Schweiz
Arbeitswelt

Migros verlängert Öffnungszeiten bis 22.30 Uhr

Die Verkaeuferinnen Stefania Kaufmann, rechts, und Arbenita Dalipi, links, bedienen Kunden in der Migros am Limmatplatz, am Donnerstag, 17. Februar 2022 in Zuerich. Der Bundesrat hebt per Donnerstag f ...
Müssen neu bis 21 Uhr an der Kasse sitzen: Mitarbeiterinnen im Migros-Supermarkt Zürich Limmatplatz.Bild: KEYSTONE

Einkaufen bis 22.30 Uhr: Migros öffnet im Kampf gegen Coop Läden länger

Der Detailhändler öffnet im Kampf gegen Coop und Co. Dutzende Filialen früher am Morgen oder schliesst sie später am Abend. Kritik an den Arbeitsbedingungen lässt er nicht gelten.
22.10.2026, 07:2722.10.2026, 07:27

Migros-Kunden haben seit Kurzem länger Zeit, um ihre Einkäufe zu erledigen, vor allem im Raum Zürich. Die Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) hat per 1. Oktober die Öffnungszeiten von 24 Filialen verlängert, weitere 21 folgen per 2. November. Die Filialen sind am Morgen früher geöffnet oder bleiben es am Abend länger – oder beides.

Eine Filiale im Zürcher Hauptbahnhof wird etwa samstags und sonntags neu um 7 statt 8 Uhr geöffnet und schliesst jeden Tag um 22.30 Uhr statt um 22 Uhr. Viele Supermärkte in der Stadt Zürich, etwa am Limmatplatz, in Altstetten oder in Wiedikon, sind neu bis 21 Uhr statt 20 Uhr geöffnet, morgens geht es neu oft schon vor 8 Uhr los.

Anpassungen setzt die GMZ nicht nur in der Stadt um, sondern in ihrem ganzen Gebiet, das Teile der Kantone Zürich, St. Gallen und Schwyz sowie den Kanton Glarus umfasst. So werden die Kunden etwa auch in Filialen in Kloten ZH, Reichenburg SZ oder Glarus länger bedient.

Migros reagiert auf Coop und Co.

Sprecherin Annabel Ott sagt, es habe sich gezeigt, dass die Kundinnen und Kunden mancherorts längere Öffnungszeiten wünschten. Diesem Bedürfnis komme man nach. Die Zürcher Genossenschaft geht am offensivsten vor. Doch auch die Migros Basel hat dieses Jahr in zwei Filialen in Münchenstein BL und Binningen BL die Öffnungszeiten erweitert, in Arlesheim BL geschieht dies per November. Die Migros Ostschweiz öffnet zudem ihren Supermarkt in Gossau SG seit Kurzem früher am Morgen. Die Genossenschaften Aare und Luzern haben hingegen keine solchen Pläne.

Mit der Öffnungszeiten-Offensive reagiert die Migros auf die Konkurrenz. In der Stadt Zürich schliesst etwa Coop seit Längerem viele Supermärkte erst um 21 Uhr oder 22 Uhr – nicht nur an Bahnhöfen, sondern auch in Quartieren. Auch viele Filialen von Lidl, Aldi und Spar sind morgens zum Teil deutlich vor 8 Uhr in Betrieb und schliessen um 21 Uhr oder 22 Uhr.

Lange Öffnungszeiten sind zwar teuer. Supermärkte binden – anders als kleinere Filialen von Convenience-Formaten wie Migrolino oder Coop Pronto – viel Personal. Dafür kurbeln sie den Konsum an, besonders von Produkten, die spontan eingekauft werden. Zudem entscheiden längere Öffnungszeiten über Marktanteile, gerade dort, wo mehrere Anbieter miteinander konkurrieren. Kunden, die regelmässig spätabends einkaufen und nur auf einen offenen Laden treffen, entscheiden sich oft aus Gewöhnung auch bei einem Einkauf tagsüber für diesen.

Nicht in allen Kantonen ist Abendöffnung erlaubt

Die Migros hat mehr Zuspruch nötig. Seit mehreren Monaten verlieren ihre Supermärkte und jene der Discounter-Tochter Denner Marktanteile, während Coop und Lidl zulegen. Migros-Chef Mario Irminger rechnet damit, dass sich das frühestens 2028 ändert, wie er im März sagte. Neben der Tiefpreis-Offensive setzt der Detailhändler auf die Erneuerung von Filialen.

Längere Öffnungszeiten können ein weiteres Element sein. Bei der Migros entscheiden darüber die einzelnen Genossenschaften. Die Leitplanken gibt einerseits das Arbeitsrecht des Bundes vor. Es verbietet die Beschäftigung von Personal im Detailhandel zwischen 23 Uhr und 6 Uhr sowie an Sonntagen, mit Ausnahmen etwa für Bahnhöfe, Flughäfen oder Tankstellenshops.

Andererseits regeln die Kantone, wann die Läden geöffnet sein dürfen. Während die Kantone Zürich, Aargau oder Glarus über das Bundesrecht hinaus keine Einschränkungen machen, müssen die Läden in Bern und Basel-Stadt werktags um 20 Uhr schliessen und am Samstag um 17 respektive 18 Uhr. In den Kantonen St. Gallen, Zug und Luzern ist werktags um 19 Uhr Schluss, in Freiburg sogar schon um 18.30 Uhr.

Wird Vereinbarkeit erschwert?

Um diese Regeln zu umgehen, setzen Händler vereinzelt auf Automatenläden, die in der Nacht oder sonntags nicht bedient sind. Die Migros Ostschweiz etwa unterhält seit Juli einen solchen 24/7-Laden in Herisau AR. Die Rückmeldungen seien «gut», sagt ein Sprecher. Man könne sich vorstellen, das Modell an anderen Orten einzuführen. Spruchreif sei aber noch nichts. Andere Händler wie Valora und Spar haben ähnliche Konzepte zuletzt wieder eingestampft, auch wegen Vandalismus und zu tiefen Frequenzen.

Migros Herisau Alpsteinstrasse 24-Stunden-Betrieb
Die 24-Stunden-Filiale in Herisau.Bild: Migros

Von der Öffnungszeiten-Offensive der Migros Zürich sind von Personal bediente Supermärkte betroffen. Dass sich die Arbeitsbedingungen für dieses verschlechtern, glaubt die Migros nicht. Die Einsatzplanung erfolge «sorgfältig und vorausschauend», sagt Sprecherin Annabel Ott. Die Migros lege grossen Wert darauf, die Wünsche der Mitarbeitenden hinsichtlich ihrer Einsatzzeiten nach Möglichkeit zu berücksichtigen. An den vertraglich vereinbarten 41 Wochenarbeitsstunden ändere sich nichts.

Tatsache ist aber: Für viele Migros-Mitarbeitende beginnt der Feierabend künftig später – und morgens müssen sie früher raus. Es ist eine Entwicklung, die von Gewerkschaften regelmässig kritisiert wird.

Längere Öffnungszeiten erhöhten den Druck auf die Beschäftigten, teilte der Schweizerische Gewerkschaftsbund etwa kürzlich mit. Sie verschlechterten  die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit. Bereits heute würden viele Angestellte im Detailhandel unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten. (schweizheute.ch)

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