, 27. November 2019, ein Automobilist mit massiver Wucht ins Heck eines anderen Wagens. Dieser wurde nach vorne gegen einen Lastwagen geschoben und zerquetscht. Fuer die Insassen des Autos kam jede Hilfe zu spaet. Es kamen drei Personen ums Leben. Der Unfallverursacher wurde festgenommen. Die Autobahn blieb ueber Stunden gesperrt. (Kantonspolizei Aargau) *** HANDOUT; NO SALES; DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN

So präsentierte sich die Situation nach dem Unfall. Bild: Kantonspolizei Aargau

War der Horror-Crash vor dem Bözbergtunnel ein Suizid-Versuch?

Nach dem schweren Unfall vor dem Bözbergtunnel wurde der Unfallverursacher in die Psychiatrie gebracht. Das ist untypisch.

Noemi Lea Landolt / ch media



Wegen einer Baustelle war am Mittwochmorgen die Überholspur auf der A3 in Richtung Zürich gesperrt. Der Fahrer eines Porsche Cayenne lenkte seinen sportlichen Geländewagen im letzten Moment auf die rechte Spur, streifte einen Sattelschlepper und prallte danach ins Heck eines roten Renaults.

Dieser wurde gegen das Heck eines Anhängerzugs gedrückt und zwischen den beiden Fahrzeugen zerquetscht. Für die drei Personen im Renault kam jede Hilfe zu spät. Die Leichen wurden später auf dem A3-Werkhof in Frick AG aus dem Wrack geborgen.

Am Tag nach dem Unfall steht die Identität der Opfer fest. Es handelt sich um eine 55-jährige Frau und zwei Männer im Alter von 64 und 42 Jahren aus Basel. Der Unfallverursacher, ein 45-Jähriger mit Wohnsitz im Aargau, blieb unverletzt. Die Polizei hat ihn am Mittwoch an der Unfallstelle verhaftet. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren wegen mehrfacher vorsätzlicher oder fahrlässiger Tötung eröffnet.

Normalerweise werden Unfallverursacher – sofern sie nicht verletzt sind oder Fahrerflucht begangen haben – in Polizeigewahrsam genommen und befragt. In diesem Fall wurde der Unfallfahrer nach einer Kontrolle im Spital in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Er habe noch nicht befragt werden können, sagte Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, gestern. «Wir werden dies tun, sobald er vernehmungsfähig ist.»

Warum der Mann in die psychiatrische Klinik gebracht wurde, ist unklar. «Über eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik entscheidet nicht die Staatsanwaltschaft, sondern ein Arzt», sagt Strebel. Ärzte können Personen zum Beispiel in eine psychiatrische Klinik einweisen, wenn diese sich selbst oder andere gefährden.

Gemäss «Tele M1»-Recherchen könnte es sich beim Unfall auch um einen Suizid-Versuch des Unfallfahrers handeln. Der Mann sei akut suizidgefährdet gewesen und habe kurz vor dem Unfall damit gedroht, sich umzubringen. Im «Blick» sagten Angehörige, der Mann sei seit der Trennung von seiner Frau «durch den Wind» und stehe psychisch unter Druck. «Die Staatsanwaltschaft äussert sich nicht zu Mutmassungen», teilt Strebel mit.

HANDOUT --- Auf der A3 bei Effingen prallte am Mittwoch, 27. November 2019, ein Automobilist mit massiver Wucht ins Heck eines anderen Wagens. Dieser wurde nach vorne gegen einen Lastwagen geschoben und zerquetscht. Fuer die Insassen des Autos kam jede Hilfe zu spaet. Es kamen drei Personen ums Leben. Der Unfallverursacher wurde festgenommen. Die Autobahn blieb ueber Stunden gesperrt. (Kantonspolizei Aargau) *** HANDOUT; NO SALES; DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN

Ein Polizist untersucht die Unfallstelle auf der A3. Bild: Kantonspolizei Aargau

Dunkelziffer der Suizide im Strassenverkehr ist hoch

Dass sich Menschen im Strassenverkehr das Leben nehmen, indem sie absichtlich einen Unfall verursachen, ist sehr selten. Rechtsmedizinerin Saskia Gauthier, Oberärztin am Kantonsspital Aarau, hat zusammen mit anderen Autoren solche Suizide untersucht. Sie haben die Akten aller rechtsmedizinisch untersuchten Suizide in der Schweiz zwischen 2000 und 2010 analysiert.

