Nationalrat lehnt erneute Abgabe von Taschenmunition ab
Der Nationalrat will Armeeangehörigen keine Munition mit nach Hause geben. Er hat am Donnerstag eine Motion aus den Reihen der SVP abgelehnt, die die Abgabe der Taschenmunition wieder einführen wollte.
Die grosse Kammer verwarf den Vorstoss des St. Galler SVP-Nationalrats Walter Gartmann mit 124 zu 63 Stimmen ohne Enthaltungen. Die Motion ist damit vom Tisch.
Gartmann begründete seine Forderung mit der Verschlechterung der Sicherheitslage in Europa. Die Heimabgabe von Waffe und Munition habe sich über lange Zeit bewährt. «Keine Milizarmee war so rasch einsatzbereit wie unsere Schweizer Armee», sagte er im Rat.
Eine Rolle habe in er Vergangenheit auch die Überlegung gespielt, dass Soldaten im Falle einer Mobilmachung während des Einrückens zum Angriffsziel werden könnten. Eine Annahme der Motion stärke den Wehrwillen und die Verteidigungsbereitschaft.
Der Bundesrat lehnte die Motion Gartmanns ab. Verteidigungsminister Martin Pfister sagte, aus sicherheitspolitischer Sicht sei die Heimabgabe nicht gerechtfertigt. Wichtig sei aber, genügend Munition zu beschaffen und Vorräte anzulegen. Der Bundesrat stelle zudem sicher, dass jeweils genügend ausgerüstete Truppen im Dienst stünden, um im Ereignisfall auch die einrückenden Armeeangehörigen zu schützen.
Bis 2007 gehörte die Munition zur persönlichen Ausrüstung von bewaffneten Armeeangehörigen. Seither wird sie eingezogen.
Das Votum des Nationalrats war der zweite Entscheid einer Parlamentskammer zum Thema innert sieben Monaten. Anfang Dezember 2025 hatte der Ständerat eine Motion von Werner Salzmann (SVP/BE) abgelehnt. Der Berner Ständerat hatte den Bundesrat beauftragen wollen, die erneute Abgabe der Taschenmunition vorzubereiten.
Salzmanns Vorstoss hatte im vergangenen Jahr eine breite öffentliche Debatte ausgelöst. Dies unter anderem, weil eine Mehrheit der Sicherheitspolitischen Kommission des Ständerats (SIK-S) die Motion unterstützte.
Kritikerinnen und Kritiker machten damals geltend, es sei erwiesen, dass die Suizidrate und auch die Zahl der Tötungsdelikte mit im Haus verfügbaren Schusswaffen zurückgegangen sei, seit die Munition der Armee nicht mehr nach Hause mitgegeben werde.
Pfister erklärte in der Wintersession in der Debatte zur Motion Salzmanns, es sei nicht vorstellbar, dass ein mobilisierter Soldat ausserhalb eines militärischen Verbandes Munition einsetze. (dab/sda)
