Schweiz
Aargau

Aargauer Schule führt Deutsch-Pflicht auf Pausenplatz ein

Aargauer Schule führt Deutsch-Pflicht auf Pausenplatz ein – einer Partei gefällt das sehr

Die Kreisschule Reinach-Leimbach hat nach zwei kleineren Vorfällen eine Deutsch-Pflicht auf den Pausenhöfen eingeführt. Jetzt ist darüber ein Streit ausgebrochen.
15.11.2022, 14:2215.11.2022, 15:32
Jürg Krebs / ch media
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Seit Ende Oktober darf auf dem gesamten Schulareal der Kreisschule Reinach-Leimbach offiziell nur noch Hochdeutsch oder Schweizerdeutsch gesprochen werden. Auslöser waren unter anderem Schweizer Kindergärtler, die von ihren Gspähndli Albanisch gelernt hatten.

Die ganze Geschichte liest du hier.

Die Junge SVP Aargau sorgt sich darum um den Bildungsstand der Schülerinnen und Schüler. Deren Präsident Romon Hug wettert:

«Albanisch und andere Fremdsprachen haben auf dem Pausenplatz nichts verloren, sonst fühlen sich die Schweizer Kinder bald fremd im eigenen Land. Ich bin dankbar, dass die Schulleitung durchgegriffen hat.»

Mit Schulleitung sind die Verantwortlichen der Kreisschule Reinach-Leimbach gemeint. Sie haben Ende Oktober festgelegt, dass auf dem Pausenplatz nur noch Deutsch gesprochen werden darf. Der Massnahme vorausgegangen sind zwei Vorfälle:

  • Ein Kindergärtler soll auf dem Turm eines Spielschlosses mit zwei anderen Jungen Albanisch gesprochen haben. Der Kindergärtler habe auf Nachfrage eines Lehrers in Wynentaler Mundart erklärt, dass ihn die anderen sonst nicht verstehen würden. Der Kindergärtler hatte folglich Albanisch gelernt.
  • Beim Spielen habe es eine Grüppchenbildung von drei Kindern gegeben. Diese hätten Italienisch gesprochen, aber sehr wenig Deutsch.

Für die Junge SVP sind diese Vorkommnisse im Wynental gefährliche Anzeichen. Bildung sei «der wichtigste Grundpfeiler der Wirtschaft und der Demokratie eines Landes», wie die Partei in einer Medienmitteilung schreibt. Kinder müssten von der bestmöglichen Bildung profitieren können. Die Junge SVP zeigt sich überzeugt, dass Fremdsprachen auf dem Pausenplatz oder in den Schulzimmern zur Folge hätten, dass Schweizer Kinder weniger beachtet oder gar ausgegrenzt würden. Deshalb dürfe die Fremdsprache, die Kinder in der Familie sprechen würden, an der Schule keinen Platz erhalten.

Die Folgerung von Junge SVP-Mitglied Cedric Meyer:

«Die Einführung der Deutschpflicht ist eine sinnvolle Massnahme.»

So könne «Schweizer Kindern ein gewohntes Umfeld» geboten werden. Zudem werde dadurch «die Integration der ausländischen Kinder gefördert», um diesen gute Chancen in der Schule und auf dem Arbeitsmarkt zu geben.

Schliesslich fordert die Junge SVP: Im Aargau soll die generelle Einführung der Deutschpflicht an öffentlichen Schulen geprüft werden.

Die Meinung der Jungen SVP ist umstritten. Kurz nach Bekanntwerden der Massnahmen an der Kreisschule Reinach-Leimbach reagierten Politikerinnen und Politiker verschiedenster Couleur. SP-Grossrätin Lelia Hunziker unterstellt der Schulbehörde, mit zweierlei Mass zu messen. Hätte dasselbe Kind von seinen Kameraden Englisch gelernt hätte, wäre das gelobt worden, so Hunziker:

«Aber weil es Albanisch war, wird dies nun kritisch gesehen und die Schule erlässt den Deutschbefehl für den Pausenplatz.»
Aargauer SP-Grossrätin Lelia Hunziker
Lelia HunzikerBild: pd

EVP-Grossrat Uriel Seiber, selber einst Lehrer im Aargau, hält fest: «Der Pausenplatz ist auch ein Lernraum, dort lernen Kinder und Jugendliche viel Wortschatz, der im Deutschunterricht nicht vermittelt wird.»

Doch es gibt auch Sympathien für die Kreisschule Reinach-Leimbach. Etwa von FDP-Grossrat Titus Meier:

«Wer gut Deutsch spricht, hat einen klaren Vorteil, deshalb finde ich die Anordnung der Schule Reinach grundsätzlich richtig.»

Man müsse allerdings mit Augenmass vorgehen. Man könne nicht von einem Kind erwarten, von heute auf morgen Deutsch zu können. Und von Strafen in diesem Zusammenhang hält Meier nichts.

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Lustig, doofe Schweizerdeutsche Sprüche
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177 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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M. mit Stil
15.11.2022 14:38registriert September 2022
Respekt für den vifen Kindergärtler, der kurzerhand Albanisch gelernt hat, um sich mit seinen Gspändli verständigen zu können
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einmalquer
15.11.2022 14:41registriert Oktober 2017
Der Kindergärtler lernte Albanisch, statt dass er das andere Kind einfach mobbte und ausgrenzte. Tolle Aktion von ihm.
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Hamudi Dudi
15.11.2022 14:44registriert September 2019
Bei uns durfte man früher auch nicht in Fremdsprachen untereinander sprechen, damit man nicht über andere Schüler und Lehrer herziehen konnte, ohne dass sie davon etwas mitkriegen. Zumindest im Klassenzimmer galt diese Regel. An die Situation auf dem Pausenhof kann ich mich nicht mehr erinnern.

Muss auch sagen, dass es extrem unangenehm ist, wenn man einem Gespräch zuhört, bzw. es versucht, und jemandem dein Name rausrutscht und man dann weiss, dass man Thema war.
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