Von den insgesamt 4855 Fällen haben sich 53 Personen im Strassenverkehr das Leben genommen, was einem Anteil von rund einem Prozent entspricht. Es müsse aber von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da viele Suizide als Unfall missinterpretiert würden, schreiben sie. Die Studie zeigt, dass die meisten Opfer nach einer Kollision mit einem anderen Auto oder einem Lastwagen gestorben sind. Weniger häufig fuhren sie in einen Baum oder ein anderes Hindernis.

Lass dir helfen!

Du glaubst, du kannst eine persönliche Krise nicht selbst bewältigen? Das musst du auch nicht. Lass dir helfen. In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.
Die Dargebotene Hand: Tel.: 143, www.143.ch
Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel.: 147, www.147.ch
Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch

Die Wissenschafter beschreiben das Phänomen nicht nur, sie zeigen auch mögliche Präventionsansätze auf. Die Methode sei nämlich nicht nur für den Suizidenten, sondern auch für Unbeteiligte lebensgefährlich. In 6 der untersuchten 53 Schweizer Fällen kamen unbeteiligte Personen ums Leben – das ist viermal häufiger als bei anderen Suizidmethoden.

Neue technologische Fahrassistenzsysteme könnten helfen, Suizide zu verhindern. Gleichzeitig sei es auch wichtig, Mitarbeitende des Gesundheitssystems für diese Suizidmethode zu sensibilisieren, «um insbesondere bei Überlebenden von Verkehrsunfällen die Möglichkeit eines Suizidversuchs als Unfallursache in Betracht zu ziehen».

Die Wissenschafter sind der Ansicht, dass jeder tödliche Autounfall routinemässig von einem interdisziplinären Team untersucht werden und Suizid als Grund für den Unfall mindestens in Betracht gezogen werden müsste. In Finnland wird dies bereits getan. Dort ist der Anteil der Suizide im Strassenverkehr auf fast zehn Prozent gestiegen.

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Aktuelle Polizeibilder:

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
6 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Vanessa_2107
28.11.2019 22:00registriert February 2017
Es muss nun schrecklich sein, drei Menschen auf dem Gewissen zu haben. Was für eine Hypothek! Die These mit Selbstmord habe ich Mühe zu glauben.
293
Melden
Zum Kommentar
DrDeath
29.11.2019 04:22registriert December 2018
Der Unfall muss nicht zwangsläufig ein (erweiterter) Suizidversuch gewesen sein. Wenn Verdacht auf Suizidgefahr aufkommt, z.B. beim Polizeiverhör, wird man eingewiesen, egal ob man's schon versucht hat oder nicht. Da langt es im Zweifelsfalle schon wenn du sagst "Mein leben hat keinen Sinn mehr". Zumal, als ihn klar wurde was er da angerichtet hat, wurde sein Zustand sicher nicht besser.
243
Melden
Zum Kommentar
6

Kommentar

7500 CHF für jeden? Weshalb Helikopter-Geld gar keine so blöde Idee ist

Die vermeintliche Schnapsidee von ein paar Bürgerinnen und Bürgern aus der Ostschweiz hat einen seriösen Hintergrund in der ökonomischen Theorie.

7500 Franken soll die Schweizerische Nationalbank (SNB) an alle Einwohnerinnen und Einwohner mit Schweizer Bürgerrecht verteilen, bar auf die Hand. Das fordern sieben St.Gallerinnen und St.Galler und wollen eine entsprechende Volksinitiative einreichen. Ein vorgezogener Fasnachtsscherz, mögen die meisten gedacht haben, wohl auch die 70 Prozent watson-User, die von der Idee begeistert sind.

Wer an einen Jux glaubt, liegt jedoch gleich doppelt falsch. Erstens ist die Ostschweizer Fasnacht nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel