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Bodluv-Desaster: Norweger boten der Schweiz ein weit günstigeres Abwehrsystem an

Kannte VBS-Chef Guy Parmelin die Offerte für das Luftwehrabwehrsystem und stoppte daher die Beschaffung?

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Das norwegische Nasams-Luftabwehrsystem der Firma Kongsberg hat das VBS bei der Evaluation der Bodluv-Systeme ignoriert. HO

Das norwegische Nasams-Luftabwehrsystem der Firma Kongsberg hat das VBS bei der Evaluation der Bodluv-Systeme ignoriert.  Bild: Handout

Das norwegische Nasams-Luftabwehrsystem der Firma Kongsberg hat das VBS bei der Evaluation der Bodluv-Systeme ignoriert. HO

Verteidigungsminister Guy Parmelin hat Ende Januar einen scharfen Rüffel der Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments in Bern kassiert: Sein Entscheid im März 2016, das Luftabwehrsystem Bodluv zu sistieren, sei weder sachlich noch politisch nachvollziehbar.

Blenden wir zurück. Im Frühling 2016 waren die mutmasslichen Kosten des Bodluv-Systems, das sich damals in der Evaluation befand, auf zwischen 700 Millionen und 1.1 Milliarden Franken gestiegen. Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen jetzt: Dabei hätte es weit günstigere Angebote gegeben als die, für die sich die Armee noch unter Parmelins Vorgänger Ueli Maurer entschied. Konkret lag eine Offerte vor, die ein Luftabwehrsystem «für einen garantierten Preis von nicht mehr als 500 Millionen Franken» anbot.

Der Blick auf die Zeitachse zeigt, wie sich die Kostenschätzungen entwickelten:

Norweger machten das Angebot

Innert dreier Jahre von 500 Millionen auf eine Milliarde und mehr. Was bisher nicht bekannt ist: Den Verantwortlichen von Armasuisse lag eine Offerte für ein Bodluv vor, die die ursprüngliche Summe nicht sprengte.

Konkret geht es gemäss Informationen, die der «Nordwestschweiz» vorliegen, um ein Luftabwehrsystem, das die norwegische Firma Kongsberg anbot. Dieses Bodluv, das auf dem norwegischen Nasams-Luftabwehrsystem mit neuen Amraam-Lenkwaffen des US-Herstellers Raytheon basierte, wäre für «garantiert nicht mehr als 500 Millionen Franken» zu haben gewesen. Dies hielt Kongsberg gegenüber der Armasuisse schriftlich fest, wie Recherchen zeigen. Nasams ist in sieben Ländern im Einsatz, unter anderem in Norwegen, Finnland und in den USA.

Nicht in der engeren Auswahl

Aber Kongsberg/Raytheon wurde von den Projektverantwortlichen im VBS nicht einmal in die engere Auswahl einbezogen. Die Norweger protestierten schon Anfang 2015 schriftlich bei Armasuisse-Chef Martin Sonderegger. Die Gründe, die Armasuisse für die Nicht-Berücksichtigung von Kongsberg für die Schlussrunde geltend gemacht habe, seien objektiv falsch und führten unweigerlich zum Schluss, dass Armasuisse nicht alle Bewerber gleich behandelt habe.

Diese Demarche war ungewöhnlich, weil Hersteller sich aus Sorge um künftige Aufträge nicht bei potenziellen Käufern zu beschweren pflegen. Die Norweger boten schon 2015 auch an, Armasuisse Zugang zu vertraulichen Daten der neuen Amraam-Extended-Range-Lenkwaffe zu verschaffen, die eine grössere Reichweite hat als die felderprobte, die sie anboten.

Ohne Erfolg. Auch auf eine Kongsberg-Einladung im April 2016, kurz nach der Bodluv-Sistierung also, zur Vorführung der neuen Lenkwaffen ging Armasuisse dem Vernehmen nach nicht ein. Diese neue Lenkwaffe wäre in den 500 Millionen inbegriffen gewesen.

Es gibt Hinweise, dass Parmelin im März 2016 wusste, dass weit günstigere Angebote existierten, die aber nicht berücksichtigt worden waren. Und dass das ein Mitgrund war, warum er Bodluv sistierte und später gegenüber der Geschäftsprüfungskommission (GPK) angab: Er habe den Informationen, die er von den Projektverantwortlichen im VBS erhalten hatte, «nicht vollständig vertraut».

So geht es weiter

Wie es nun mit der Bodluv-Beschaffung weitergeht, ist offen. Die GPK empfiehlt, dass das VBS die abgebrochene Evaluation wieder aufnimmt. Parmelin wartet indessen auf den Bericht einer Expertengruppe, die sich zum künftigen Zusammenspiel von Luftabwehr und neuen Kampfjets äussern soll. Bodluv und Kampfjets sollen optimal aufeinander abgestimmt werden. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • walsi 07.02.2017 11:47
    Highlight Highlight Wäre man auf das Angebot der Norweger eingegangen, hätte es keine extra Kommission in der aktuellen Grösse gebraucht und folglich wären weniger Pöstchen und Sitzungsgelder zu vergeben gewesen. Wer die Geschichte der Schweizer Armee bei ihren grösseren Beschaffungen kennt, der weiss, dass so etwas nicht geht. Nur zur Erinnerung was in den letzten 50 Jahren so falsch lief. Mirage Beschaffung, Panzer 68, der Tiger war auch nur eine Notlösung, Duro-Sanierung usw. Liste ist unvollständig.
  • Zarzis 07.02.2017 11:21
    Highlight Highlight Ich finde den Entscheid von Parmelin, absolut Richtig. Über die art und weise lässt sich Diskutiern. Aber Entscheid war Richtig.
    Dieser Beitrag beschreibt ja ein Zustand in Maurers VBS, der stark nach Korruption stinkt. Da wurde nach eigenem Gutdünken Produkte Aussortiert und andere Einbezogen. Die Idee der zwei Verschidenen Luft - Abwehr Waffen, die beide nicht die Anforderungen Erfüllen, zu Kaufen. Ist mehr als befremdend. Schön nach dem Motto, ist nicht ein Geld, ist Steuergeld!
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 07.02.2017 09:50
    Highlight Highlight Haben die Norweger es etwa Unterlassen Hochrangige Militärs in gewisse Etablissements einzuladen?

    Nein im Ernst, Gripen, Bodluv, Duro... Was läuft da bei Armasuisse falsch?
  • qrios 07.02.2017 09:47
    Highlight Highlight Die tragischste Aussage dieses Artikels ist meiner Meinung nach (mMn), dass BR Parmelin seinen Projektverantwortlichen nicht trauen kann. Transparenz und nachvollziehbare Entscheide sind mMn essenziell, um das Vertrauen in das (zu recht?) angeschlagene Bild der Schweizer Armee und deren Führung wieder herstellen zu können.
  • pamayer 07.02.2017 09:46
    Highlight Highlight Es mauschelt
    Es mauschelt
    Und Ueli mit der
  • DocM 07.02.2017 09:41
    Highlight Highlight Der Entscheid wurde wohl aufgrund dessen gefällt, dass etwas günstigeres nicht gut sein kann/darf. Hauptsache einmal mehr das Budget überschritten und dem Steuerzahler in die Tasche gegriffen.

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